de / en
Real Talk:
Justice for Syria and Universal Jurisdiction in Germany - What Can be Done?
11.11.

Diskurs
In englischer Sprache

Seit 2011 gehört es zur Lebensrealität Syriens, dass alle, die als Regimekritiker*innen bezichtigt werden, jederzeit Gefahr laufen, willkürlich festgenommen und inhaftiert zu werden. Neben der tödlichen Gefahr, die von den anhaltenden Kriegshandlungen ausgeht, ist dies einer der Hauptgründe dafür, dass Millionen von Menschen aus dem Land geflohen sind. Tausende Gefangene kamen in den syrischen Foltergefängnissen ums Leben, zehntausende haben Folter erlitten. Viele, die diese Torturen überlebten, haben Zuflucht in Deutschland gesucht, und einige kämpfen nun um ein gewisses Maß an Gerechtigkeit für die an ihnen verübten Verbrechen. Doch auf ihrem Weg dahin, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, müssen sie viele juristische und persönliche Hürden überwinden.

In Deutschland wird nun auf Basis des Prinzips der Universellen Jurisdiktion Anklage gegen Einzelpersonen für in Syrien begangene Verbrechen erhoben. Im März 2017 stellte das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte gemeinsam mit sieben syrischen Überlebenden von Folter sowie den syrischen Anwälten Anwar al-Bunni (Syrian Center for Legal Studies and Research) und Mazen Darwish (Syrian Center for Media and Freedom of Speech) bei der Bundesanwaltschaft den ersten Strafantrag gegen sechs hochrangige Funktionäre des syrischen Geheimdienstes. Die Kläger*innen wurden in den Gefängnissen des Geheimdienstes selbst gefoltert oder zu Zeug*innen von Folter.

Während dieser Veranstaltung wird eine Runde aus Aktivist*innen und Expert*innen mögliche gerichtliche und außergerichtliche Schritte erörtern, die in Deutschland unternommen werden können, um für die strafrechtliche Verfolgbarkeit von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen einzutreten. Worin bestehen diese rechtlichen Schritte, und welche Konsequenzen haben diese für die Täter*innen? Außerdem wird die Runde mit den Teilnehmer*innen darüber diskutieren, inwiefern weiterführende Aktivitäten wie politische Kampagnen, Bewusstseinsbildung, Geschichtenerzählen und Interessenvertretung zu dem Ringen um Gerechtigkeit in Syrien beitragen können.

Teilnehmende:

Franziska Brantner ist Mitglied des Deutschen Bundestags, Sprecherin des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie kinder- und familienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen.

Hesham Moadamani ist ein in Berlin lebender syrischer Aktivist und Mitveranstalter von „Campus Conversations“ am BARD COLLEGE BERLIN. Hesham bietet Bildungs-Stadtrundgänge bei Refugee Voices Tours Berlin an, einer Plattform, die Parallelen zwischen deutscher und syrischer Geschichte zieht und die sogenannte Flüchtlingskrise aus der Perspektive persönlicher Erfahrungen erzählt.

Ameenah A. Sawwan ist syrische Aktivistin und lebt seit 2016 in Berlin. Gegenwärtig ist Ameenah für die Interessengruppe The Syria Campaign tätig und Mitglied der syrischen politischen Frauenbewegung.

Andreas Schüller ist Direktor des International Crimes and Accountability program am Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte.

Moderiert von Christin Lüttich, Co-Managerin von Adopt a Revolution.

Photo from a demonstration on the international day of the disappeared organized by The Syria Campaign and Adopt a revolution in front of the Russian Embassy in Berlin on August 31, 2019. Photo: Mohammed Abdullah (Artino)


Real Talk ist eine neue Reihe im Grünen Salon, die den politischen Diskurs von jungen, widerständigen, demokratisch-freiheitlich gesinnten Diasporas des Mittleren Ostens in Berlin sichtbar und diskutierbar macht. Es geht um die transnationalen Wirklichkeiten und Kämpfe zwischen dem „hier“ und dem „dort“, dem “damals” und dem “jetzt”, die der Nationalismus auszuradieren sucht und die sich in den Diasporas zeigen. Die Serie gibt syrischen, afghanischen, irakischen und anderen Intellektuellen und Künstler*innen eine Plattform, um politische Themen gemeinsam mit Expert*innen in unterschiedlichen diskursiven und/oder künstlerischen Formaten zu diskutieren.

