Futures East #2

Ein künstlerisch-diskursiver Themenabend im Roten Salon, Sternfoyer und Grünen Salon mit: Julia Boxler, Boris Buden, Čarna Brković, Marc Ferch, Anna Herms, Leonie Jenning, Sebastian Kaiser, Darja Klingenberg, Fatbardh Kqiku, Aleks Lewicki, Vedrana Madžar, Susanne Marian, Luise Meier, Ani Menua, Anna Mikheeva, Alicja Orlow, Zoran Terzić, Anna-Lena Wenzel, Anna Zett, Agathe Israel, Durak Kollektiv und X3 Kollektiv
Klasse für Performative Künste (HGB Leipzig): Heather Koen, Véra Marie Deubner & Luca Diebold, Robin Becker

Die Grunderfahrung unserer Gegenwart ist die Dauerkrise: ob als permanenter Kriegszustand, drohender Klimakollaps, Social-Media-Diktatur, Digitalisierung des Bewusstseins (KI), Kontroll- und Kriegstech (Palantir) oder als Befeuerung von Ausgrenzungsmechanismen (Xenophobie, Rassismus usw.). On Top ein Klassenkampf der Longevity-Oligarchen und Milliardärs-Endzeit-Prepper gegen die Masse der Zurückbleibenden. „Die Bahn der Beschleunigung, die in der Vernichtung“ enden kann, sah Heiner Müller mit dem Ende des Kalten Krieges und der folgenden Entfesselung des globalen Kapitalismus beschritten. Die systemische Alternative ‒ „Bürokratien der Entschleunigung”, wie Guy Debord den real existierenden Sozialismus nannte ‒ implodiert 1989.

Mit dem Verschwinden eines wie auch immer problematischen systemischen Anderen verschwand auch das Denken der Alternative. Den Gegenentwurf zur allgegenwärtigen Ohnmacht besetzen aktuell vor allem die Rechten, international aber eben auch in Deutschland, bis hin zur Übernahme des Wortes Alternative im Parteinamen der AfD oder der Appropriierung des Dritten Weges durch eine rechtsextremistische Splittergruppe. Dabei waren Überlegungen zu einem Dritten Weg, der auf einen anderen, reformierten Sozialismus zielt, grundsätzlich nicht zuletzt für die progressive Bürgerbewegung im Herbst 1989 in der DDR.

Doch statt solche vereinzelten emanzipativen Momente deutscher Geschichte hervorzukehren, bei denen der Impuls von der Bevölkerung selbst ausging und nicht wie die liberale Demokratie und der Mauer-Sozialismus nach 1945 von oben aufgepfropft wurde, wird heute gern der Osten als problematisch rückständig und rechtslastig ausgesondert. Enteignungsdebatten (etwa zur Frage der Wohngerechtigkeit) werden sofort als Weg in die Ein-Parteien-Diktatur gerahmt und somit jede Auseinandersetzung mit heutigen Missständen sabotiert. Zugleich vereinnahmen manche heutigen West-Politiker:innen das Aufbegehren Ost von 1989, um es als genuinen Ausdruck einer urdeutschen westlich-demokratischen Gesinnung in den nationalen Kanon zu überführen und damit den historischen Moment zu pervertieren (Wolfram Weimers „wir 89er“).

FUTURES EAST #2 durchbricht das Schweigen über den Osten als Gegenentwurf zur gegenwärtigen politischen Ohnmacht auf nationaler, europäischer und globaler Ebene – was aktuell als GLOBAL EAST verhandelt wird –, und erinnert daran, in welchen Ausformungen eine andere Gesellschaft gedacht und probiert wurde. Ob via Bodenreform, fortschrittlicher Frauenrechte und der Abschaffung des Bildungsprivilegs, ob als ökonomische Selbstverwaltung oder als Zusammenschluss sozialistischer Länder in der Bewegung der blockfreien Staaten, die eine Solidarität nicht zuletzt mit dem globalen Süden jenseits der Pole von USA und Sowjetunion praktizierten. Diese politische Geschichte ist in zahlreichen Biografien codiert, die im Kontext des Zerfalls des sozialistischen Systems in Ost- und Südosteuropa, im Kaukasus und in Zentralasien stehen und u.a. im sogenannten ‚PostOst‘-Diskurs beheimatet sind. FUTURES EAST #2 öffnet den Blick auf diese Geschichte in Richtung Zukunft.

