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„Der Krieg hat angefangen!“
Das Ensemble der Volksbühne liest anlässlich des 80. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges Texte von Victor Klemperer und Heinrich Böll.
01.09.
Sternfoyer

Literatur
In deutscher Sprache

Das Ensemble der Volksbühne liest anlässlich des 80. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges aus den Tagebüchern Victor Klemperers und den Briefen aus dem Krieg von Heinrich Böll.

„...eine Katastrophe, zehntausendmal schlimmer als 1918“, schreibt Victor Klemperer (1881 – 1960) bereits im September 1939 ein paar Tage nach Beginn des Zweiten Weltkrieges in sein Tagebuch. Eben dieses Jahr steht im Zentrum der Lesung. Victor Klemperer war 15 Jahre Professor für Romanistik an der Technischen Hochschule Dresden, bis er 1935 aufgrund des Reichsbürgergesetzes in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Obwohl er die Situation in Deutschland und für sich als sehr düster beschreibt, arbeitet er in den Kriegsjahren weiter an Ideen und Konzepten, die der Veröffentlichung gedacht sind. Als „Geltungsjude“ durfte er keine Bücherei aufsuchen und keine Zeitschriften beziehen. Die Tagebücher enthalten Notizen für die spätere Studie „LTI“ über die Sprache des Dritten Reiches und Gedanken zu den Erinnerungen „Curriculum vitae“. Andererseits erzählt Klemperer, wie er die Stimmung im Land, wie andere Menschen sie wahrnehmen und vom schwierigen Alltag, den er mit seiner Frau Eva teilt. Die Aufzeichnungen wurden während des Krieges vor der Gestapo versteckt gehalten.

Der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll (1917 – 1985) wurde mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in die Wehrmacht einberufen. Mit 21. Gerade hatte er ein Studium der Germanistik und Klassischen Philologie in Köln begonnen. Da gerät er ins Räderwerk des Krieges, der für ihn erst in der US-amerikanischen Kriegsgefangenschaft bis zum September 1945 endete. Während der langen Zeit als Soldat korrespondierte er mit seiner Familie und seiner späteren Frau Annemarie Böll, geborene Cech. Soldatenalltag, Krieg, Hass auf die Uniform, die Nöte des Katholiken Böll – wir lesen einen kurzen Ausschnitt – die Briefe in 6 Jahren spiegeln den Prozess des Reifens des jungen Böll, die Suche nach Haltung und Identität.

In unserem Gedächtnis spielen Krieg und Faschismus immer mit. Viel ist berichtet, gesagt und gemahnt worden. Nein zum Krieg! sagen Schauspielerinnen und Schauspieler, die die persönlichen Äußerungen, Haltungen und das Erleben - ob als Bürger wie Victor Klemperer oder als Soldat wie Heinrich Böll - in Erinnerung an den Tag des 1. September 1939 vortragen werden.

Es lesen: Sólveig Arnarsdóttir, Johanna Bantzer, Malick Bauer, Manolo Bertling, Sarah Franke, Katja Gaudard, Sebastian Grünewald, Jella Haase, Paula Kober, Robert Kuchenbuch, Vanessa Loibl, Daniel Nerlich, Silvia Rieger, Emma Rönnebeck, Sarah Maria Sander, Sylvana Seddig und Theo Trebs
Am Flügel: Sir Henry

Credits:
Victor Klemperer: Slub Deutsche Fotothek, Ursula Richter
Heinrich Böll als Soldat, um 1941, Foto: Archiv Erbengemeinschaft, Copyright: Samay Böll

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