Die Serie ist eine Kooperation zwischen dem Bard College Berlin, der Volksbühne Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Vorträge, Kurzfilme, Paneldiskussionen und Performances werden die Abende prägen. Der Überlebenskampf der Zivilgesellschaften im Nahen Osten, die Rückgewinnung politischer Handlungsfähigkeit, die in den Gefängnissen Verschwundenen, die politische Dimension des (Post-)Traumatischen, die Erfahrung von Staatenlosigkeit, das Schicksal der Frauen in der Revolution – diese und andere, Diaspora und Welt verbindende Themen werden zur Diskussion stehen.

Vergangene Veranstaltungen

Real Talk: On Changing Gender Relations in Yemen and its European Diaspora

Podiumsdiskussion mit Hisham Almahdi, Adeeb Hadi und Altaf Merzah. Moderation: Christin Lüttich.

Verlassen Menschen ihr Herkunftsland, um in der Diaspora zu leben, durchläuft ihre Auffassung der Geschlechterverhältnisse oftmals eine radikale Wandlung. Denn in dieser neuen Situation müssen sie sich mit ungewohnten Sichtweisen auf hochgradig private Lebensbereiche wie Liebe, Sex, Fortpflanzung, Familie, Heirat oder sexuelle Identität auseinandersetzen, während der Einfluss traditioneller gesellschaftlicher und familiärer Werte bestehen bleibt. Persönliche Entscheidungen werden weiterhin durch familiäre Strukturen eingeschränkt und stehen oftmals in Konflikt mit diesen. Will man diese Konflikte offen ansprechen, so ist es notwendig, Stereotypen zu überwinden und eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen, die frei ist von rassistischen und orientalistischen Werturteilen.

Die Veranstaltung versucht einen Einblick in die Genderverhältnisse im Jemen zu geben. Vor diesem Hintergrund befassen sich die gezeigten Filme und die Beiträge der Gastredner*innen mit der zentralen Rolle von Religion und Tradition in der Region und gehen dabei auch auf deren Zusammenspiel mit den politischen und ökonomischen Machtverhältnissen ein. Im Jemen gelten die Männer als Versorger der Familie. Aus dieser goldenen Regel sind zahlreiche Konventionen und Vorstellungen hervorgegangen, wie etwa „Mahr“ (der Brautpreis), Heirat, Scheidung, Kindererziehung und die Stellung von Frauen in der Gesellschaft. Die Organisator*innen dieses Abends haben es sich zum Ziel gesetzt, die Hintergründe der Überzeugung, dass jeglicher Kontakt zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts „haram“, also dem islamischen Glauben gemäß verboten sei, anzusprechen. Darüber hinaus werden die Veränderungen, die in den vergangenen Dekaden zu beobachten waren, sowie mögliche Lösungsansätze für die Zukunft diskutiert. Die Veranstaltung ist nicht als Angriff auf traditionelle Wertvorstellungen intendiert, sondern stellt vielmehr den Versuch dar, die Gründe für deren Wirksamkeit nachzuvollziehen.

Zu Beginn der Veranstaltung werden zwei kurze Dokumentarfilme gezeigt, die die vorherrschenden Genderverhältnisse in der jemenitischen Gesellschaft unterschiedlich auslegen: Najmia – a Stranger in her Own City (2015) von Khadijah Al Salami und The Voice of the Rainbow (2018) von Tameem Amer. Im Anschluss spricht Christin Lüttich mit drei Intellektuellen, Autor*innen und Student*innen aus dem Jemen und dem Irak über die Filme sowie deren Reisen und Erfahrungen – wie sie mit den besagten Konflikten umgehen und versuchen, den ihnen auferlegten Verantwortlichkeiten gerecht werden.

