de / en

Foto: Eric Bell

Klaus Weber: NONUMENTS
30.11.
Pavillon

Ausstellungseröffnung: 30.11.19, 19:00
Laufzeit der Ausstellung: 01.12.19 – 16.02.20
Öffnungszeiten: 24/7
LVX. Pavillon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Der Berliner Künstler Klaus Weber lässt das Wissen unterschiedlicher Fachbereiche – vom Ingenieurwesen zur Anthropologie, von der Bienenzucht zur Anatomie – in sein multimediales Schaffen einfließen. Seine fortwährende Beschäftigung mit natürlichen, technischen und soziopolitischen Kräften zielt darauf ab, unser Verhältnis zu unserer Umgebung auf die Probe zu stellen. Indem Weber an der rationalen Fassade unseres Alltags kratzt – mal subtil, mal mit katastrophalen metaphorischen Folgen – stellt er seinen unbändigen, anarchischen Sinn für Humor unter Beweis.

In seiner Ausstellung im Pavillon der Volksbühne setzt sich Weber kritisch mit Monumenten und Denkmälern auseinander, um tief verwurzelte Glaubenssystem zu hinterfragen. Traditionelle Monumente – typischerweise mit einem Nationalbewusstsein behaftet – haben heroische Narrative und glorreiche Siege zum Gegenstand. Alltägliches menschliches Versagen, Zweifel und Mängel finden in diesen Darstellungen dagegen keinen Platz. Weber bezeichnet seine nonkonformistischen Entwürfe für öffentliche Denkmäler als NONUMENTS. Dabei handelt es sich um zeitgenössische Memento mori, die die spätkapitalistische Kultur scharfsinnig reflektieren.

Die Ausstellung umfasst zahlreiche Skulpturen, darunter einige Modelle für geplante öffentliche Monumente oder temporäre Interventionen. So etwa Snowman: Auf einem akribisch ausgeführten, neoklassizistischen Sockel, wo man sonst einen illustren, in Stein gehauenen Feldherren erwarten würde, posiert ein Schneemann. Mit Kippe im Mund und dem abgebrochenen Hals einer Bierflasche als Hut, verkörpert er einen pietätlosen Antihelden. Diesem ewigen Schneemann könnte die Drohkulisse des eigenen Schmelzens kaum gleichgültiger sein. Die dicke Eisschicht, mit der das Äußere seines kupfernen Körpers überzogen ist, wird durch die konstante Zirkulation der tiefgekühlten Geister, nämlich Alkohol, in seinem inneren Hohlraum aufrechterhalten. Solche zyklischen Prozesse sind charakteristisch für Webers Skulpturen.

Burning Insurance ist ein Miniaturmodell des Hauptsitzes einer Versicherungsgesellschaft am Berliner Wittenbergplatz, das fortwährend und geräuschlos in Flammen steht, ohne dass sich das Feuer weiter ausbreitet. Weber nutzt das Medium des Dioramas – eine im 19. Jahrhundert beliebte Miniaturdarstellung einer dramatischen Szene – um mit kruder Beleuchtung und einer Nebelmaschine die Illusion einer Feuersbrunst zu erzeugen. Mit ähnlich trockenem dramatischem Gestus stellt Fountain Bus eine unheilvoll verwaiste Straßenszene dar, in der ein Pendlerbus von der Straße abgekommen, in einen Hydranten gefahren und darauf gestrandet ist. Der mit Hochdruck geflutete Bus verwandelt sich in ein absurdes Wasserspiel, das sich unaufhörlich füllt und kippt, füllt und kippt. Bei diesen beiden NONUMENTS handelt es sich um geschlossene Kreisläufe, die einen ewig-fragilen Schwebezustand eingehen.

Brick Shoes dagegen ist ein Paar klassischer schwarzer Lederslipper, die das Bild eines Gentlemans der alten Schule oder eines aufstrebenden Geschäftsmannes heraufbeschwören. Die Schuhe sind allerdings mit Zement an zwei Backsteine gekittet. Als Bild erinnern sie an einen Streich aus einem Comicheft, oder etwas bei weitem finstereres – von der italienischen Mafia wird gesagt, dass sie die Füße ihrer Opfer in Zement gieße, damit deren Körper auf den Grund des Flusses sänken. Zu welchen Schlussfolgerungen wir auch immer gelangen, der Besitzer der Schuhe ist nirgends zu sehen.

Kuratorin: Elodie Evers
Kuratorische Assistenz: Léonie Pflimlin

Die Ausstellung wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Vergangene Ausstellungen:
Starship. Die nahe Zukunft
Aviva Silverman: The Living Watch Over the Living ii

Medien

Diese Website setzt Cookies ein. Mehr darüber erfahren Sie in unseren Hinweisen zum Datenschutz. > Mehrx