





“I Thought You Hate War As You Called Me!”
Während Krieg Städte zerstört, löscht er nicht nur Leben, sondern auch Erinnerung, Kultur und die Möglichkeit, Geschichte weiterzuschreiben. Gleichzeitig verschärft sich im Schatten des Angriffskrieges der USA und Israels die staatliche Repression der Islamischen Republik im Iran – leiser, weniger sichtbar, aber umso intensiver. Was über Jahre von zivilgesellschaftlichen Bewegungen aufgebaut wurde, wird heute zurückgedrängt, fragmentiert und systematisch ausgelöscht.
Dieses Programm zeigt Filme des unabhängigen Filmkollektivs Left Bank aus dem Iran. Die Arbeiten entstanden unter schweren Bedingungen – vor und während der Eskalation von Gewalt und Krieg. In Momenten von Massakern und US-israelischen Bombardierungen wird das Netz im Iran nicht bloß gestört, sondern als strategische Waffe gekappt, um Zeug:innenschaft zu unterbinden und den Schrei nach außen zu ersticken.
Die Filmemacher:innen arbeiten in diesem Vakuum – dort, wo Kommunikation unterbrochen und künstlerische Praxis lebensgefährlich ist. Die Filme erreichen uns als Fragmente eines unterbrochenen Dialogs: dringliche Zeugnisse aus einem Raum, der gewaltsam von der Welt abgeschnitten und von den Mächten des Krieges vernichtet wird.
Ästhetik des Widerstands: Das andere Kino
Diese Filme entstehen ohne Budget, oft innerhalb weniger Tage, mit minimalen Mitteln. Viele der Beteiligten realisieren erstmals einen Film und übernehmen zugleich alle Rollen selbst: Regie, Kamera, Schnitt, Ton. Diese Praxis ist keine stilistische Entscheidung allein, sondern eine Form des Überlebens – und des Widerstands.
Als nicht-narratives Kino verweigern sich diese Arbeiten der Dominanz der Erzählung. Sie suchen nicht nach linearer Bedeutung, sondern nach Intensität: Treffende Bilder, die konfrontieren, statt zu repräsentieren.
Begleitet von einer Einführung durch Dr. Maryam Palizban über das Verschwinden von Schutzräumen, wenn Krieg und Repression Kultur und Leben zugleich angreifen.
Das Kollektiv Left Bank widmet sich seit 2018 dem Feld des Dokumentarfilms mit den Schwerpunkten Bildung, Produktion und Filmemachen. Die selbstverwaltete und unabhängige Organisation zielt durch einer auf einem Rat basierenden Struktur darauf ab, konventionelle Formen der Filmproduktion sowie vertikale, hierarchische Bildungsmodelle aufzubrechen.
Bis heute hat Left Bank Dutzende von Filmen im Bereich des Non-Fiction-Kinos produziert und gezeigt, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf Dokumentar- und experimentellen Praktiken liegt. Seine über offene Ausschreibungen zugänglichen Bildungs- und Produktionsworkshops ermöglichen den Teilnehmer:innen jährlich mehrmonatige Programme, die sich vom kreativen Ideenprozess bis zur öffentlichen Filmvorführung erstrecken.
Zu den Kernprinzipien von Left Bank gehören das Zeigen und die Wiederentdeckung marginalisierter und vergessener Meisterwerke des Non-Fiction-Kinos; eine Revolte gegen die vorherrschende und festgefügte filmische Grammatik; die Beseitigung oder Reduzierung von Verzögerung als definierendes Merkmal des Kinos; die Wiederbelebung des kollektiven und reaktiven Filmemachens; der Widerstand gegen filmischen Zentralismus; der Widerstand gegen die Hegemonie des narrativen Kinos; die Beseitigung von Hierarchien sowohl in der Ausbildung als auch in der Produktion; die Neudefinition der Filmökonomie; sowie die Schaffung von No-Budget- oder Low-Budget-Werken durch einfache Werkzeuge und minimale Mittel.
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.