[text-ar]

"حول تغيير العلاقات بين الجنسين في اليمن ومهجرها في أوروبا"

[/text-ar]

[text-ar]

١٩:٠٠ تقديم وعرض لفلمين وثائقيين قصيرين:

[/text-ar]

[text-ar]

"نجمية - غريبة في موطنها"(٢٠٠٥) إخراج خديجة السلامي.

[/text-ar]

[text-ar]

"صوت قزح" (٢٠١٨) إخراج تميم عامر.

[/text-ar]

[text-ar]

٢٠:٠٠ حوار تديره كريستين لوتيج مع كل من ألطاف مرزاح، هشام المهدي وأديب هادي.

[/text-ar]

[text-ar]

يتبعه نقاش مفتوح وإجابات لأسئلة الجمهور.

[/text-ar]

[text-ar]

غالبا ما تتغير مقاربات العلاقات بين الجنسين بشكل دراماتيكي عند العيش في المهجر. يتعين على المرء فهم وجهات نظر جديدة حول القضايا الأكثر خصوصية -الحب والجنس، النسل والعائلة، الزواج والهوية الجنسية- بينما لا تزال المجتمعات التقليدية والقيم الأسرية مؤثرة في حياته.

[/text-ar]

[text-ar]

يتعين على الأفراد -أحياناً- اتخاذ قرارات صعبة ومتضاربة، وعند تناول هذه النزاعات والتعقيدات و مناقشتها فإنه من الضروري ترك التصورات النمطية وخلق حوار مجردٍ من الأحكام العنصرية والاستشراقية.

[/text-ar]

[text-ar]

تهدف هذه الفعالية إلى النظر في حالة العلاقات بين الجنسين في اليمن، وتأثرها بكل من التقاليد والدين ودور القوى السياسية والاقتصادية في تشكيلها.

[/text-ar]

[text-ar]

هناك قاعدة ذهبية في اليمن تنص على أن "على الرجل أن يُعيل"، وهذه القاعدة تقوم بتشكيل الكثير من المفاهيم والأعراف المجتمعية؛ كالمهر، الزواج، الطلاق، تربية الأطفال، وحتى دور المرأة في المجتمع.

[/text-ar]

[text-ar]

نحن نسعى إلى النظر بعمق في الأسباب والعواقب المترتبة على إيمان المجتمع المحافظ بحرمة أي تواصل بين الجنسين خارج منظومة الزواج، ومناقشة التغيرات التي حصلت خلال العقود الماضية و الحلول الممكنة مستقبلاً. ليس هدفنا مهاجمة المبادئ المجتمعية أو إطلاق التهم عليها بل النظر الى الأسباب الكامنة وراء فاعليتها.

[/text-ar]

[text-ar]

أولاً ، سنقوم بعرض فلمين وثائقيين قصيرين يتناولان العلاقات بين الجنسين في اليمن من منظورين مختلفين، بعد ذلك ستقوم كريستن لوتيج بإدارة حوارعميق مع ثلاثة مثقفين، فنانين وطلاب، يمنيان وعراقي، حول الفلمين رحلاتهم وتجاربهم الشخصية، استكشافهم للنزاعات و محاولاتهم في التعامل معها بمسؤولية. وأخيراً، سيتم فتح باب النقاش مع الجمهور.

[/text-ar]

Real Talk: On New Beginnings: Berlin's Arab Exile Body

Real Talk: zur Möglichkeit des politischen Neuanfangs in der arabischen Diaspora

Vielleicht braucht es eine Außenseiterperspektive, um Wege aus der Sackgasse der politischen Verzweiflung zu weisen. Eine Perspektive, die allerdings vertraut ist mit der Sprache und den Erfahrungen der arabischen Revolutionen. Der ägyptische Soziologe Amro Ali beschrieb jüngst in einem Essay Berlin als Hauptstadt des arabischen Exils, mit dem Potential, ein Laboratorium für politische Aktivität zu werden. Die Netzwerke des Exils setzen in Berlin enorme intellektuelle und künstlerische Energien frei. Doch ihr Drang nach politischer Veränderung verpufft bisher. Die Zersplitterung und der Mangel an politischen Rechten und an politischer Organisation machen sie handlungsunfähig und werfen die Frage auf: Wie könnten die Räume der arabischen Diaspora die lähmende Resignation überwinden? Die Bedeutung, die Berlin heute für das arabische Exil hat, reicht ja durchaus an die Bedeutung heran, die New York in den 30er und 40er Jahren für das jüdische Exil und Paris in den 70er und 80er Jahren für das lateinamerikanische Exil hatten.

