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Foto: Axel Voelcker

Reformbühne Heim & Welt
Zu Gast: Michael Bittner & Tsootsies
20.10.

Literatur
In deutscher Sprache

Er ist der klügste Sachse Berlins: Michael Bittner ist Kurzgeschichtenautor und politischer Feuilletonist, für die Sächsische Zeitung hat er sich lange mit dem zweifelhaften Polit-Professor Werner Patzelt ein Fernduell als „Besorgte Bürger“ geliefert, und der Dresdner Lesebühne „Sax Royal“ gehört er bis heute an, auch wenn er schon lange in Berlin lebt. Wir freuen uns über den Besuch des Osten-Verstehers und Menschenfreund bei der Reformbühne!

Die Tsootsies hiphoppen und rappen über Urschleim und Antikörper unter der kurzen, und wo #Rezo sich mit der Zerstörung der CDU zufriedengibt, kontern sie mit der kurzen, aber prägnanten Ansage: „Die Tsootsies zerstören alles.“


Seit Januar 1995 tritt die Reformbühne Heim & Welt unter ihrem immerwährenden Motto „Am besten was Neues“ jeden, aber auch wirklich jeden verdammten Sonntag an, um Geschichten und Lieder, Agitation und Propaganda, Jux und Dollerei sowie Höcksken und Stöcksken mit dem Publikum zu teilen.

Hier führt Ahne allwöchentlich Zwiegespräche mit Gott, hier lernt der Psychiater Jakob Hein den wirklichen Wahnsinn kennen und sammelt Stoff für seine neuen Romane und Drehbücher, hier begann Falko Hennigs Karriere als schreibender und Blues singender Rikscha-Fahrer und Romancier, hier versucht Jürgen Witte immer und immer wieder, die Grundzüge der globalen Ökonomie an seine unverständigen Kollegen zu vermitteln, hier erhält Reptilienforscher Heiko Werning die Gelegenheit, mal wirklich seltsame Geschöpfe zu beobachten, und hier beweist Schriftsteller Roman Israel, dass Sachsen in Berlin sehr wohl die Herzen der Massen zufliegen können.

Jeden Sonntag neue Texte, jeden Sonntag neue Gäste, jeden Sonntag Literatur, Satire, Poetry Slam und Musik. Jeden Sonntag zwei Stunden Heim und Welt im Roten Salon.

Kommt alle, dann ist woanders mehr Platz!

20.10.19, 20:00
> Tickets

Medien

Foto: Promo

Foto: Promo

Vergangene Veranstaltungen

Reformbühne Heim & Welt Zu Gast: Christoph Hein und Hans-Eckardt Wenzel

Die Reformbühne Heim & Welt hat sich schon immer als Plattform für junge Talente verstanden, und so zögerte sie nur kurz, als sich zwei hoffnungsvolle Nachwuchskünstler im Doppelpack bei ihr zum Gastauftritt bewarben, um einmal mit den alten Lesebühnenrecken auf der Bühne stehen zu dürfen. Christoph Hein, so sagt er, hat schon mal was geschrieben und sei in der Lage, das auch vorzulesen. Ein interessantes Konzept, von dem wir gerne mehr hören möchten. Wenzel dagegen hat mal Gitarre gelernt und „Leaving on a jetplane“ am Lagerfeuer gesungen, und wir finden, das ist doch schon mal ein schöner Anfang. Wir sind gespannt, was die beiden an diesem Abend daraus machen werden.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Paul Bokowski & Le-Thanh Ho

Zum Abschluss der ersten Reformbühnen-Saison im Roten Salon wird noch einmal groß aufgefahren. „Hauptsache nichts mit Menschen“ hieß der erste große Erfolg des Vorlesers und Poetry Slammers Paul Bokowski, und auch im Folgeband „Allein ist man weniger zusammen“ blieb der polnischstämmige Wahl-Weddinger seiner Linie treu. Früher las er regelmäßig bei den Weddinger „Brauseboys“, heute zieht er über die Bühnen des Poetry Slam in ganz Deutschland und liest solo in den großen Hallen, überall dort, wo die Menschen erfahren möchten, wie er seinem Vater am Telefon Skype beibringt oder wie es der Nachbarin mit der seltenen Erkrankung, bei der einem die Arme am Fensterrahmen festwachsen, so geht.

