Catching Strangers beginnt an einem Punkt, an dem Gewissheiten kurz aussetzen. Menschen, die einander nicht kennen, stehen nebeneinander. Für einen Moment gelten sie als Familie. Nicht, weil sie es sind – sondern weil jemand sie so ansieht. Die Fotografie hält diesen Augenblick fest, die Literatur setzt danach ein. Und plötzlich ist da eine Geschichte. Der Abend im Roten Salon folgt keiner linearen Erzählung. Er nähert sich dem, was wir Wirklichkeit nennen – tastend, ohne Sicherheitsnetz. Für einen Moment scheint die Welt näher zu rücken: Stimmen aus unterschiedlichen literarischen Perspektiven treffen auf Bilder, die sich einer festen Zuordnung entziehen. Kurze reale Beobachtungen und Anekdoten aus dem Entstehungsprozess der Fotografien und den Begegnungen mit ihren zufälligen Protagonisten lassen etwas von der Wahrheit und Wahrhaftigkeit dieser Momente durchscheinen. Bilder erscheinen, Texte werden gelesen, Stimmen überlagern sich, Klang öffnet Zwischenräume. Lesung wird Erinnerung, Erinnerung wird Nachhall. Nichts wird erklärt, vieles wird sichtbar. Fotografie und Literatur begegnen sich hier nicht als Illustration und Kommentar, sondern als gleichwertige Formen der Welterzeugung. Bilder behaupten, Texte widersprechen, Musik verschiebt den Boden unter den Füßen. Was bleibt, ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit. Wer jetzt der Meinung ist, nichts verstanden zu haben, ist hier genau richtig.

Der Bildband Catching Strangers (Hatje Cantz, 2025) versammelt 23 literarische Texte renommierter Autorinnen und Autoren, entstanden zu über 100 analogen Schwarzweißporträts fiktiver Familienkonstellationen.

Mit u. a. Felicitas Hoppe, Ulrike Draesner, Mariana Leky, Nicol Ljubić, Ulla Lenze, Anna Katharina Hahn, Verena Jütte, Marjana Gaponenko sowie Christian Stahlhut. Der Abend eröffnet mit einem eigens für Catching Strangers geschriebenen Text von John Burnside, gelesen von seinem langjährigen Übersetzer Bernhard Robben.
Klang: Matthias Millhoff
Konzept und Fotografie: Alexander von Reiswitz

Catching Strangers – Berliner Buchpremiere am 06. Juni 2026 findet im Rahmen von Catching Strangers – The Family Constellation Project (Hatje Cantz, 2025) statt.

Juni
06
Sa
  • 20.00
    Roter Salon

    Parole Text:Buch

    Alexander von Reiswitz
    Berliner Buchpremiere
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