Futures East #2

Ein Themenabend im Roten Salon, Sternfoyer und Grünen Salon 

Die Grunderfahrung unserer Gegenwart ist die Dauerkrise – ob als Krieg, Klimaproblem, gesellschaftliche Spaltung oder als unberechenbare Technologie (z.B. Künstliche Intelligenz), befeuert von einem Klassenkampf der Milliardärs-Prepper gegen die Masse der Zurückbleibenden. „Die Bahn der Beschleunigung, die in der Vernichtung“ enden kann, sah Heiner Müller mit dem Ende des Kalten Krieges betreten. Seitdem entfesselt sich der Kapitalismus global und allein; die systemische Alternative ‒ Bürokratien der Entschleunigung, wie Guy Debord den real existierenden Sozialismus nannte ‒ implodiert 1989.

Mit dem Verschwinden eines wie auch immer problematischen systemischen Anderen, verschwand auch das Denken der Alternative. Den Gegenentwurf zur allgegenwärtigen Ohnmacht besetzen aktuell vor allem die Rechten, international aber eben auch in Deutschland, bis hin zur Übernahme des Wortes Alternative in dem Parteinamen der AfD oder der Appropriierung des Dritten Weges durch eine extremistische Splittergruppe. Dabei waren Überlegungen zu einem Dritten Weg, der auf einen anderen, reformierten Sozialismus zielt, grundsätzlich nicht zuletzt für die progressive Bürgerbewegung im Herbst 1989 in der DDR maßgeblich.

Doch statt solche vereinzelten emanzipatorischen Momente deutscher Geschichte hervorzukehren, bei denen der Impuls von der Bevölkerung selbst ausging, wird der Osten bis heute als rückständig und rechtslastig identifiziert. Enteignungsdebatten (etwa zur Frage der Wohngerechtigkeit) werden sofort als Weg in die Ein-Parteien-Diktatur gerahmt, Auseinandersetzungen mit heutigen Missständen somit sabotiert.

Futures East#2 durchbricht das Schweigen über den Osten als Gegenentwurf zur gegenwärtigen politischen Ohnmacht auf nationaler, europäischer und globaler Ebene – was heute als GLOBAL EAST verhandelt wird –, und erinnert daran, in welchen Ausformungen eine andere Gesellschaft gedacht und probiert wurde. Ob via Bodenreform und der Abschaffung des Bildungsprivilegs in der DDR inklusive fortschrittlicher Frauenrechte, ob als trans-ethnisches ökonomisch selbstverwaltetes Konstrukt wie im Falle von Jugoslawien, oder durch den Zusammenschluss sozialistischer Länder in der Bewegung der blockfreien Staaten, die eine Solidarität nicht zuletzt mit dem globalen Süden jenseits der Pole von USA und Sowjetunion praktizierten. Diese politische Geschichte ist in den Biografien sogenannter Post-Ost-Menschen (post-sowjetisch, post-jugoslawisch, post-ostdeutsch) codiert. Futures East #2 öffnet den Blick auf diese Geschichte.

Das genaue Programm mit entsprechenden Gästen wird in Kürze veröffentlicht.

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