
Freedom of Movement
Der 20. Juni ist weltweit ein Tag der Solidarität mit Geflüchteten. Gemeinsam mit Organisationen wie medico international, Sea-Watch, Women in Exile sowie künstlerischen Beiträgen nehmen wir diesen Tag zum Anlass, Menschen zu würdigen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen müssen – und ihre Rechte, Bedürfnisse und Perspektiven in den Mittelpunkt zu stellen.
Während dieser Tag ein Zeichen der Unterstützung setzt, verschärft sich zugleich die politische Debatte: Flucht und Migration werden zunehmend als Wahlkampfthemen instrumentalisiert. Nicht nur konservative Kräfte, sondern auch Parteien der sogenannten Mitte setzen verstärkt auf Abschottungspolitiken und Maßnahmen, die grundlegende Rechte infrage stellen.
Diese Entwicklungen sind Teil breiterer autoritärer Verschiebungen, die sich nicht nur an den Außengrenzen Europas zeigen, sondern auch in der Innenpolitik – etwa in der Aushöhlung von Rechten, der Verschärfung von Asylgesetzen und einer zunehmend enthemmten Abschiebungsdebatte. Die Umsetzung der GEAS-Reform steht exemplarisch für diese Tendenzen: Sie bedeutet faktisch Internierung, Entrechtung und einen tiefgreifenden Umbau des europäischen Asylsystems.
Der Abend will diese Zusammenhänge sichtbar machen: Wie Grenzregime, ökonomische Interessen und politische Machtverschiebungen ineinandergreifen – und wie sich autoritäre Dynamiken entlang von Migrationspolitiken verdichten und normalisieren, auch im deutschen Kontext.
Der Titel Freedom of Movement nimmt Bewegung nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als umkämpftes Prinzip ernst. In einer Welt, in der Waren und Kapital nahezu reibungslos zirkulieren, wird Bewegung für viele Menschen zur Grenze, zum Risiko, zur Gewaltfrage. Bewegungsfreiheit erscheint nicht als universelles Recht, sondern als Privileg, das entlang von Herkunft, Pässen und politischen Interessen verteilt wird.
Zugleich verweist „Movement“ auf mehr als Migration im engeren Sinn. Bewegung ist keine bloße Fortbewegung, sondern der Zustand, in dem sich Gesellschaft überhaupt erst formiert. Gegen jede Vorstellung von Ordnung als Fixierung oder Stillstand erinnert sie daran, dass das Soziale immer im Werden ist – konflikthaft, widersprüchlich, offen. Migration legt diese Dynamik frei: Sie macht sichtbar, wo Bewegung gewünscht ist und wo sie gewaltsam gestoppt wird.
In diesem Sinne markiert der gegenwärtige Umbau der Migrationspolitik mehr als nur eine Verschärfung von Gesetzen. Er steht für den Versuch, Bewegung zu kontrollieren, zu verlangsamen oder zu immobilisieren – und damit auch für eine autoritäre Sehnsucht nach Stabilität, die sich nicht nur an den Rändern Europas zeigt, sondern tief in seine politischen Zentren hineinreicht.
Freedom of Movement schafft Raum für Kritik und Solidarität. Gemeinsam hinterfragen wir bestehende Grenzregime, machen Perspektiven von Menschen mit Fluchterfahrung sichtbar und eröffnen neue Blickwinkel auf Migration, Bewegungsfreiheit und globale Ungleichheiten.
Künstlerische Beiträge
Der ägyptische Dichter und Performer Abdullah Miniawy verbindet in seiner Arbeit musikalische und poetische Traditionen mit Fragen nach künstlerischer Freiheit und Gegenwart. In Zusammenarbeit mit den Münchner Musikern Carl Gari entsteht seit 2015 ein eindringlicher Sound zwischen elektronischen Klanglandschaften und existenzieller Intensität.
Weitere Ankündigungen folgen in Kürze.