

Leben und Freiheit: Selbstbestimmung jenseits des Kapitalismus
Das gegenwärtige Freiheitsverständnis steckt in einer Krise: Die Freiheitsversprechen des Liberalismus haben sich so nachhaltig erschöpft, dass reaktionäre und autoritäre Bewegungen den Begriff der Freiheit in den letzten Jahren mühelos kapern konnten. Im Hintergrund dessen liegen nicht bloß uneingelöste Versprechen, sondern der Verdacht, dass die Realisierung der liberalen Versprechen selbst eine tiefere Form der Beherrschung und Unterwerfung bedeutet hat. Autonomie hat sich nicht als Selbstbestimmung erwiesen, sondern als Selbstunterwerfung, als Beherrschung und Ausbeutung der Natur und als besonders effektiver Mechanismus sozialer Kontrolle. Vor diesem Hintergrund müssen wir den Begriff der Freiheit noch einmal grundlegend neu bestimmen. In ihren Büchern Dieses eine Leben (2024) und The Life of Freedom (2026) versuchen Martin Hägglund und Thomas Khurana dies beide, indem sie Freiheit im Rückgang auf den Begriff des Lebens neu bestimmen. Nur indem wir von diesem einen Leben in seiner Endlichkeit ausgehen, so Hägglund, können wir Freiheit neu als Versuch verstehen, unserer begrenzten Zeit gemeinsam Bedeutung zu geben. Und nur, indem wir Autonomie auf die Fähigkeit von Lebendigem zurückführen, sich selbst zu bestimmen, so Khurana, gewinnen wir die Freiheit unser Leben zu ergreifen und zu verwandeln, statt ihm im Versuch es zu beherrschen zu unterliegen. Beide Versuche stehen dabei in Spannung zur kapitalistischen Logik der Verwertung und zum neoliberalistischen Modus politischer Herrschaft. Im Roten Salon stellen Martin Hägglund und Thomas Khurana ihre Bücher wechselseitig vor und diskutieren gemeinsam mit Rahel Jaeggi, wie wir durch eine lebendige Form der Freiheit unser Verhältnis zu uns selbst, zur Natur und zu anderen neu bestimmen können und wie Selbstbestimmung jenseits von Kapitalismus und Liberalismus neu gedacht werden kann.
Die Diskussion findet auf Englisch statt.