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Klaus Theweleit: Männerphantasien
Im Gespräch mit Margarita Tsomou
03.12.

Diskurs
In deutscher Sprache

Vor 40 Jahren erschien mit Männerphantasien Klaus Theweleits große Untersuchung über die sexuelle, psychologische und soziopolitische Vorgeschichte des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik. Angesichts der Rückkehr rechten Straßenterrors und faschistoider Positionen sowie von Propagandafeldzügen gegen freiere Sexualitäten – Stichwort: „Genderwahn“ – sind Theweleits Analysen viel zu brennend, um das Buch ins Archiv der großen Werke zu stellen. In einer aktuellen Neuausgabe, ergänzt um ein Nachwort, ist Männerphantasien endlich wieder verfügbar, diskutierbar, politisch neu nutzbar.

Klaus Theweleit, 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik. Heute lebt er als freier Schriftsteller mit Lehraufträgen in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Seit 1998 ist Theweleit Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Sein Buch Männerphantasien bezeichnete Rudolf Augstein im Magazin Der Spiegel nach der Erstveröffentlichung als „vielleicht aufregendste deutschsprachige Publikation dieses Jahres“.

Margarita Tsomou ist promovierte Kulturwissenschaftlerin und arbeitet von Berlin aus als Autorin, Dramaturgin, Moderatorin, Kuratorin und Professorin. Sie hat 2008 das popfeministische Missy Magazine mitgegründet, ist Kuratorin für Theorie und Diskurs am HAU Hebbel am Ufer in Berlin und Professorin für Zeitgenössische Theaterpraxis an der Hochschule Osnabrück. Zwei ihrer jüngsten kuratorischen Arbeiten sind z. B. die Reihe #unteilbar denken - ein öffentlicher Think Tank im HAU-Hebbel am Ufer und die Veranstaltungsreihe der Apatride Society im diskursiven Programm von Paul B. Preciado der Documenta 14. Mit Klaus Theweleit hat sie bereits einige öffentliche Diskussionen geführt, z. B. als sie ihn auf ihre Konferenz Heimatphantasien – Von der Nation zu Heimat am Sommerfestival Kampnagel 2018 einlud. Sie veröffentlicht und forscht zu Queer-Feminismus und Sexualität, politischer Kunst, Performance-Theorie, Neue Medien und Demokratietheorie.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.


Vergangene Veranstaltungen

Streitfall Identität

Im Rahmen von

In der neuen Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen?

„Es war ein Fehler, in den 80er und 90er Jahren eine Globalisierung loszutreten, ohne die Notwendigkeit zu sehen, den Nationalstaat als liberale Körperschaft zu stützen. Es hatte zur Folge, dass die Einzigen, die über einen Nationalstaat redeten, Nationalisten waren. Ich denke, dass dies den Weg für Politiker wie Trump bereitet hat“, so die amerikanische Historikerin Jill Lepore in ihrem Buch „Diese Wahrheiten“ (München 2019).

Nation, Heimat, Patriotismus – die Neue Rechte hat sich dieser Themen bemächtigt, so wie zuvor der Neoliberalismus die Reformagenda okkupierte. Die Linke antwortet auf diese doppelte Enteignung mit einem verstärkten Bekenntnis zum Internationalismus, Kosmopolitismus, aber das ist nicht genug, um programmatisch wieder in die Offensive zu gelangen. – Im Gespräch mit Sahra Wagenknecht diskutiert Wolfgang Engler diese Probleme, aber auch die Möglichkeit einer linken Politik, die wieder mehrheitsfähig wäre. Neoliberale Reformen, die in Deutschland ohne Massenproteste über die Bühne gingen, lösten in Frankreich einen Aufstand der Massen aus. Was blockiert eine vergleichbare Mobilisierung hierzulande?

