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Streitfall Identität
Wolfgang Engler im Gespräch mit Jagoda Marinić
17.01.

Diskurs

Im Rahmen von

Identitätsfragen werden gegenwärtig scharf diskutiert, in den USA wie in Europa. Einerseits sprechen wir vom Verlust von Identität in der globalisierten Gesellschaft, andererseits bedroht die Hyperindividualisierung die Erfahrung von gemeinsamen sozialen Räumen.

Auf die große politische Bühne gehoben wurde die Debatte durch den US-amerikanischen Wahlkampf und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch angesichts des Brexit und der erstarkenden autoritären Rechten in Europa wird vehement darüber gestritten, ob der linke politische Diskurs zu sehr unter identitätspolitischen Vorzeichen geführt wird. Doch können die Emanzipationskämpfe der Frauenbewegung, von LGBTIQ oder Black Lives Matter ausgespielt werden gegen das Ringen um soziale Gerechtigkeit?

Unter der Chiffre „Identität“ wollen wir eine grundlegende Debatte darüber führen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische FrIn der neuen Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen über diese Fragen. Zum Auftakt spricht er mit der Autorin und Journalistin Jagoda Marinić, die sich u. a. mit ihren Büchern „Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land“ und „Made in Germany. Was ist deutsch an Deutschland?“ aktiv und differenziert in die aktuellen Diskurse einmischt.

Der Soziologie Wolfgang Engler, geboren 1952 in Dresden, publizierte zahlreiche Studien über Lebensformen in Ost und West und kritische Analysen über die Moderne, die Demokratie sowie den Wandel des Politischen und der Öffentlichkeit, u. a. „Lüge als Prinzip. Aufrichtigkeit im Kapitalismus“, „Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft“ und zuletzt, zusammen mit Jana Hensel, „Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“. Von 2005 bis 2017 war Wolfgang Engler Rektor der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.

Jagoda Marinić, Jahrgang 1977, ist Schriftstellerin, Kulturmanagerin und Journalistin. Sie ist feste Kolumnistin für die Süddeutsche Zeitung und taz und schreibt international für die New York Times. Bereits mit ihrem ersten Roman „Die Namenlose“ wird sie für den Bachmannpreis nominiert. Zuletzt erschienen ist der Debattenband „Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land“. Nach Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt Jagoda Marinić heute in Heidelberg und leitet dort das Interkulturelle Zentrum.


17.01.20, 20:00
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Vergangene Veranstaltungen

Klaus Theweleit: Männerphantasien

Vor 40 Jahren erschien mit Männerphantasien Klaus Theweleits große Untersuchung über die sexuelle, psychologische und soziopolitische Vorgeschichte des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik. Angesichts der Rückkehr rechten Straßenterrors und faschistoider Positionen sowie von Propagandafeldzügen gegen freiere Sexualitäten – Stichwort: „Genderwahn“ – sind Theweleits Analysen viel zu brennend, um das Buch ins Archiv der großen Werke zu stellen. In einer aktuellen Neuausgabe, ergänzt um ein Nachwort, ist Männerphantasien endlich wieder verfügbar, diskutierbar, politisch neu nutzbar.

Klaus Theweleit, 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik. Heute lebt er als freier Schriftsteller mit Lehraufträgen in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Seit 1998 ist Theweleit Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Sein Buch Männerphantasien bezeichnete Rudolf Augstein im Magazin Der Spiegel nach der Erstveröffentlichung als „vielleicht aufregendste deutschsprachige Publikation dieses Jahres“.

Margarita Tsomou ist promovierte Kulturwissenschaftlerin und arbeitet von Berlin aus als Autorin, Dramaturgin, Moderatorin, Kuratorin und Professorin. Sie hat 2008 das popfeministische Missy Magazine mitgegründet, ist Kuratorin für Theorie und Diskurs am HAU Hebbel am Ufer in Berlin und Professorin für Zeitgenössische Theaterpraxis an der Hochschule Osnabrück. Zwei ihrer jüngsten kuratorischen Arbeiten sind z. B. die Reihe #unteilbar denken - ein öffentlicher Think Tank im HAU-Hebbel am Ufer und die Veranstaltungsreihe der Apatride Society im diskursiven Programm von Paul B. Preciado der Documenta 14. Mit Klaus Theweleit hat sie bereits einige öffentliche Diskussionen geführt, z. B. als sie ihn auf ihre Konferenz Heimatphantasien – Von der Nation zu Heimat am Sommerfestival Kampnagel 2018 einlud. Sie veröffentlicht und forscht zu Queer-Feminismus und Sexualität, politischer Kunst, Performance-Theorie, Neue Medien und Demokratietheorie.

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