Le-Thanh Ho ist das Kind einer vietnamesischen Flüchtlingsfamilie, lebte lange in München und fand letztlich ebenfalls im Wedding eine neue Heimat. Früher war sie die Frontfrau einer Ska-Punk-Band, dann übte sie sich im Jazz, und heute spielt sie zarte Kompositionen am Klavier. Zwischendurch studierte sie auch noch Schauspiel. Und seit ihrer ersten Plattenveröffentlichung 2014 räumt sie als Songwriterin einen Preis nach dem anderen ab.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Sedlmeir, Michael Sailer

Anfang der Nullerjahre wurde der Gonzo-Rock’n’Roll von Sedlmeir begründet und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Ähnlich wie beim Gonzo-Journalismus ist die Konvention kein Kennzeichen des Gonzo-Rock’n’Roll. Stattdessen stellt der Gonzo-Rock’n’Roller seine eigene Interpretation in den Vordergrund. Er singt radikal subjektiv, mit starken Emotionen und absichtlichen Übertreibungen. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion kann dabei verschwimmen. Sarkasmus, Schimpfwörter, Pseudo-Fakten, Dada, Humor und Zitate werden als Stilelemente verwendet. Nach musikwissenschaftlichen Kriterien handelt es sich beim Gonzo-Rock’n’Roll nicht nur um eine Musikform, sondern um Kunst. Als Vorläufer seines Gonzo-Rock’n’Roll nennt Sedlmeir Bands wie z.B. Trio, Kraftwerk und die Ramones. Fest steht das Eine: Jede Wahrheit ist nur eine vorübergehende Wahrheit. Und ob das so stimmt, weiß letztendlich auch niemand.

Michael Sailer schlägt am liebsten „Schwabinger Krawall“. Der Münchener Autor hat unter diesem Titel jahrelang für die Taz aus dem Soziotop Schwabing berichtet, wo er selbst längst eine Legende ist, fest verschmolzen mit dem „Vereinsheim“, dem Underground-Künstlertreff neben der Münchener Lach- und Schieß-Gesellschaft, wo er die wöchentliche Lesebühne „Schwabinger Schaumschläger“ ebenso liebevoll betreut wie den Tresen.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Moritz Hürtgen & Danny Dziuk

Es ist eine alte, in Steintafeln geschlagene Tradition, dass jeder neue „Titanic“-Chefredakteur einen Antrittsbesuch bei der Reformbühne Heim & Welt zu absolvieren hat, und so muss nun auch Moritz Hürtgen, der die Geschicke des endgültigen Satiremagazins im Jahr 2019 von seinem Vorgänger Tim Wolff übernommen hat, vor das Humorscharfgericht im Roten Salon, um die Gunst der Reformbühnler zu erringen. Mit seinen hübschen Aktionen wie #miomiogate oder den Focus-Fake-News über Öko-Terroristen, die Abgasmessungen mit Luftpumpen manipulieren, hat er jedenfalls schon mal ihre Sympathie errungen. Nun werden wir sehen, wie er sich am gelesenen Text so schlägt.

Danny Dziuk dagegen ist ein alter Recke im deutschen Songwriting. Er leitet das Inselorchester von Axel Prahl, hat Lieder für so unterschiedliche Künstler wie Stoppok, Wiglaf Droste und Annett Louisan geschrieben, vor allem aber ist er ein wunderbarer Sänger und Musiker, dessen eigene Texte in den All-time-charts der Reformbühne stehen.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Paula Irmschler & Ostberlin Androgyn

Paula Irmschler ist der lebende Beweis, dass Feminismus nicht dröge und lustfeindlich daherkommen muss, sondern lustig und erfrischend aggressiv. Vermutlich hält die frisch gebackene Titanic-Redakteurin den Landesrekord an Facebook-Sperrungen, den Waidmannsheilpreis für das Trollen von Trollen und ist in den Notaufnahmen in ganz Deutschland gefürchtet, weil nach ihren Postings reihenweise Männer mit Schnappatmung eingeliefert werden. Bei Auftritten teilt sie die Bühne unter anderem mit Margarete Stokowski und Jens Friebe, und jetzt endlich auch mit den älteren Herren der Reformbühne Heim & Welt.

Während Bushido vor lauter Angst vor seinen alten Homies zur Polizei läuft, kommen hier Hiphopper, die vor gar nichts Angst haben: Ostberlin Androgyn kennen das Ghetto (Ostberlin) und die Härten des Lebens (U5). Daniel Hoth und Jan vom im Ich rappen so lässig und klug dazu, als wären sie im wahren Leben Poetry-Slammer und Songwriter. Das Publikum im Roten Salon darf sich von den Beats treiben lassen und leise im Takt dazu mit dem großen Zeh mitwippen.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot, Hauck & Bauer

Was soll man zur Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot noch groß sagen? Man muss sie einfach hören und mittanzen. Die Reformbühne Heim & Welt ist seit Jahren mit dem Musiker-Kollektiv befreundet, die Damen und Herren laden sich kreuz und quer durch ihre Veranstaltungen ein, mal lesen Jakob Hein und Ahne bei Kurkapellen-Konzerten ihre musikalischen Leidensgeschichten mit dem Saxofon oder mit Gott vor, mal spielt die gesamte Kurkapelle auf der Reformbühne, und die Herren Autoren schmettern spätestens beim letzten Lied lauthals mit. Es wird auf jeden Fall eng auf der Bühne.