Im ersten Teil des Abends wird Amro Ali über die Herausforderungen und Schwierigkeiten sprechen, die es dem arabische Exil so schwer machen, eine politische Instanz zu werden, und er wird einen Neuanfang vorschlagen. Einen Anfang für einen politischen Diskurs in einer neuen, revolutionären, aber gewaltfreien „Sprache der Bewusstheit“, die die Würde der Mitmenschen respektiert und ihre gemeinsamen Räume zu vergrößern sucht. Einen Anfang durch „Poiesis“ und „Praxis“ jenseits der Diaspora, um dorthin zu gelangen, wo ein Gespräch mit anderen politischen Netzwerken und Kreisen möglich ist.

Im zweiten Teil werden drei junge syrische Künstler*innen und Studierende am Bard College Berlin, Wafa Mustafa und Rafat Alkotaini, mit Kurzfilmen reagieren, die die Exilerfahrung in Berlin beleuchten - als politische Erfahrung mit einer existentiellen Dimension, die jedem sensiblen Menschen zugänglich sein müsste. Diese künstlerischen Beiträge illustrieren einerseits die Verzweiflung, die der politischen Resignation und Untätigkeit zugrunde liegt. Sie könnten sogar als Widerspruch zu Amro Alis Ideen aufgefasst werden. Andererseits sind sie vielleicht selbst schon ein erster, drängender und doch vorsichtiger Schritt hin zu dem, was Amro Ali vorschlägt.

Real Talk: Accommodating the Devil. The Syrian Civil Society’s Struggle for Survival

Ausgleich mit Teufeln. Der Überlebenskampf der syrischen Zivilgesellschaft

19:00 Begrüßung: Marion Detjen
Einführung: Kristin Helberg

19:15 Panel-Diskussion mit Christin Lüttich (Moderation), Karam Alhamad, Kristin Helberg, Zeidoun Alzoubi und Ameenah Sawwan​
Danach Reaktionen und Diskussion mit dem Publikum

Die Revolution in Syrien hat nicht nur versucht, das Assad-Regime loszuwerden. Sie hat auch vielfältige zivilgesellschaftliche Strukturen hervorgebracht: Schulen, Gesundheitszentren, Infrastruktur, journalistische Projekte, mit denen die Bevölkerung ihre eigene Versorgung in die Hand genommen hat. Auch im Krieg und in der Belagerung haben diese Strukturen überlebt. Doch jetzt stehen sie vor dem Aus. Seit der Westen sich zurückzieht, drohen den Graswurzel-Organisationen die letzten Mittel abhanden zu kommen. Und die Menschen, die sich noch fürs Gemeinwohl engagiert hatten, werden zwischen dem Terror des Regimes und dem Terror der islamistischen Gruppen zerrieben.

Was müssen wir, was muss der Westen in dieser Situation jetzt tun? Die sterbende Zivilgesellschaft dort kann einer lebendigen Zivilgesellschaft hier nicht gleichgültig sein. Wie sieht es in den verschiedenen Regionen Syriens jetzt konkret aus? Ist ein Arrangement mit Assad überhaupt denkbar? Oder lässt sich Russland bewegen, Assad zu zwingen, wenigstens ein Minimum an Schutz für die Menschen zu gewährleisten? Eingerahmt wird der Abend von Fotos und Plakaten der Revolution.

Diese Website setzt Cookies ein. Mehr darüber erfahren Sie in unseren Hinweisen zum Datenschutz. > Mehrx