Streitfall Identität: Identitätsfragen werden gegenwärtig scharf diskutiert, in den USA wie in Europa. Einerseits sprechen wir vom Verlust von Identität in der globalisierten Gesellschaft, andererseits bedroht die Hyperindividualisierung die Erfahrung von gemeinsamen sozialen Räumen. Auf die große politische Bühne gehoben wurde die Debatte durch den US-amerikanischen Wahlkampf und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch angesichts des Brexit und der erstarkenden autoritären Rechten in Europa wird vehement darüber gestritten, ob der linke politische Diskurs zu sehr unter identitätspolitischen Vorzeichen geführt wird. Doch können die Emanzipationskämpfe der Frauenbewegung, von LGBTIQ oder Black Lives Matter ausgespielt werden gegen das Ringen um soziale Gerechtigkeit?

Unter der Chiffre „Identität“ wollen wir eine grundlegende Debatte darüber führen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen? In der Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen über diese Fragen.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Hongkong-Proteste: die Smart City als Feind

Der Schweizer Netzökonom und Investigativreporter Hannes Grassegger zeigt am Beispiel der Demonstrationen in Hongkong, wie wir zum ersten Mal auch einen Kampf der Bürger*innen gegen eine hochvernetzte, digitalisierte Smart City erleben. Die angebliche Stadt der Zukunft wird somit zum Feind ihrer Bewohner*innen. Die persönliche Zukunft vieler prodemokratischer Bewohner*innen Hongkongs hängt davon ab, ob sie die Informationsflüsse über ihr Verhalten Richtung China stoppen können.

Nach dem Inputvortrag wird Moderatorin Sabrina Apitz mit Hannes Grassegger und dem Regisseur Kay Voges über die Verschiebungen des Öffentlichen diskutieren.

Hannes Grassegger (Das MAGAZIN, Guardian, Buzzfeed) ist Journalist und Ökonom. Seine Enthüllungsreportagen über Cambridge Analytica (mit Mikael Krogerus), Facebooks geheimes Zensurteam in Berlin (mit Till Krause und Julia Angwin) und den Meme-Krieg gegen George Soros sorgten weltweit für Aufsehen. 2014 veröffentlichte er sein Buch Das Kapital bin ich – wie wir im Kapitalismus unsere Souveränität sichern können.

Sabrina Apitz ist freiberufliche Projektmanagerin, Kuratorin und Moderatorin, unter anderem für Berliner Gazette, Wikimedia Deutschland, Transmediale, Allianz Kulturstiftung sowie die Nationalagenturen für das Programm Erasmus+. Sie ist Lehrbeauftragte an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und auch als Trainerin und Journalistin tätig. Sie ist Mitbegründerin des Theaterkollektivs Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten (EGfKA). Seit Februar 2019 leitet sie den Kulturförderpunkt Berlin.

In Kooperation mit ARCH+

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

That’s not my story. Diversität und Perspektiven auf deutschen Bühnen

Im Rahmen von

Mit: Dr. Susanne Keuchel (Direktorin Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW), Thomas Köck (Dramatiker), Sandrine Micossé-Aikins (Leiterin des Projektbüros Diversity Arts Culture), Pınar Karabulut (Regisseurin), Dan Thy Nguyen (Regisseur, Darsteller), Moderation: Leonie Adam

19:30 Gespräch zwischen Dr. Susanne Keuchel und Sandrine Micossé-Aikins
Was ist Diversität und kann sie durch angeordnete strukturelle Veränderung und Quotenregelungen gesichert werden? Wie können Diversität und Inklusion fester Bestandteil bereits in der kulturellen Bildung werden? Und nach welchen Kriterien richtet sich demnach Kulturpolitik aus?

Sandrine Micossé-Aikins und Susanne Keuchel diskutieren über die aktuelle Situation der darstellenden Künste und mögliche Maßnahmen zur Abschaffung existierender Barrieren im Kulturbetrieb.