Und was soll man zu Hauck & Bauer noch groß sagen? Das Cartoonisten-Duo zeichnet für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Titanic, hat so ziemlich alle Karikaturenpreise gewonnen, die man in diesem Land so gewinnen kann, und wer sein Jahr nicht mit einem Hauck&Bauer-Kalender veredelt, muss ein armer Tropf bleiben – oder doch wenigstens in den Roten Salon kommen, wo die beiden eine Auswahl ihrer schönsten und aktuellsten Bilderwitze an die Wand werfen und jede einzelne Sprechblase vorlesen.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Masha Potempa & Katharina Greve

„MusikPoesie, Chanson, Liedermacher, Poetry Slam“ – mit diesen Stichworten versucht Masha Potempa sich selbst einzuordnen, und wir wüssten es auch nicht konkreter festzumachen, denn sie ist einfach verdammt vielseitig und unwirklich gut, weshalb wir einfach sagen: Sie singt tolle Lieder an der Gitarre! Mit allen niederrheinischen Wassern gewaschen, webt sie Texte aus Ironie und Melancholie. Sie vermischt balkaneske Melodien mit lyrischen Versen und zeigt, dass Zerbrechlichkeit eine Stärke ist.

Ein ganzes Hochhaus hat Katharina Greve gezeichnet, Stockwerk für Stockwerk, und in jeder Wohnung entpuppte sich in zwei, drei Sprechblasen ein ganzes Universum an Alltag und Wahnwitz. Die Titanic-Cartoonistin und Witzbild-Projiziererin hat Graphic Novels über Patchwork-Familien und Imbissbudenbesitzer gezeichnet, Comic-Bände über Gärtner und Lehrer herausgegeben und wird eine wüste Auswahl aus ihrem Schaffen im Roten Salon an die Leinwand werfen. Denn die Sprechblasen ihrer Cartoons sind nochmal so schön, wenn sie von ihr selbst vorgelesen werden.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Lea Streisand, Richie & Bel

„Geschichten aus der großen Stadt“ heißt die Kolumne von Lea Streisand bei Radio Eins, und genau solche schreibt die Urberliner Lesebühnendame in schnodderigem Tonfall und mit großem Herzen. Ganz nebenbei kolumniert sie noch bei der Taz und schreibt ganze Romane. „Im Sommer wieder Fahrrad“ war die anrührende Geschichte über eine krebskranke junge Frau, die in ihrer Erinnerung an ihre Theater spielende Großmutter durch ihre Krise findet, und ein ganz frisches Manuskript hat sie just vor ihrem Auftritt im Roten Salon (hoffentlich) beim Verlag eingereicht, und wir sind froher Hoffnung, daraus bereits ein bisschen hören zu können.

Richie & Bel sind ein israelisches Songwriter-Duo, das sich als Straßenmusiker in Tel Aviv kennengelernt und zusammengetan hat. Zwei Stimmen, zwei Gitarren und perfekte Harmonien, mit Songs über das Leben und die Liebe. Ihre erste gemeinsame Tour führte sie nach Indien, und nun kann nur ein Ort das noch toppen: der Rote Salon!

Reformbühne Heim & Welt Mit: Jacinta Nandi & Robert der Schlagerstar

Achtung, explicit lyrics. Wenn Jacinta Nandi ausholt, bleibt kein Auge trocken, weil garantiert gerade vorher ein wenig Sperma hineingespritzt ist. Niemand schreibt so charmant und mit englischem Akzent über Hardcore-Sex, Feminismus und Rassismus wie die Brexit-geplagte Londonerin mit Berliner Wohnsitz und irgendwelchen indischen Wurzeln, vor allem aber mit umwerfendem Humor, der selbst Tragödien zu einem großen Vergnügen macht.

Als musikalisches Kontrastprogramm spielt Robert der Schlagerstar auf, der einzig ebenbürtige Konkurrent von Heintje und Roy Black, wenn beide sich zusammen aus ihren Gräbern herausgebuddelt, ein paar Lines Koks gezogen und anschließend auf die Bühne gestiegen sind, um noch einmal wie in den guten alten Zeiten zu singen, was das Zeug hält.