Programmübersicht:

Sternfoyer:
18.00 Durak-Stammtisch
18.30 ASMR-Schach mit Alex Kurz & Zoran Terzić (und andere Performances)
19.00 Performance: Es ist und wird sein. von Vedrana Madžar
20.00 Großer Runder Tisch: Alternative für Deutschland, Dritter Weg für Europa, Blockfreiheit fürs Universum. u.a. mit: Julia Boxler, Boris Buden, Marc Ferch, Anna Herms, Leonie Jenning, Sebastian Kaiser, Susanne Marian, Luise Meier, Zoran Terzić und X3 Kollektiv

Garderobe vorm Grünen Salon:
19.00‒20.00 Spells & Speculations. Ein spekulativ-performatives Setting, in dem Zukunft, Intuition und politische Gegenwart über ästhetische und symbolische Praktiken neu gelesen werden. Von X3 Tarot mit donotdistort

Grüner Salon:
18.00‒20.00 Runder Tisch: X3 FUTURES PostOst, ein immersives, reflexives X3 PostOst Szenario mit multiperspektivischen Dimensionen, u.a. mit Julia Boxler, Čarna Brković, Fatbardh Kqiku, Darja Klingenberg, Aleks Lewicki, Ani Menua, Alicja Orlow
20.00‒22.00 Filmloop: Wohnungsbeute Berlin, ein Film mit Andrej Holm über die Privatisierung der Wohnungen seit 1989, mit Englischen Untertiteln, von Sebastian Kaiser

Roter Salon:
18.00 Runder Tisch: ZEITMASCHININ Weltordnung Wörter; u.a. mit Anna Herms, Anna-Lena Wenzel, Leonie Jenning
20.00 Performative Versammlung: Neues Forum der Feelings von Anna Zett und Gästen

Umgang vorm Roten Salon:
18.00‒22.00 Installation: IDIOLAB meets X3. Stimmen aus dem Arsch der Welt.

 Monitore in den Umgängen:
18.00‒22.00. Filme & Loops:
Video: Einheit und Zeit von Zoran Terzič (2025)
Video: IDIOLAB-Interview mit Gregor Gysi (2026)
Video: Partisan Stereo (Šolaja 1955, Doktor Mladen 1975), ed. Vedrana Madžar
Video: IDIOLAB tba

Programm ausführlich

Sternfoyer:
18.00 Durak-Stammtisch von und mit: Durak Kollektiv
Seit zwei Jahren mischt ein Kollektiv im Osten Berlins nicht nur die Karten, sondern auch die Post-Ost-Community auf. Gewidmet dem Kartenspiel Durak werden regelmäßig Abende organisiert, die kompetitives Spiel mit gesellschaftlich-politischem Austausch verbinden. Der Stammtisch lädt ab 18.00 in das Sternfoyer zu einer Partie Durak ein: Einem Spiel, bei dem man seine Karten möglichst schnell loswerden muss. Wer am Ende noch Karten hat, ist der „Durak“. Das Spiel wird dabei zur Methode: Angriff, Verteidigung, Taktik und kalkuliertes Risiko strukturieren nicht nur die Runden am Tisch, sondern spiegeln Erfahrungen von Zugehörigkeit, Ausschluss und Aushandlung. So entsteht eine offene Plattform für den Post-Ost-Diskurs und die Community. Mit Videokonzept von Iliya Braun

19.30 Vedrana Madžar: Es ist und wird sein
„Jeste, bit će! Jeste, bit će, Na horizontu vidim zora sviće!“
„Es ist und wird sein, es ist und wird sein | Am Horizont dämmert des Morgens Schein.
Ein performativ-edukatives Programm zur Erweckung des Barbarogenius.
Der „Barbarogenije“ ist eine Idee, ein Gedicht, ein Schrei. Die Figur einer Antwort auf die europäische Krise, ein Aufbegehren gegen die scheiternde westliche Zivilisation, ein partisanischer „Wille“, der danach strebt, die alte Ordnung zu überholen und ein neues gesellschaftliches Modell zu erschaffen.
Es ist und wird sein!