20:30 Podiumsdiskussion
Wessen Geschichten erzählen deutsche Theater? Wer erzählt sie, wer darf sie erzählen und wer entscheidet das? Für wen gilt Kunstfreiheit? Wessen Positionen werden auf deutschen Bühnen vertreten? Und welche Herrschaftsverhältnisse und Machtpositionen reproduzieren deutsche Theater damit?

Bei der Podiumsdiskussion sprechen die eingeladenen Regisseur*innen und Autor*innen über die Auseinandersetzung mit diesen Fragen in ihren künstlerischen Arbeiten.

16:00-19:00 Workshop: Critical Whiteness
Roter Salon > Anmeldung hier

18:00-19:15 Austausch zu Diskriminierungsschutz am Theater
Grüner Salon > Anmeldung hier

Referent*innen:

Prof. Dr. Susanne Keuchel studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Soziologie an der Universität Bonn und der Technischen Universität Berlin. Sie ist ehemalige geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Kulturforschung (ZfKf). Seit Dezember 2013 ist sie Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid. Als Honorarprofessorin lehrt sie am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und ist Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Seit November 2018 ist Susanne Keuchel Vorsitzende der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung. Im März 2019 wurde sie als Präsidentin des Deutschen Kulturrates gewählt.

Thomas Köck, geboren 1986 in Steyr, Oberösterreich. Er wurde durch Musik sozialisiert und studierte Philosophie in Wien sowie Szenisches Schreiben und Film an der Universität der Künste Berlin. Er arbeitete beim theatercombinat wien, war mit einem Dokumentarfilmprojekt über Beirut zu Berlinale Talents eingeladen, war Hausautor am Nationaltheater Mannheim, bloggt mit Kolleg*innen auf nazisundgoldmund.net gegen rechts und entwickelt mit Andreas Spechtl unter dem Label ghostdance konzertante readymades. Für seine Theatertexte wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis, zuletzt auch mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage NRW.

Sandrine Micossé-Aikins leitet Diversity Arts Culture und verantwortet die Begleitung der Berliner Kulturverwaltung. Sie ist Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin und Equitymanagerin und arbeitet schwerpunktmäßig zu Rassismus und Empowerment in der Kunst, der Wirkmacht kolonialer Bilder, Körperpolitik sowie Repräsentation und Gleichstellung im deutschsprachigen Kunst- und Kulturbetrieb.

Pınar Karabulut ist Regisseurin bringt in ihren Inszenierungen starke Frauenfiguren zur Geltung. Sie arbeitet dabei auf eine detailreiche wie kraftvoll radikale Weise die weibliche Perspektive aus Klassikern und zeitgenössischen Stoffen heraus und hinterfragt einen obsolet gewordenen Kanon, den sie, anstatt ihn aufzugeben, aufbricht und neu definiert. Sie inszenierte u.a. am Schauspiel Köln, Münchner Volkstheater, Maxim Gorki Theater Berlin, Staatsschauspiel Dresden, Volkstheater Wien, Theater Neumarkt in Zürich und an der Volksbühne Berlin. In der Spielzeit 2016/2017 kuratierte sie im Kollektiv das Britney, die Außenspielstätte am Offenbachplatz des Schauspiel Köln. Nach Invasion! von Jonas Hassen Khemiri und Maya Arad Yasurs Gott wartet an der Haltestelle (Staatsschauspiel Dresden) wurde mit Romeo und Julia (Schauspiel Köln) 2018 ihre dritte Arbeit zum Festival Radikal Jung eingeladen.