Reformbühne Heim & Welt Mit: Konrad Endler, Andreas Kampa und Frollein

Jahrelang war die „Chaussee der Enthusiasten“ im RAW-Tempel eine der größten Literaturveranstaltungen der Hauptstadt, aus diesem Schoß sind Stars wie Jochen Schmidt, Volker Strübing und Kirsten Fuchs entschlüpft, doch eines traurigen Tages beschlossen „die schönsten Schriftsteller Berlins“, nicht mehr wie früher „was zu erzählen“, sondern Schluss zu machen. Aus. Finito. The End. Umso entzückter ist die Reformbühne Heim & Welt, dass es ihr in langwierigen Geheimverhandlungen gelungen ist, einen der seither im Untergrund lebenden Akteure der Enthusiasten noch einmal ins rote Licht des Salons zu locken: Andreas Kampa gibt uns die Ehre!

Frollein dagegen steht noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie tourte über die Poetry-Slam-Bühnen des Landes mit ihrer Gitarre und ihrem markanten Gesang, nahm eine erste Platte auf und war im letzten Jahr DIE Neuentdeckung für die Reformbühne, und das nicht nur, weil sie den Altersdurchschnitt auf der Bühne ins Bodenlose senkt.

Surfpoet Konrad Endler war einst Gitarrist der Berliner Punk-Band Goyko Schmidt und besang später als Hortkind den Parkwächter von Sanssoucci. Für Radio Eins schrieb er ganze Nachrichtenblöcke, die mitunter fast so irrsinnig waren wie die echten Nachrichten. Seine Bücher heißen „Männer von jetzt“ und „Mein Beitrag für die Weltrevolution“, und wie Letzterer aussieht, ist am Ostersonntag im Roten Salon live zu erleben.

Reformbühne Heim & Welt Mit: René Marik & Jana Berwig

„Würde Helge Schneider die Muppet-Show übernehmen und Kurt Schwitters als Autor einstellen, dann dürfte ungefähr das herauskommen, was René Marik mit seinen Handpuppen veranstaltet. Die Minidramen, die er mit seinen Puppen aufführt, sind durchweg hinreißend.“ – so urteilt die Presse, in diesem Fall die Berliner Zeitung, und wer wären wir, in diesen Zeiten der Lügenpresse-Schreihälse an einem solchen Urteil zu zweifeln? Und so freuen wir uns, wenn der Maulwurf in den Roten Salon kommt und uns aus dem Untergrund erzählt, und mit etwas Glück bekommen wir von seinem Herrchen auch noch etwas vorgelesen.

Vorgesungen bekommen wir in jedem Fall von Jana Berwig, der goldenen Stimme von Prag, Quatsch: Thüringen, die gerade ihr neues Album „Señorita“ veröffentlicht hat, auf dem sie mal Deutsch, mal Englisch, immer aber höchst einfühlsam und mit betörender Schönheit über nichts anderes als das Leben an sich singt. Dass die Menschen das hören wollen, haben sie bewiesen, indem sie die neue Platte mittels Crowdfunding finanziert haben. Und jetzt kann die Crowd auch im Roten Salon hören, warum das gut so war.

Reformbühne Heim & Welt Mit: The Incredible Herrengedeck & Rupprecht Mayer

Als „feinsten Berliner Chanson Punk“ bezeichnen die drei Herren sich selbst, und was sollen wir sagen? Außer: stimmt halt. Sehr fein. Sehr berlinerisch. Sehr chansonesk. Sehr punkig. Und dabei auch noch, das vergaßen sie zu erwähnen, sehr lustig und extrem sexy. Mit Kontrabass, Gitarre und Tasten. Und diesen unvergleichlichen Stimmen! The Incredible Herrengedeck! Die Herren von der Reformbühne werden dazu mit Gedecken nicht geizen.

Es gibt ja nicht so viele Gäste, die in der Lage wären, ihre Geschichten bei der Reformbühne in irgendeinem Chinesisch vorzutragen. Umso stolzer sind wir, an diesem Abend im Roten Salon einen zu präsentieren: Rupprecht Mayer ist Übersetzer aus dem Chinesischen, und außerdem noch so ziemlich alles, was man noch sein kann, wenn man ein kluger Kopf ist: Kunstgeschichtler, Galerist, Lehrbeauftragter, Dolmetscher, Buchhändler – vor allem aber, ganz klassisch: Geschichtenerzähler. Und deshalb ist er an diesem Abend bei uns zu Gast.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Eva Mirasol und André Herzberg

Tagsüber macht sie als Ärztin Menschen wieder heile, abends zertrümmert sie deren heile Welt auf den Lesebühnen der Stadt: Eva Mirasol ist Stammmitglied bei den Bühnen „Rakete 2000“ und „LSD – Liebe statt Drogen“, wo sie über die Herausforderungen des Alltags ebenso berichtet wie über die Abenteuer im Arztberuf.

