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Anh Trieu: Everybody Has Their Own Agenda
12.12.
Grüner Salon

Performance

Eine installative Performance in zwei Teilen von Anh Trieu.

Mit Tucké Royale, Olivia Wenzel und Pham Minh Duc.

Everybody Has Their Own Agenda ist eine Erweiterung von Anh Trieus Videoarbeit Birds Of A Feather aus dem Jahr 2018. Im letztgenannten Video inszeniert sie ihre „Heimreise“ nach Vietnam, in das Herkunftsland ihrer Mutter, das ihr selbst weitgehend fremd ist. Dort trifft sie auf Verwandte, die Trieu vor allem aus alten VHS-Aufnahmen kennen. Diese Aufnahmen fertigte ihre Mutter an, um die Familienangehörigen an dem Leben teilhaben zu lassen, das sie mit ihrer Tochter in Deutschland führte. Die alten VHS-Aufnahmen werden mit inszenierten, in Vietnam aufgenommenen Szenen kombiniert, in denen Schauspieler*innen in die Rollen der Familienmitglieder schlüpfen.

Trieus Videoarbeit Birds Of A Feather ist der Ausgangspunkt der zweiteiligen Performancereihe Everybody Has Their Own Agenda, deren erster Teil bereits im Studio des Wolf Kinos zur Aufführung gelangte und die nun im Grünen Salon der Volksbühne ihre Fortsetzung findet. Für ihren Auftritt im Wolf Kino arrangierte die Künstlerin die Szenen aus ihrem Film neu und ergänzte sie durch zusätzliches Material. Der dadurch entstandene Film war in zwei Fassungen zu sehen, die im Innenraum sowie auf das Schaufenster des Studios projiziert wurden. Damit wurde der Außenbereich, der öffentliche Raum, in die Installation mit einbezogen. Dazu trug auch das zusätzliche Found-Footage-Videomaterial bei, das vor allem Strassenszenen zeigt, und das auf einem auf den Bürgersteig ausgerichteten Bildschirm zu sehen war. Die Videos verschmolzen mit experimenteller Noise-Musik und mit einer Life-Performance bzw. einer Life-Übersetzung sowie mit installativen Raumelementen zu einem „begehbaren“ Film. Die Aufnahmen wurden damit in ihre Bestandteile zerlegt, woraufhin eine bewusste Reflexion von deren Medialität und ein dekoloniales Lesen dieser Arbeit ermöglicht wurde.

Im Rahmen der installativen Anordnung in der Volksbühne wird der Blick nun nach Innen gerichtet. Gezeigt werden vor allem jene Ausschnitte aus dem Film, in denen häusliche, intime Szenen im familiären Umfeld zu sehen sind. Der Grüne Salon der Volksbühne wird in diesem Zusammenhang in vier Abschnitte aufgeteilt, von denen jeder einen Erker mit einem Fenster aufweist, in dem Szenen aus dem Film gezeigt werden. Hinten im Raum beginnend, folgen die Besucher*innen der Narration des Films, indem sie sich auf die Bühne zubewegen, auf der die Schlussszene von Birds Of A Feather zu sehen ist.

Die Raumaufteilung im Grünen Salon erinnert an vietnamesische Stadthäuser. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr schmal, schlauchartig sind, und dass viele (halb)öffentliche Räume durchwandert werden müssen, bevor die Bewohner*innen in ihre privaten Bereiche gelangen. Die Bar der Volksbühne wird ein solcher semi-öffentlicher Bereich sein – hier werden performative Elemente, die bereits im Wolf Kino gezeigt wurden, erneut aufgeführt. Die Performer*innen stellen damit ein lebendiges Bindeglied zur ersten Aufführung dar und sie schaffen eine Überleitung zwischen den Filmsequenzen. Aufgrund der von ihnen ausgeführten Handlungen, die gleichermaßen Aspekte eines öffentlichen Auftretens und eines Agierens im privaten Umfeld aufweisen, schlagen sie darüber hinaus eine Brücke zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum.

Die Besucher*innen und die Performer*innen werden sich frei im Raum bewegen können; sie müssen demnach zueinander sowie zur Installation in Beziehung treten. Der eigene Standort als Betrachter*in, der/die in dieser Anordnung tatsächlich sicht- und hörbar wird, gerät dabei in den Fokus, womit das Thema der (filmischen) Konstruktion von Identität und Ethnizität noch weiter zugespitzt wird. Es werden damit im Rahmen dieser Arbeit Methoden und Strategien des Queering, des feministischen und dekolonialen Lesens angewandt, woraus die Möglichkeit erwächst, das Medium Film im Allgemeinen sowie Birds Of A Feather im Speziellen auf verschiedenen Ebenen auf seine Entstehungs- und Rezeptionsbedingungen zu untersuchen.

Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa. In Kooperation mit Wolf Studio und der Volksbühne.

12.12.19, 21:00
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