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Sarah Maria Sander zum Tag des Sieges über den Nationalsozialismus

Am 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Während auf der einen Seite die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano für einen gesetzlichen Feiertag kämpft, der „seit sieben Jahrzehnten überfällig ist“, verkündet AfD-Fraktionschef Alexander Gauland, dass der 8. Mai nicht nur ein Tag der Befreiung für die KZ-Insassen ist, sondern auch einen Tag der „absoluten Niederlage, ein[en] Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands“ darstellt.

Auch dieses Jahr nehmen verschiedene Stimmen den 8. Mai zum Anlass, sich zu erinnern und die Geschichte in einen Bezug zur Gegenwart zu bringen – was richtig und notwendig ist. Als Mensch mit jüdischen Wurzeln möchte auch ich diesem Tag heute aus meiner Perspektive begegnen.

Es gibt Musik, die geschrieben wurde – inmitten von Grauen –, die trotz allem voller Hoffnung ist und weit über das Kriegsende hinaus ihre Bedeutung nie verloren hat. Diese Lieder werden nicht gesungen, um in der Vergangenheit zu verharren, sondern um zu erinnern an unglaubliche Menschen, Musiker*innen und Künstler*innen, die allem getrotzt haben und nicht aufhörten, Kunst zu schaffen, Musik zu komponieren, Theater zu spielen, zu schreiben, zu glauben. Sie werden gesungen, um weiterzugehen mit der Hoffnung, dass wir auch später diese Lieder weitertragen werden, aber die Zeit uns niemals wieder einen Anlass geben wird, solche Texte zu schreiben.

Die Melodie von „Shtiler, Shtiler“ wurde im Ghetto Wilna von dem damals 11-jährigen Alek Volkovski (später A. Tamir) komponiert. Er gewann damit einen Wettbewerb, der vom Judenrat zur Unterstützung kultureller Aktivitäten im Ghetto im April 1943 organisiert wurde. Das Lied wurde zum ersten Mal auf einem der letzten vom Judenrat organisierten Konzerte gesungen, bis das Ghetto liquidiert wurde. Volkovski und seine Mutter waren zwei der wenigen Juden aus Wilna, die die Konzentrationslager überlebten. Er zog später nach Israel und wurde Pianist. Der zugehörige Text ist ein Gedicht von Schmerke Kaczerginski. Nach dem Tod seiner Frau schrieb er im April 1943 das Lied „Friling“. Die Musik hierzu stammt von Avrom Brundo, ein ebenfalls bekannter Musiker und Komponist aus dem Ghetto Wilna. Brundo starb im Konzentrationslager Klooga. Seine Melodien und Lieder verbreiteten sich später in den Lagern und haben bis heute eine große Bedeutung.

Gesang und Informationstext: Sarah Maria Sander
Assistenz und Kamera: Elif Sözer

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