Als Sänger der Ostberliner Band Pankow ist André Herzberg schon ein paar Jahre im Geschäft, wie wir Showbusinessfüchse sagen, zwischenzeitlich hat er viel beachtete Romane geschrieben, und ein neues Solo-Album hat er auch jüngst vorgelegt unter dem Titel „Was aus uns geworden ist“. Nach Letzterem wollen wir uns persönlich bei ihm erkundigen und warten gespannt auf seinen Gastauftritt bei der Reformbühne Heim & Welt.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Christoph Theussl und Rigoletti

Christoph Theussl kommt aus Wien und singt so, wie einer der aus Wien kommt: mit Schmäh, Charme und Todessehnsucht. Wohl deshalb war er zwischenzeitlich nach Berlin gezogen, aber nachdem er seiner Freundin attestieren musste, „du bist so deutsch zu mir“, hat er sich nach München abgesetzt, wo er seither wöchentlich bei den Schwabinger Schaumschlägern das Lesebühnenwesen in die Welt hinausträgt. Erfreulicherweise zieht es ihn immer mal wieder in seine alte Wahlheimat und damit selbstverständlich zu seinen alten Freunden von der Reformbühne Heim & Welt.

Rigoletti arbeitet bereits kräftig für das Projekt „Rückbau des Berliner Stadtschlosses“, vulgo: seine Sprengung, aber bis es endlich so weit ist, vertreibt sie sich und uns die Zeit mit großartigen, lustigen Filmen, von denen sie einige auf der Leinwand im Roten Salon zeigen wird.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Sarah Bosetti und Karl Neukauf

Ganz gleich ob mit ihrer Kolumne bei Radio 1, als Gast in Fernsehformaten wie „Die Anstalt“ oder „Ladies Night“, als Buchautorin oder als Gastgeberin eigener Poetry Slams und Lesebühnen, Sarah Bosetti verbindet Witz mit klugen Betrachtungen, feministischen Notwendigkeiten und Alltagsbewältigungsstrategien. Und gut lügen kann sie auch, wie der Titel ihres jüngsten Buchs beweist: „Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so“. Denn dass man das durchaus sieht, davon kann man sich bei der Reformbühne Heim & Welt nun überzeugen.

Karl Neukauf kommt aus Berlin. Nicht aus dem Berlin der Hipster und Veganer, sondern aus dem Berlin der Raucher und Poeten. Er macht Musik für Erwachsene. Musik, die nicht nach Milchschaum, sondern nach schwarzem Kaffee schmeckt. Wer seine Stimme einmal hört, vergisst sie nicht mehr: warm und rau, politisch und lakonisch. Karl Neukauf ist ein Liederschreiber, der in den Kellerkneipen, von denen er singt, noch selbst getrunken hat. „Hinter Geranien und Gardinen“ heißt seine soeben erschienene, hoch gelobte Platte ("Herrlich schwermütige Lieder", Rolling Stone), die gerade für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik vorgeschlagen worden ist. Ein Album voll schräger und rührender Geschichten, eingesammelt in den langen Nächten der Hauptstadt und in der Peripherie der Republik. Im Roten Salon wird er uns einige dieser Chansons spielen, sozusagen ganz nah dran an ihren Entstehungsorten.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Katrin Freiburghaus und Sebastian Krämer

Im Poetry Slam geht sie auf den Bühnen ein und aus und räumt einen Titel nach dem anderen ab, mit ihrer Band The Baby and the Dog nimmt sie Hit-Singles auf, und jetzt endlich kommt Katrin Freiburghaus aus München zu uns in den Roten Salon, um uns ein wenig von ihrem Glanz zu schenken, in Text und Ton.

