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Foto: Julian Röder

Women in Trouble
von Susanne Kennedy

Schauspiel
In englischer Sprache

Das Digitale bildet einen Bewusstseinshorizont der Arbeiten von Susanne Kennedy. Es bildet eine Wunde in unserem Verständnis, in die ihre Inszenierungen den Finger legen: Wie kommunizieren wir in Zukunft? Auf was können wir uns noch beziehen? Damit nutzt die Regisseurin das Theater als Ort der Transformation, der Beweglichkeit. Wir transformieren nun ihre erste Arbeit für die Volksbühne Berlin ins Digitale: Women in Trouble, ein halluzinogenes Vervielfältigungskabinett, findet von der Bühne auf den Bildschirm.

Dort dreht sich nun die Bühne. Angelina Dreem sitzt auf einem Sofa in hochglänzender Reality-TV-Ästhetik. Angelina Dreems Leben ist eine Soap. Aber ihr Leben ist auch real. Angelina Dreem ist krank. Sie hat Krebs. Im Laufe des Stückes existieren immer neue Doppelgänger von ihr, die von einer Rabbit-Hole-Realität in die andere fallen: Kann das nächste Leben ein besseres Leben werden?

Mit Women in Trouble entwickelt die Regisseurin Susanne Kennedy 2017 ihrer ersten Inszenierung für die Volksbühne. „Was mich überhaupt nicht interessiert, ist Ironie.“ - Kennedy will zurück zum Kern des Theaters. Sie seziert die Körper und Texte ihrer Schauspieler*innen; sie tragen Masken, ihre Stimmen kommen vom Band. Das gesamte Sprachsystem der Stücke wird im Vorfeld dekonstruiert und dann neu konstruiert: Jeder Satz des Texts, aber auch jedes Summen oder Räuspern wird im Vorfeld der Proben einzeln aufgenommen. Die Sprecher*innen kennen nur ihren Anteil der Dialoge – sind entfremdet von jeder herkömmlichen Sprechsituation. In enger Zusammenarbeit mit Sounddesigner Richard Janssen entsteht eine Audiokomposition, die dem Playback in den Inszenierungen diese eigentümliche Atmosphäre verleiht. So testet Kennedy den Präsenz- und Ritualcharakter des Theaters immer wieder neu. „Das Subjekt ist doch kein Thema mehr! Die Dinge, die wir mal erfunden haben, um den Menschen auf der Bühne zu repräsentieren, greifen nicht mehr. Sich selbst zu finden, heißt, sich selber zu verlieren.“

Women in Trouble zieht deshalb erneut die Idee des Anthropozäns heran. Sie besagt, dass die Menschheit zu einem geologischen Faktor geworden ist. Wir kratzen nicht nur an der Oberfläche der Natur, sondern verändern sie tiefgreifend. Natur und Kultur, Lebewesen und technische Objekte bilden ein neuartiges Kräfteverhältnis. Kennedy sagt, es gälte in diesem Moment loszulassen.

In Women in Trouble karussellen die Double durch keimfreie Kulissen: Ist es ein hyperrealistisches Scientology-Center, eine virtuelle Krebsklinik – oder schon das Nachleben? „Wir haben das Bedürfnis, an einem Ort zusammenzukommen, um mitzuerleben, wie Menschen lieben, leiden, morden, sterben. Schauspieler*innen sind wie Stalker, sie nehmen uns mit in einen Raum der Wünsche. Sie sind ortskundig, wo wir uns fremd fühlen“, sagt Kennedy.​

Uraufführung war am 30.11.2017.

Besetzung
Mit: Suzan Boogaerdt, Marie Groothof, Niels Kuiters, Julie Solberg, Anna Maria Sturm, Bianca van der Schoot, Thomas Wodianka

Regie & Text: Susanne Kennedy
Sounddesign & künstlerische Mitarbeit: Richard Janssen
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Lotte Goos
Licht: Rainer Casper
Video: Rodrik Biersteker

Koproduktion: Theater Rotterdam
Videobearbeitung für Stream: Richard Janssen
Mit bestem Dank an Ruth Tromboukis

Medien

> Play II Pause
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Sound on Sound off
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Foto: Julian Röder

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