VOLKSBÜHNE
Berlin
Alexander Kluge
Im Auge der Libelle

Online, Film

In der kommenden Spielzeit werden Alexander Kluge und die von ihm geleitete Entwicklungsgesellschaft für TV-Programm, dctp, jeden Freitag einen Filmbeitrag für Volksbühne Fullscreen kreieren. Schillernd und elegant gilt die Libelle in fast jedem Land der Welt als Zeichen der Veränderung. Die Komplexaugen der Libellen, die aus bis zu 30.000 Facetten bestehen, erinnern Alexander Kluge an die vielen Kameras der Filmgeschichte. Erwachsene Exemplare dieser wunderbaren Teichbewohner haben bis zu 30.000 Facettenaugen. Alexander Kluge ist Schriftsteller und Filmemacher und gilt als eine der Wegweisenden intellektuellen Stimmen Deutschlands. Seine Arbeit besteht aus Film, Literatur, Sozialtheorie, Filmtheorie, Fernsehprogrammen und politischem Aktivismus an verschiedenen kulturellen Fronten. Im Auge der Libelle ist eine neue Konstellation in Kluges Galaxie aus bewegten Bildern.

Episode 001
Die Utopie wird immer besser, während wir auf sie warten

Mehrfachbilder Projektion. Aus dem Benjamin-Brecht-Kontainer der Akademie der Künste im Hanseatenweg 10 (Milchsack).
Dauer: 11 Minuten

Episode 002
DAS GIBT'S NUR EINMAL IN EINEM POLIZISTENLEBEN

Im Schloss Elmau, in schöner Gebirgslandschaft, tagte der G7-Gipfel mit dem US-Präsidenten, der Bundeskanzlerin, dem Staatspräsidenten Frankreichs, dem italienischen Ministerpräsidenten und dem japanischen, britischen und kanadischen Premierminister. Als Verstärkungsgruppe kamen Spitzenpolitiker aus Afrika und Asien, die Präsidentin der Weltbank und der UNO-Generalsekretär hinzu. Die Tagung wurde von 20.000 männlichen und weiblichen Polizeibeamten aus Deutschland und Österreich abgesichert.

An diesem Geschehen nahm auch Helge Schneider teil. In drei verschiedenen Funktionen: Als gipfelerfahrener Scherpa aus Nepal, als Einsatzleiter der Polizei ("So etwas gibt es in einem Polizistenleben nur einmal!") und als Chefkoch für die Versorgung der hohen Gäste. Mit Musik.
Dauer: 12 Minuten

Mit Helge Schneider auf dem G-7 Gipfel in Elmau.

Episode 003
DAS QUIETSCHEN DER MACHT, WENN SIE AUF DIE BREMSEN TRITT
Mehrfachbilder Projektion.
Dauer: 5 Minuten

Episode 004
ICH BIN IN ERSTER LINIE FILMEMACHER

Christoph Schlingensiefs künstlerische Installation im Museum der Moderne in Salzburg mit dem Titel "Hodenpark" erregte die Gemüter. In Bayreuth inszenierte der Künstler zum dritten Mal Wagners PARSIFAL. Im Kern aber ist Schlingensief, wie er selbst sagt, Filmemacher. Jetzt wurde der radikale Meister nach New York eingeladen, ins Museum of Modern Art. Begegnung mit Christoph Schlingensief.
Dauer: 10 Minuten

Episode 005 (Ton erst ab 05:16)
die Revolution ist ein Lebewesen voller Überraschungen / Mehrfachbilder Projektion. 6’10 Minuten Triptychon über die verschiedene Charaktere großer Umbrüche: Arabischer Frühling, Große Französische Revolution von 1789, Blutiger Aufstand in Wien 1848 bis hin zu dem Straßenschlacht in Hamburg aus Anlass des G20 Gipfels: Wie unterschiedlich Revolutionen sein können sieht man erst richtig, wenn sie im film nebeneinander stehen (und sich bewegen)