„Vergnügte Elegien“ bietet Sebastian Krämer am Klavier feil, selbst wenn er über in der Zeit stehen gebliebene Zimmer verstorbener Kinder singt, und niemand hat als künftiger Hausbesitzer so rührend über Gentrifizierung gedichtet wie der Meister, Kleinkunstpreis-, Liederbestenlisten- und sonstige Preisträger, der zugleich auch Deutscher Meister im Poetry Slam war, als Poetry Slam noch in den kleinen Clubs und so weiter. Seit 25 Jahren schon beeindruckt Krämer mit meisterhafter Musikalität, Gesang und geschliffener Wortkunst (in alter Rechtschreibung), der Reformbühne Heim & Welt ist er ein treuer und liebgewonnener Gast, der sich erfreulicherweise immer mal wieder dort sehen lässt.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Christian Gottschalk und Fil

In seiner Kölner Heimat leitet Christian Gottschalk die „Vereinigung der Freunde des Münzfernglases“, eine Aufgabe, die ihm keine Freiräume lässt, die Stadt am Rhein zu verlassen. So wüssten wir bis heute nichts von seinen wunderbaren Geschichten und seiner Vergangenheit als Blues-Sänger, wenn nicht in seiner Heimatstadt ein seltsamer Brauch herrschen würde, der ihn alljährlich in die Flucht treibt, weil seiner Beschreibung nach die ganze Stadt sich in ein apokalyptisches Trümmerfeld verwandelt. Sie nennen es Karneval. Damit hat der Berliner nichts am Hut, und kann sich nun doch an dem befremdlichen Brauchtum freuen, denn es beschert uns den Auftritt von Christian Gottschalk.

Immer schon sah die Reformbühne Heim & Welt ihre Aufgabe auch darin, jungen, hoffnungsvollen Künstlern die Möglichkeit zu geben, sich mal auszuprobieren. Daher sind wir besonders gespannt auf einen jungen Mann namens Fil, der angeblich mal die Gitarre, mal einen Stoff-Hai dabei hat, zwischendurch kleine Bildchen zeichnet und der insgesamt ganz lustig sein soll. Schauen wir mal!

Reformbühne Heim & Welt: Mit Sarah Schmidt und Sven van Thom

Jahrzehntelang war Sarah Schmidt auf den Lesebühnen der Stadt zu Hause, unter anderem in den Neunzigerjahren auch als festes Mitglied der Reformbühne Heim & Welt. Mühelos hat sie sich in dieser männerdominierten Szene mit Bravour durchgesetzt, ihre schnoddrig-klugen Kurzgeschichten wurden vom Publikum gefeiert. In den letzten Jahren hat sie ihr Oeuvre um hoch gelobte Romane erweitert. „Eine Tonne für Frau Scholz“, 2014 im Verbrecher-Verlag erschienen, war ein großer Überraschungserfolg, und prompt hat sich Suhrkamp die neue Star-Autorin geschnappt, wo sie 2017 „Weit weg ist anders“ veröffentlicht hat. Und weit weg ist tatsächlich anders, denn nun ist sie ja wieder ganz nah dabei – bei ihrer alten Lesebühne.

Als er einst bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mitmachte, stieß Sven van Thom auf Irritation. Da war ja jemand, der gar keine Plastikmusik machte, sondern richtige Songs, und dann auch noch mit Humor. Die große Musikindustrie hatte dafür keine Verwendung, aber das hatte er auch gar nicht nötig. Mit seinem kongenialen Duo-Partner Gotti füllt van Thom als „Tiere streicheln Menschen“ Säle in der ganzen Republik. Und jetzt auch den Roten Salon.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Susanne Riedel und Johanna Zeul

Susanne Riedel ist der Beweis, dass sich die Lesebühnen auch im 30. Jahr ihres Bestehens fortwährend häuten und neu erfinden. Denn seit rund einem Jahr ist sie dabei bei Berlins dienstältester Bühne, dem Frühschoppen, wo sie zwischen Horst Evers & Co. den Laden gründlich aufgemischt und die Herzen des Publikums im Sturm erobert hat. Und genau das soll sie bei ihrem ersten Besuch auf der Reformbühne Heim & Welt nun auch im Roten Salon vollbringen!

Wer noch immer daran zweifelt, dass wir die Energiewende schaffen können, der hat Johanna Zeul noch nicht erlebt. Die Frau mit der Power von dreieinhalb durchschnittlichen Blockkraftheizwerken wirbelt über die Bühne, dass es nur so eine Art ist, mit poppigen Liedern, rotzigem Charme und einer Sprungkraft, die den älteren Herren der Reformbühne schon beim Zusehen den blanken Schweiß auf die Stirn treibt. Also: Herzschrittmacher vorher kalibrieren, Beruhigungsmittel nicht vergessen – und ab in den Roten Salon!