Dan Thy Nguyen ist freier Regisseur, Sänger, Schauspieler und Schreiber in Hamburg. Er arbeitete an verschiedenen Produktionen an Häusern wie z.B. Kampnagel Hamburg, Mousonturm Frankfurt, der Freien Akademie der Künste Hamburg und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Jahr 2014 schuf er das Stück Sonnenblumenhaus über die rassistischen Unruhen in Rostock-Lichtenhagen 1992. Denken was Tomorrow ist eine Produktion über seine Familie, vietnamesische Boat People. Seine neuen Arbeiten Yesterday never died und Benh [Gogol] Dien nehmen Bezug auf den Aufstieg der Neuen Rechten in Europa und die Idee des Wahnsinns aus einer russisch-asiatischen Perspektive. Ab 2020 wird er mit seinem Produktionsbüro "Studio Marshmallow" das interkulturelle Festival der Stadt Hamburg "Fluctoplasma -96h Kunst, Diskurs und Diversität" leiten.

Leonie Ute Maria Adam (geb. 1993) ist Theaterpädagogin (B.A.) und Studentin des M.A. Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Sie wirkte 2013 in der Theaterpädagogik des Maxim Gorki Theaters mit und betreute dort Projekte in Kooperation mit dem Campus Rütli Neukölln. Im Jahr 2012/2013 recherchierte und spielte sie zudem für "Fluchtpunkt Berlin" am Deutschen Theater. Nach einem Aufenthalt auf Lesbos 2016 verfasste sie eine dokumentarische Auseinandersetzung zu kritischem Volunteering mit dem Titel "Kann es falsch sein für Hungernde zu kochen?" und inszenierte diese als Wander-Lehrstück für linke Festivals. Sie arbeitete eng mit linken Bündnissen gegen Abschiebungen und Rassismus in Münster zusammen und beschäftigte sich mit theaterpädagogischen Projekten als Empowermentstrategie für Menschen mit Fluchterfahrung. An der HfS organisiert sie feministisch-marxistische Lesekreise sowie das linke Festival -AMS- im Schwarzwald.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Streitfall Identität

Im Rahmen von

Identitätsfragen werden gegenwärtig scharf diskutiert, in den USA wie in Europa. Einerseits sprechen wir vom Verlust von Identität in der globalisierten Gesellschaft, andererseits bedroht die Hyperindividualisierung die Erfahrung von gemeinsamen sozialen Räumen.

Auf die große politische Bühne gehoben wurde die Debatte durch den US-amerikanischen Wahlkampf und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch angesichts des Brexit und der erstarkenden autoritären Rechten in Europa wird vehement darüber gestritten, ob der linke politische Diskurs zu sehr unter identitätspolitischen Vorzeichen geführt wird. Doch können die Emanzipationskämpfe der Frauenbewegung, von LGBTIQ oder Black Lives Matter ausgespielt werden gegen das Ringen um soziale Gerechtigkeit?

Unter der Chiffre „Identität“ wollen wir eine grundlegende Debatte darüber führen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen?

In der neuen Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen über diese Fragen. Zum Auftakt spricht er mit der Autorin und Journalistin Jagoda Marinić, die sich u. a. mit ihren Büchern „Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land“ und „Made in Germany. Was ist deutsch an Deutschland?“ aktiv und differenziert in die aktuellen Diskurse einmischt.

Der Soziologie Wolfgang Engler, geboren 1952 in Dresden, publizierte zahlreiche Studien über Lebensformen in Ost und West und kritische Analysen über die Moderne, die Demokratie sowie den Wandel des Politischen und der Öffentlichkeit, u. a. „Lüge als Prinzip. Aufrichtigkeit im Kapitalismus“, „Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft“ und zuletzt, zusammen mit Jana Hensel, „Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“. Von 2005 bis 2017 war Wolfgang Engler Rektor der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.

Jagoda Marinić, Jahrgang 1977, ist Schriftstellerin, Kulturmanagerin und Journalistin. Sie ist feste Kolumnistin für die Süddeutsche Zeitung und taz und schreibt international für die New York Times. Bereits mit ihrem ersten Roman „Die Namenlose“ wird sie für den Bachmannpreis nominiert. Zuletzt erschienen ist der Debattenband „Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land“. Nach Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt Jagoda Marinić heute in Heidelberg und leitet dort das Interkulturelle Zentrum.

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