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ASSEMBLE:
Paul Maheke & Nkisi. Sènsa
25.09.

Performance
In englischer Sprache

Sènsa ist ein Wort der afrikanischen Bantusprachen, das sich mit “erscheinen”, “sich enthüllen”, “Sinn ergeben” übersetzen lässt. Maheke und Nkisi kombinieren Sound, Bewegung und Licht, um dieses Konzept präsent und körperlich werden zu lassen; Identitäten, die in den peripheren Bereichen des Sichtbaren verborgen sind, Stimmen, die von den Rändern ertönen oder verweilende Schatten, rücken ins Zentrum der Bewegung. Der Begriff zeigt die Verwurzelung Mahekes und Nkisis Praxis im diasporischen Imaginären auf und beschreibt eine Sehkraft des Dazwischen, kollagiert aus Narrativen, sich verändernden Sounds und Bildern, im Austausch mit dem Raum, der Bewegung und dem Publikum.

Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.

Foto: Sènsa von Paul Maheke & Nkisi, Abrons Arts Center NYC, März 2019


ASSEMBLE
Die Performancereihe ASSEMBLE gibt neue Live-Kunstwerke für Kulturinstitutionen in Berlin in Auftrag. Gegründet 2017 von Adela Yawitz und Anna Gien, begreift ASSEMBLE Kunstinstitutionen als öffentlichen Raum. Das monatliche Programm besteht demnach aus öffentlichen und offen zugänglichen Versammlungen in Kunsträumen. Die eingeladenen Künstler teilen allesamt ein Interesse am Potenzial von Gruppen und Versammlungen sowie an deren politischer Bedeutung. ASSEMBLE untersucht die Bedingungen, unter denen manche Körper sichtbar werden, während andere unsichtbar bleiben, exponiert oder herabgewürdigt werden; wie sich Gruppen bilden und auflösen, sowie Momente der Beziehung zwischen Körpern in einer hyper-individualisierten Lebenswelt. Im Verlauf der Serie zeigen die Performances mögliche Formen öffentlicher Versammlungen, Widerstände oder Identitäten auf und betrachten die Möglichkeiten kollektiver und individueller Handlungen im öffentlichen, privaten und institutionellen Raum.

Im Grünen Salon veranstaltet ASSEMBLE parallel zu den öffentlichen Performances eine Reihe, in der die jeweiligen zentralen Anliegen in Gesprächen beleuchtet werden. Die Künstler sind eingeladen, ihre Arbeit noch einmal anders zu präsentieren; führende Theoretiker und Praktiker sprechen über den öffentlichen Raum; und es gibt faszinierende Perspektiven auf die öffentliche Sphäre des Internets, auf queere und feminisierte Räume sowie auf den spezifischen öffentlichen Raum der Stadt Berlin zu hören.

ASSEMBLE wird ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Vergangene Veranstaltungen

ASSEMBLE: Dafna Maimon in Conversation with Victoria Camblin and Agata Lisiak

Dafna Maimon realisierte kürzlich ihre neue Performance Wary Mary im Rahmen von ASSEMBLE. Kurz darauf folgte ihre Einzelausstellung Mutating Mary am Künstlerhaus Bremen. Beide Arbeiten beruhen auf den Ergebnissen von Maimons Recherche zu den sozialen Zwängen, mit denen unsere Gesellschaft Druck auf Frauen ausgeübt, Reproduktions- und Fürsorgearbeit zu leisten. Dieser Rechercheprozess ist untrennbar verbunden mit Maimons persönlichen Erfahrungen zum Thema Mutterschaft und ihren Beobachtungen der Art und Weise, wie Frauen, die selbst keine Mütter sind, von ihrem Umfeld behandelt werden. In Wary Mary verlassen drei Figuren die Bühne, um sich durchs Publikum zu bewegen. Mal verkörpern sie dabei überspitzte Bilder von Weiblichkeit und Mutterschaft, dann wieder legen sie ein kindliches oder animalisches Verhalten an den Tag. Neben dieser zeitgenössischen Erzählung spukt eine zweite, historische Frau durch die Inszenierung: die Gestalt von Mary Mallon oder "Typhus-Mary", die um die Jahrhundertwende als erste "Superspreaderin" bekannt wurde - sie war Wirtin einer Krankheit, ohne selbst jemals krank zu werden. Stellvertretend für viele solcher "Marys" in Maimons Geschichte, wurde Mary Mallon schließlich unter Quarantäne gestellt und verbüßte ihre Strafe für die unwissentliche Infektion ihrer Arbeitgeber, obwohl sie ihren eigenen Zustand nie verstand. Malon war eine zugewanderte, alleinstehende, kinderlose Frau – die Erklärung ihres Körpers zur Bedrohung für die öffentliche Gesundheit spiegelt vielschichtige soziale Ängste wider. Beide Erzählungen erforschen die virale und psychologische Ansteckung - der Körper der Frau als Trägermaterial, ein Ort der Gefahr und Fortpflanzung - innerhalb eines grotesken, auf die Spitze getriebenen Szenarios und inmitten humorvoller Verkörperungen von Wünschen und Ängsten.

Mit Agata Lisiak und Victoria Camblin spricht Maimon vertiefend über die sozialen Dynamiken im Kontext von Mutterschaft. Dabei gehen sie insbesondere auf die Begriffe der migrantischen Mutterschaft und der unsichtbaren Weiblichkeit ein und besprechen diese aus einer kunsthistorischen Perspektive.

Dafna Maimon (FI/ IL geb. 1982 in Porvoo, Finnland) lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeit kann als eine Reihe von rebellischen Gefühlskartographien beschrieben werden. Ihre künstlerische Praxis beschäftigt sich mit der Neuordnung gesellschaftlicher Codes kapitalistischen Konsumierens, mit dem Ziel, eine individuelle Handlungsweisen in Richtung auf Autonomie auszurichten und einen Raum für Stilllegung von Abhängigkeiten zu fordern. Sie inszeniert Situationen, die einen Alltag darstellen könnten, sich jedoch durch komödiantische Übertreibung und Substitution durch das Groteske, auf seltsame Weise davon entfernen, dabei mit patriarchalen Strukturen spielen, sie gleichsam dekonstruieren. So entstehen entweder eigene performative Mini-Institutionen, an denen das Publikum mehrere Tage teilnehmen kann, mehrstündige künstlerisch geführte Erfahrungen, oder immersive Performances, Filme und Installationen.Maimon hat einen BFA der Gerrit Rietveld Academy und einen MFA des Sandberg Institutes Amsterdam. Sie absolvierte künstlerische Residenzen im Künstlerhaus Bethanien, IASPIS, Lower Manhattan Cultural Council und an der Skowhegan School of Sculpture and Painting. Maimon ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs Conglomerate. Seit 2016 unterrichtet sie Videokunst am Bard College Berlin. Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt, unter anderem in den KW Institute of Contemporary Art (Berlin), PS1 Moma (New York), Mahj Jewish Museum (Paris), Kim Center Contemporary Art, (Riga), Gallery Wedding (Berlin), Kunstverein Braunschweig, Centre for Contemporary Arts Uzajdowski (Warschau), