de / en

Zum Tod des großen Schauspielers
09.02.20

Volker Spengler, der am Morgen des 8. Februar im Alter von 80 Jahren verstorben ist, spielte zuletzt an der Volksbühne in Ibsens „Baumeister Solness“ die Rolle des Knut Brovik, einen alten Meister im Berechnen der Statik von Gebäuden. Am 5. Februar 2016 spielte der „Humphrey Bogart von Charlottenburg“ (wie Castorf Spengler nannte) eben in diesem Stück seine letzte Vorstellung an der Volksbühne, hier gehörte er ab 2001 zu den das Haus prägenden Spielern und Spielerinnen.

Es war Christoph Schlingensief, der den durch seine Arbeiten mit Kortner, Fassbinder, Schleef, Palitzsch und Heiner Müller längst berühmten „Aufsager“ (wie Spengler sich selber gern bescheiden nannte) vom Berliner Ensemble an die Volksbühne mitbrachte. Für Spengler schrieb Schlingensief die Hauptrolle des Abgeordneten Rosmer in Rosebud (2001). Nach diesem Debüt am Haus begann eine langjährige Zusammenarbeit mit Frank Castorf (bei dem Spengler in vielen Cross-Gender-Rollen spielte, als Amme, Gräfin de la Roche oder Märchenfee) und René Pollesch (u.a. „24 Stunden sind kein Tag“, „Soylent Green ist Menschenfleisch“, „Diktatorengattinnen“, „L'Affaire Martin! Occupe-toi de Sophie! Par la fenêtre, Caroline! Le mariage de Spengler. Christine est en avance.“). Auch als Vegard Vinge im Prater 2013 sein 12-Spartenhaus eröffnete, war „das heilige Monster“ wieder zur Stelle. Es hatte die seltene Gabe, über 50 Jahre lang immer dort bereits zu sitzen, wo künstlerisch wirklich Aufregendes passiert. Sicher ist: Bis zum Untergang des Abendlands wird es keinen Volker Spengler mehr geben. Die Volksbühne Berlin verneigt sich vor diesem großen Schauspieler und seiner Kunst.

Bild: „Diktatorengattinnen I“ von René Pollesch, Foto: Thomas Aurin

This website uses cookies. You can read more about cookies in our disclaimer. > Morex