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Marwa Arsanios
23.11.19
Grüner Salon

Performance
In englischer Sprache

Einlass je eine halbe Stunde vor Beginn der Performance.

Mit Laura Sundermann

Marwa Arsanios neu entwickeltes Stück thematisiert traditionell weibliche Rollenbilder, laut denen Frauen die Fürsorgearbeit im Haus und am Arbeitsplatz zu leisten haben. Dabei kommt dem Theater als Arbeitsplatz von Frauen ein besonderes Augenmerk zu. Im Rahmen der vom Museum Ludwig 2016 ausgerichteten Ausstellung Hausbesuch entwickelte Arsanios das Stück als ortsspezifische Performance für eine Wohnung in Köln. Die erste Aufführung fand in der Wohnung des “Chicks on Speed”-Mitglieds Melissa E. Logan statt, in der sie gemeinsam mit ihrem Sohn lebt und auch arbeitet. Für die Inszenierung im Grünen Salon passt Arsanios das Setting, die Dramaturgie und die Textauswahl des Stücks an die örtlichen Gegebenheiten an, um die besondere Lage des Grünen Salons innerhalb des Theaters hervorzuheben und zu verhandeln.

Der Performance liegen Auszüge aus einer großen Bandbreite feministischer Literatur zugrunde, wobei die ausgewählten Passagen eigens aus diesem Anlass ausgewählt und collageartig zusammengestellt wurden. Kopien der Bücher von Autorinnen wie Silvia Federici, Nina Power und Leopoldina Fortunati liegen im Theatersaal aus, wobei ausgewählte Zitate der Schriften der Autorinnen durch das Vorlesen sowie durch verschiedenartige Bewegungen und Handlungen aktiviert werden. Arsanios nutzt den für Aufführungen bestimmten Raum des Grünen Salons, um die performativen Aspekte von Tätigkeiten herauszustellen, die historisch von Frauen ausgeführt wurden. Warum werden Liebe und Fürsorge in unzähligen Fernsehserien und Theaterstücken als grundsätzlich weibliche Attribute dargestellt? Warum werden bezahlte und unbezahlte Stellen, die mit diesen Eigenschaften in Verbindung gebracht werden, noch immer größtenteils von Personen besetzt, die sich als Frauen identifizieren? Inwiefern ist die Sphäre des Häuslichen – im Namen der Liebe – ökonomischen Interessen unterworfen, und inwiefern werden diese sozialen Dynamiken am Arbeitsplatz reproduziert?

Fällt es Frauen leichter zu lächeln als Männern?

Das Stück wird von der Schauspielerin Laura Sundermann aufgeführt. Diese hat ihre eigenen Erfahrungen mit der Arbeit am Theater maßgeblich in die Entstehung des Stücks einfließen lassen. Die Rolle der Schauspielerin, ihr Beitrag zur Entwicklung und ihre Arbeit an der Performance wurden als selbstreflexives Element in das Skript aufgenommen.

Die kontinuierlich wiederholte halbstündige Performance – selbst eine Art immaterielle Arbeit – und der Akt des Vorlesens, bei dem die Außenwelt nicht direkt adressiert wird, veranschaulichen die Koexistenz von Intimität und Öffentlichkeit, Privat- und Berufsleben, Reflexion und Performance.

Credit: Marwa Arsanios, Material for Work or How to Accomplish a “No-Smile” Strike. Ausstellungsansicht / installation view, Performance von Laura Sundermann, HIER UND JETZT im Museum Ludwig. Hausbesuch / HERE AND NOW at Museum Ludwig: Home Visit, 2016, Foto / Photo: Albrecht Fuchs / Rheinisches Bildarchiv, Köln.

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