20.00 Großer Runder Tisch: Alternative für Deutschland, Dritter Weg für Europa, Blockfreiheit fürs Universum. u.a. mit: Boris Buden, Marc Ferch, Anna Herms, Leonie Jenning, Sebastian Kaiser, Susanne Marian, Luise Meier, Zoran Terzić und X3 Kollektiv
ALTERNATIVE – Seit den rechten Gewaltwellen der frühen 1990er Jahre (Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen) sickern rechtsextreme Positionen wieder gezielt in Parlamente, Verwaltungen und Institutionen ein. Die autoritären Dispositionen dahinter haben Wurzeln: Westdeutschland übernahm NS-belastete Eliten nahtlos in Justiz und Bildung, und die 68er erschütterten diese Strukturen, transformierten sie aber nicht. In der DDR wurde die offen gelebte Dissidenz systematisch unterdrückt. Nach 1990 traf ostdeutsche Entmündigungserfahrung auf westdeutsche „Restauration“. Es schleicht sich ein Misstrauen gegenüber den demokratischen Grundfesten ein, welches in eine autoritäre Sehnsucht umschlägt. Mit welchem politischen Nachwuchs haben wir es heute im Osten und im Westen in Deutschland zu tun? Wie schaffen wir linke, selbstwirksamkeitsfördernde Strukturen, damit die rechte Alternative nicht weiterhin der vermeintlich einzige Weg aus der politischen Ohnmacht bleibt?
DRITTER WEG – Nach dem gescheiterten (Kommunismus) und dem gegenwärtigen Krisen-Kapitalismus machen wir uns auf die Suche nach den Vorläufern und Möglichkeiten des dritten Weges. Ein dritter Weg, der vielleicht ‒ wie von den Bürgerrechtsbewegungen im Herbst ’89 gefordert ‒ ein demokratischer Sozialismus ist, der auch heute und vehement die Eigentumsfrage neu stellen könnte. Und/oder der ganz neue Verbindungen von Mensch, Natur und Technik eingeht. Kurzum, in diesem thematischen Teil wird am Runden Tisch nach dem Aussehen eines Post-Post-Kommunismus (Boris Buden) gefragt, der östliche Erfahrungen auch der Vergangenheit einschließt und diese unter Berücksichtigung neuer technischer Entwicklungen und Diskurse hinsichtlich ihrer Zukunftstauglichkeit befragt. Welche Formen auch wirtschaftlicher Teilhabe, bspw. wie in Jugoslawien, sind als Dritter Weg denkbar? Welche Rolle kann das Wissen von hunderten von Millionen Menschen spielen, die ‒ mit welchen Negativerscheinungen auch immer behaftet ‒ in Ländern aufgewachsen sind, in denen Eigentum keine oder eine sozial sehr festgelegte Rolle gespielt hat?
UNIVERSUM – Wo beginnt der Osten? Während wir in Deutschland uns noch immer über die Folgen des Mauerfalls streiten, haben sich die globalen Realitäten längst verändert. Die Energie produzierenden Golfstaaten mit ihren sehr anderen Verständnissen von Menschenrechten und Freiheit werden aktuell zum Strohhalm und Rettungsanker auch des europäischen liberal-kapitalistichen Wirtschaftens; sie schließen in Sachen Diplomatie und Ansehen zu vollwertigen Global Players auf. Derweil hat China mit seinem Einparteien-Kapitalismus eine eigene Liga von Zukunftstauglichkeit eröffnet. Zusammen machen der Nahe Osten, China, Indien und Japan über die Hälfte der Weltbevölkerung aus, die sich unter dem Stichwort Global East zusammenfassen lässt. Was hat dieses Global East mit unserem lokalen oder europäischen Osten zu tun? Oder ist die Projektion auf Global East nicht vielmehr eine Herausforderung für eine eigenständige, zukunftsfähige Position zwischen den Machtblöcken? Eine Blockfreiheit, die sich aus der Perspektive des planetarischen Denkens wie im Blockbuster Der AstronautProject Hail Mary als Aufforderung zu einer universalen Kohabitation denken lässt.