Reformbühne Heim & Welt: Mit Franziska Hauser und Sedlmeir

„Die Gewitterschwimmerin“ heißt der neue Roman von Franziska Hauser, mit dem sie für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert war, die Geschichte einer Familie, über ein Jahrhundert nachverfolgt. Darin beweist die 1975 in Pankow geborene Autorin, dass sie den epischen Stoff beherrscht. Aber lange Bücher schreiben kann ja praktisch jeder, sogar Martin Walser. Bei der Reformbühne Heim & Welt wird Hauser zeigen, dass sie auch in der kurzen, humoristischen Form glänzt. Kein Geheimnis, schließlich ist sie Mitgastgeberin bei der monatlichen Lesebühne „DEO – des Esels Ohr“. Dass sie zudem auch noch Fotografin ist – es sei halt auch noch erwähnt. Die Reformbühne freut sich aber vor allem auf eine von ihr verehrte, wunderbare Vorleserin!

Anfang der Nullerjahre wurde der Gonzo-Rock’n’Roll von Sedlmeir begründet und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Ähnlich wie beim Gonzo-Journalismus ist die Konvention kein Kennzeichen des Gonzo-Rock’n’Roll. Stattdessen stellt der Gonzo-Rock’n’Roller seine eigene Interpretation in den Vordergrund. Er singt radikal subjektiv, mit starken Emotionen und absichtlichen Übertreibungen. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion kann dabei verschwimmen. Sarkasmus, Schimpfwörter, Pseudo-Fakten, Dada, Humor und Zitate werden als Stilelemente verwendet. Nach musikwissenschaftlichen Kriterien handelt es sich beim Gonzo-Rock’n’Roll nicht nur um eine Musikform, sondern um Kunst. Als Vorläufer seines Gonzo-Rock’n’Roll nennt Sedlmeir Bands wie z.B. Trio, Kraftwerk und die Ramones. Fest steht das Eine: Jede Wahrheit ist nur eine vorübergehende Wahrheit. Und ob das so stimmt, weiß letztendlich auch niemand.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Max Rademann und Spider

Max Rademann entstammt dem sagenumwobenen Landstrich des Erzgebirges, zog von dort aber einst aus, um in die große, schmutzige Weltstadt zu ziehen. Nach Dresden. Dort residiert er nun seit 14 Jahren und überlegt, ob das wirklich schon die große, schmutzige Weltstadt ist. Aber auf jeden Fall gilt für Dresden wie für New York City: Wenn Du es hier schaffen kannst, schaffst du es überall. Mit an der Heimorgel komponierten Gassenhauern, die Rademann als Alleinunterhalter auf den Bühnen der Sachsenmetropole zum Besten gibt und die die Spatzen vom Zwinger pfeifen und selbst Lutz Bachmann heimlich mit dem Fuß wippen lassen.

Spider weiß eigentlich alles: wie man sein Geld für sich arbeiten lässt, wie es im Arbeitslosenpark zugeht, wo die letzte WG im Prenzlauer Berg zu finden ist. Darüber berichtet er auf der Bühne und in seinen Büchern (erschienen bei Voland & Quist). Als Gründungsmitglied von LSD – Liebe statt Drogen – ist er seit über zwanzig Jahren eine der prägenden Figuren der Berliner Lesebühnenszene und trotzdem ganz natürlich geblieben! So wie sein Name.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Daniela Böhle und Manfred Maurenbrecher

Zum Abschluss ihrer Geburtstagsfeierlichkeiten zum 23-jährigen Bestehen und des Premierenmonats im Roten Salon hat die Reformbühne sich diesmal zwei alte Mitstreiter eingeladen: Daniela Böhle war jahrelang Mitglied und hat mit ihrem Fortgang den verlassenen Kollegen so sehr das Herz gebrochen, dass sie seither keine neue Frau dauerhaft an ihrer Seite ertragen konnten. Die Königin der langen Kurzgeschichten ist ihrer alten Männerrunde aber als korrespondierendes Mitglied immer verbunden geblieben und hat ihre Erfahrungen mit diesen Kindsköpfen in das Erfolgskinderbuch „Mein bisher bestes Jahr“ fließen lassen.

Manfred Maurenbrecher gehörte 1995 zu den Gründungsmitgliedern der Reformbühne Heim & Welt. Der Songwriter-Monolith und zigfache Gewinner von praktisch jedem Preis, den man als Songwriter so gewinnen kann (durch ein tragisches Missverständnis ist der Literaturnobelpreis unlängst versehentlich an seinen Kollegen Bob Dylan gegangen), hat der Reformbühne aber sein E-Piano hinterlassen, auf dem sie zu seinem Gedächtnis seither immer wieder spielen – heute wird es wieder für seinen alten Meister höchstselbst aufgebaut.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Wladimir Kaminer, Michael Hatzius

Einst probierte Wladimir Kaminer seine ersten Geschichten jeden Sonntag bei der Reformbühne Heim & Welt aus, der er jahrelang als festes Mitglied angehörte. Nun kehrt er zurück, um seine alten Freunde am neuen Ort im Roten Salon zu besuchen. Deutschlands Lieblingsrusse nach Gorbatschow und Lieblings-Disko-Betreiber nach Ilja Richter hat garantiert wieder brandneue, unveröffentlichte Geschichten im Gepäck.