Episode 006
Wie beginnt eine Revolution?
/ Dr. Patrick Eiden-Offe: Vom „Heiligen Eigentum“ zur gesellschaftlichen Umwälzung. 24 Minuten

Der Dichter und Kritiker Ludwig Tieck beobachtete in London hungrige Proletarier, die er mit Wölfen verglich. Sie strichen durch die nächtlichen Ladenstraßen der Stadt, nur durch dünne Ladenfenster von den üppigen Delikatessen getrennt, die ihren Hunger gestillt hätten. Tieck wunderte sich, dass das dünne Glas, das ein einziger Stein hätte zerstören können, diese Menschen abhielt, die gesellschaftliche Ordnung zu brechen. Es muss eine Mauer in ihnen geben, die sie vom Übergriff abhält.

In welchen historischen Momenten Revolutionen beginnen, ist nach wie vor unerforschtes Gebiet. Die frühen Revolutionäre wie Georg Weerth hielten den Streik für den Anfang des modernen Widerstands. Später galten Barrikadenkämpfe als Auslöser für den Umbruch. Was ist das revolutionäre Subjekt? Die Vorgänger der kommunistischen Partei, jene Gruppe von Wilhelm Weitling, für die Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunistische Manifest schrieben, nannte sich "Bund der Gerechten". Für die frühen Revolutionäre war die Frage wichtig: "Nehmen wir an, die Revolution würde heute stattfinden, wie geht es morgen weiter?"

Der Historiker Dr. Patrick Eiden-Offe, Zentrum für Literatur-und-Kulturforschung Berlin, über das revolutionäre Subjekt und die Frage: wie beginnt eine Revolution?

Episode 007
Der lange Atem / Christoph Menke: Eine gute Revolution ist nicht unter 800 Jahren zu haben! 24 Minuten

Arabischer Frühling, die studentische Protestbewegung im Juni 1967 (parallel dazu die Rebellionen dazu in Paris und an den amerikanischen Universitäten), die russische Revolution von 1917, die Industrielle Revolution, die Große Französische Revolution - alle diese Umwälzungen, jede für sich, haben ihren eigenen Charakter. Ihre Anfangsversprechen hat keine gehalten. Revolutionen, sagt der Philosoph Christoph Menke, haben einen unglaublichen Zeitbedarf. Der Auszug Israels aus Ägypten, Prototyp eines radikalen Neuanfangs, dauerte 40 Jahre biblischer Zeit. Gute Revolutionen sind vermutlich nicht unter 800 Jahren zu haben.

Christoph Menke hat den Lehrstuhl für PRAKTISCHE PHILOSOPHIE an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt inne. Er zählt zur 3. Generation der Frankfurter Kritischen Theorie. Diese philosophische Richtung, mit Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Walter Benjamin, Jürgen Habermas, Oskar Negt in ihren Reihen, steht für die Abwehr gegen den Nationalsozialismus, übersetzt für heutige Zeiten für die Früherkennung der Gefahren des Rechtspopulismus. In dieser Theorie steht die Freiheit, die (wie es schon Immanuel Kant sagt) dem menschlichen Nervensystem und der Evolution der Menschen innewohnt, im Fokus. Das Wort Vernunft ("raison"), heißt es bei dem französischen Philosophen Jacques Derrida, lässt sich aus einem altfranzösischen Wort ableiten, das mit "sturmsichere Beladung eines Schiffes" zu übersetzen ist.

Episode 008
Was ist ein Revolutionär? / Kommentar von Joseph Vogl.

Alle Beiträge dieser Ausgabe von Im Auge der Libelle stammen aus 2017 und sind neu. Was ist ein Revolutionär von Joseph Vogl ist ausgeliehen aus der Filmsammlung Nachrichten aus der ideologischen Antike in der es um die Verfilmung des Kapitals von Karl Marx durch den Regisseur Sergei Eisenstein geht.

Konzept, Regie: Alexander Kluge
Produktion dctp.tv, Düsseldorf

Episoden

Besetzung

Konzept, Regie: Alexander Kluge

Medien

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