Garderobe vorm Grünen Salon:
19.0020.00 Spells & Speculations. Ein spekulativ-performatives Setting, in dem Zukunft, Intuition und politische Gegenwart über ästhetische und symbolische Praktiken neu gelesen werden, von X3 Tarot mit donotdistort
Wir schlagen vor, Tarot nicht als sichere oder endgültige Quelle von Wahrheit zu betrachten, sondern als ein Instrument, das es ermöglicht, über komplexe Realitäten zu sprechen und sie aus der Perspektive PostOst zu betrachten.
Wie können wir heute eine politische Krise gemeinsam überstehen und vielleicht transformieren? Wie können wir unsere Vorstellungskraft erweitern, um neue alternative Wege aus komplexen Situationen zu finden? Und wie können wir über alte Gegensätze hinausdenken: über West und Ost, wir und wie, gut und böse?
In diesem Tarot-Reading arbeiten wir mit bekannten Bildern, Symbolen und Alltagsobjekten, um alternative Trajektorien für persönliche und kollektive Geschichten zu entwickeln. Motive unseres Alltags dienen dabei als Ausgangspunkte und Schemata für unsere gemeinsame Praxis.

Grüner Salon:
18.0020.00 Runder Tisch: X3 FUTURES PostOst, ein immersives, reflexives X3 PostOst Szenario mit multiperspektivischen Dimensionen, u.a. mit Julia Boxler, Čarna Brković, Fatbardh Kqiku, Darja Klingenberg, Aleks Lewicki, Ani Menua, Alicja Orlow
An diesem Round Table wird „der Osten“ nicht als Vergangenheit verhandelt, sondern im Rahmen von PostOst als umkämpfter Gegenwartsraum, in dem sich historische Brüche, politische Versprechen und aktuelle Machtverhältnisse überlagern. PostOst markiert dabei keinen geographisch geschlossenen Raum, sondern eine vielschichtige Konstellation aus Erfahrungen, Erinnerungen und Wissensformen zwischen Mittel-, Ost-, Südosteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien. Im Zentrum steht die kritische Bezugnahme auf sozialistische Gesellschaftsmodelle, die Emanzipation und Gewalt, Gleichheit und Kontrolle zugleich hervorgebracht haben. Radikale Umverteilung, Bodenreform, die Abschaffung von Bildungsprivilegien und Fortschritte in der Geschlechtergleichheit standen in der UdSSR, der DDR, Jugoslawien sowie in weiteren sozialistischen Staaten Ost- und Südosteuropas im engen Zusammenhang mit autoritären Transformationsprozessen und staatlicher Kontrolle. Emanzipatorische Ansprüche, Repression und Zwang sind darin nicht zu trennen, sondern strukturell verschränkt.
PostOst versteht diese historischen Formationen nicht als abgeschlossene Kapitel, sondern als in Staatsgebilden, Gesellschaften, Körpern, Familien und Biografien sedimentierte Erfahrungen, die bis in die Gegenwart reichen. Der Diskurs macht diese Verflechtungen sichtbar und setzt sie in Beziehung zu aktuellen Verschiebungen: Dekolonisierung, neue Autoritarismen, Nostalgie und eine zunehmend multipolare Weltordnung. Im Zentrum von PostOst steht dabei die Frage nach Macht über Erinnerung: Wer spricht, wer wird gehört und welche Geschichten gelten als legitim? Der Round Table versteht sich als Intervention gegen eurozentrische Erzählregime und als Versuch, Erinnerung nicht zu befrieden, sondern ihre Brüche, Widersprüche und Leerstellen sichtbar zu halten.

20.0022.00 Filmloop. Wohnungsbeute Berlin, ein Film mit Andrej Holm über die Privatisierung der Wohnungen seit 1989, Ein Film von Sebastian Kaiser
Der Stadtsoziologe Andrej Holm erklärt in dem Film die Instrumente der Privatisierung der Wohnungen in Berlin. Unter anderem: Die erste Phase der Privatisierung: ab 1990 und via Einigungsvertrag. Das betrifft die Altbauten und Neubauten Ostberlins. Die zweite, austeritätsgetriebene Phase der Privatisierung: ab ca 2001 und in Zusammenhang mit der Verschuldung Berlins, bspw. durch den Bankenskandal. Diese Phase betrifft Ost- und Westberlin gleichermaßen. Auch durch die Zusammenlegung von Wohnungsbaugesellschaften werden massenweise einst kommunale Wohnungen verkauft. Zwei Exkurse: 1) Vergleich zwischen den Enteignungen in der DDR (1949) und der BRD (1990). 2) Wie wird die Vermögensungleichheit Ost/West an die Post-Ost-Generation weitergegeben?

