Archiv der Leerstellen: Leben und Widerstände der iranischen Diaspora in Berlin ( 1970-2000)

Seit Jahrzehnten ist Berlin für iranische Migrant:innen und im-Exil-Lebende mehr als nur ein Ankunftsort: Die Stadt war historisch gesehen ein Epizentrum politischer Kämpfe gegen Autoritarismus und für Gerechtigkeit und Würde. Von den Massenprotesten gegen den Schah im Jahr 1967 bis hin zu den Kämpfen für Gerechtigkeit im Zuge der Mykonos-Attentate wurde Berlin für viele zu einem neuen politischen und persönlichen Zuhause. Die Topografie dieser Stadt ist somit untrennbar mit all den Kämpfen verwoben, die Berlin als einen Raum des Widerstands mitaufgebaut haben.

Geprägt durch Vertreibung, politische Unterdrückung und die Erfahrung der Prekarität, bleibt diese Geschichte fragil und vom Vergessen bedroht. Sie existiert weitgehend als Leerstelle außerhalb des Rahmens nationaler oder offizieller Geschichtsschreibung – weder im Iran noch in Deutschland. Deshalb wird sie vor allem über Erzählungen bewahrt und weitergegeben – als ein lebendiges, aber verletzliches Archiv der Diaspora, das sich der offiziellen Geschichtslosigkeit widersetzt.

Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte ist weit mehr als ein Blick zurück; die Erinnerung(en) konstituieren die heutigen politischen Realitäten. In ihnen liegt eine Form der Gleichzeitigkeit: Viele der Fragen, mit denen wir heute konfrontiert sind, wurden in dieser Geschichte bereits durchlebt, erlitten und bearbeitet. Es sind Fragen nach der Bedeutung politischer Organisierung aus der Ferne, nach dem Erinnern als politischer Praxis sowie nach dem Leben und Überleben unter staatlicher Gewalt.

In dieser Reihe suchen wir die Vergegenwärtigung dieser Geschichte im Politischen wie im Persönlichen und betrachten die Topografie der Stadt Berlin durch diese Erzählungen neu. Basierend auf einer Sammlung von Oral-History-Interviews, persönlichen Objekten, Fotografien und Videofragmenten folgen wir den Echos und Spuren dieses Lebens zwischen 1970 und 2000 in Berlin. Die Reihe wird von einer Ausstellung (19.–27.04. im Sternschuppen) sowie vier Sitzungen im Roten Salon begleitet. Jede Sitzung widmet sich einem spezifischen Kampf und setzt sich mit dessen Kontinuitäten und Brüchen auseinander.

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