Etwas ganz anderes im Gepäck hat üblicherweise Michael Hatzius: seine Echse. Die erklärt ihm die Welt und ist schon ganz begierig darauf, mit Reformbühnen-Mitglied Heiko Werning einem ausgewiesenen Reptilien-Experten zu begegnen. Wir können uns also auf herpetologische Fachdiskussionen aus ungewohnter Perspektive freuen. Vielleicht gibt es ja sogar als Snack ein paar leckere Schaben oder Heuschrecken.

Da an diesem Abend kein musikalischer Gast Schlimmeres verhindern kann, werden wohl die Reformbühnler selbst singen müssen. Es könnte trotzdem ein schöner Abend werden.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Uli Hannemann, Lüül

Lange, entbehrungsreiche Jahre musste Uli Hannemann in Neukölln und als festes Mitglied der Reformbühne Heim & Welt sein Dasein fristen. Dann die Befreiungsschläge: Er veröffentlichte Bestseller wie „Neulich in Neukölln“ oder „Hipster wird’s nicht“ und schaffte endlich den Ausstieg aus der Reformbühne. Um sich von der Richtigkeit seiner Entscheidung zu überzeugen, will er die alten Kollegen nun natürlich auch am neuen Ort begutachten – und bringt dazu einige Geschichten über sein neues Leben in Freiheit, Saus und Braus mit.

Sein Leben ist so reichhaltig, dass es eigentlich auch gleich für mehrere gereicht hätte: Lüül tourte als Straßenmusiker, mit den 17 Hippies und mit seiner Lebensgefährtin Nico, der Model- und Punk-Wave-Gothic-Ikone der 50er-, 60er- und 70er-Jahre (über die er jüngst auch ein Buch veröffentlichte) durch die ganze Welt. Er spielte bei legendären Bands wie Agitation Free und Ashra, prägte die Neue Deutsche Welle mit („Morgens in der U-Bahn“) und ist vor allem einfach ein Super-Typ und immer wieder gern gesehener Gast bei der Reformbühne.

Reformbühne Heim & Welt: Mit Moses Wolff, Frieder Butzmann

Vor genau 24 Jahren, im Januar 1995, gründete sich die Reformbühne Heim & Welt im Schokoladen zu Berlin, und seither hat sie einem begeisterten bis verstörten Publikum jeden, wirklich jeden verdammten Sonntag frische Texte und gut abgehangene Schlager als Alternativprogramm zum „Tatort“ präsentiert. Passend zum Jubiläum ziehen die Reformatoren der Literaturszene in ihr neues Domizil, den Roten Salon der Volksbühne. Außerdem haben die leicht angegrauten Herren sich einer rabiaten Frischzellenkur unterzogen und präsentieren erstmals ihr neues Mitglied, den jungen Sachsen Roman Israel, der ihren Sexyness-Faktor in die Höhe schnellen und den Altersdurchschnitt ins Bodenlose stürzen soll. Kommt also alle, dann ist woanders mehr Platz!

Moses Wolff: Eigentlich liest Moses Wolff jeden Sonntag bei den legendären Schwabinger Schaumschlägern im Vereinsheim in München, doch zur Premiere der Reformbühne Heim & Welt im Roten Salon begibt sich der urbayerische Schauspieler, Komiker, Romancier und „Wildbach-Toni“ nach Berlin, um dort mit seinen schrägen Sketchen und furiosen Geschichten zu glänzen. Vielleicht sammelt er aber auch nur Material für seinen nächsten Roman – mit dem „Schrippen-Blues“ hat er bereits einen über die Hauptstadt geschrieben, ansonsten lebt er literarisch aber auf dem „Highway to Hellas“, schickt seinen Bayern-Kommissar Hans Josef Strauß als „Monaco Infernale“ durch München, ach ja, und Filme macht er auch noch.

Frieder Butzmann: Die Legende aus dem Westberlin der 80er-Jahre, einer der vielen "Genialen Dilletanten" mit doppel-L, Musiker, Performance-Aktivist, Geräusch-Künstler, der in seine musikalischen Darbietungen seine Hörgeräte, Büro-Klemmen und einen Schlauch integriert – extrem komisch und schön.

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