Roter Salon:
18.00 Runder Tisch: ZEITMASCHININ Weltordnung Wörter; u. a. mit Anna Herms, Anna-Lena Wenzel, Leonie Jenning
Am 03. Dezember 1989 trafen sich über tausend Frauen aus der gesamten DDR in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum Austausch und zur Vernetzung, auch mit Frauengruppen aus dem Westen. Ein paar Monate später wurde der Unabhängige Frauenverband (UFV) gegründet. Was bedeutete der Aufbruch für die Feministinnen? Worin bestanden die Schwierigkeiten für eine gemeinsame Bewegung?
Und welche Allianzen in allen Lebensbereichen sind heute möglich und notwendig, um dem männlich dominierten Machtapparat entgegenzuwirken und und das innere Patriarchat zu überwinden?
Die Zeit ist keine Wurst. Zyklus versus Strahl. ZEITMASCHININ begreift das geschriebene Wort von Autorinnen aus verschiedenen Zeiten, ihre Stimmen und ihre fortwirkenden Gedanken als Material, als Archiv, als Werkzeug, um über verlorene und zukünftige Möglichkeiten nachzudenken. Welche Ideen und Utopien, die sich in der Literatur manifestiert, können uns wieder Hoffnung geben?

20:00 Neues Forum der Feelings – Performative Versammlung von Anna Zett und Gästen
Für die Künstlerin und Autorin Anna Zett entsteht die Zukunft des Ostens in Versammlungen, in denen die Wahrnehmung der gegenwärtigen Interaktion realer ist als die eigene Identität. In einem durch einfache Spielregeln strukturierten Format des Gruppendialogs, das auf der Interview-Form basiert, lädt sie nicht nur ihre Gäste, sondern alle Anwesenden dazu ein, dem Gegenüber die eigene Stimme zuzumuten und fremden Gefühlen mit Neugier zu begegnen. Als ein Kind der autodidaktischen Generation, die in der DDR-(Opposition) das Fühlen aber im euroamerikanischen Kapitalismus das Denken gelernt hat, ist Anna Zett heute selbst in der Lehre tätig und bringt im Salon drei performative Impulse von Kunststudierenden des 21. Jh. mit einer DDR-erfahrenen Psychoanalytikerin zusammen, um transgenerationale Wissensübertragung auf unüblichen Wegen zu ermöglichen.

Umgang vorm Roten Salon:
1
8.0022.00 Installation: Idiolab meets X3. Stimmen aus dem Arsch der Welt.
Audio-visuelle Installation & Sarkophag SAKO I.
Absurdität, Angst, Müdigkeit, Ohnmacht, Top-down-Gewalt, Wut, Überforderung und manchmal Humor.
Viele Menschen, besonders Personen aus diskriminierten, migrantisierten oder prekären Gruppen, wissen genau, wie sich das deutsche Behördensystem anfühlen kann: gleichgültig, aggressiv, entwürdigend oder grausam.
Manchmal reicht die schlechte Laune einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters, ein falscher Blick, ein fehlender Satz in einem Formular, ein Stempel oder ein Termin, um das Leben einer Person massiv zu beeinflussen oder einfach eine Panikattacke auszulösen.
Für Stimmen aus dem Arsch der Welt hat X3 persönliche Erfahrungen mit deutschen Behörden aus der PostOst Migra-Bubble und beyond gesammelt. Die Aufzeichnungen setzen eine vielstimmige Montage über bürokratische Gewalt, alltägliche Ohnmacht und absurde Formen, in denen sich Macht zeigt.
Bürokratie ist nicht für alle gleich.
Dieses Kunstwerk ist durch die kollektive Arbeit von X3 (Anna Mikheeva, Julia Boxler, Ani Menua) und des Sound Artist Trevor Doherty sowie der Personen, die ihre Erfahrungen in das Projekt eingebracht haben, entstanden. Arrangiert in der Skulptur „Sako I.“ von IDIOLAB und Zoran Terzić

Monitore in den Umgängen:
18.00‒22.00. Filme & Loops:
Video: Einheit und Zeit von Zoran Terzič (2025)
Video: IDIOLAB-Interview mit Gregor Gysi (2026)
Video: Partisan Stereo (Šolaja 1955, Doktor Mladen 1975), ed. Vedrana Madžar
Video: IDIOLAB tba

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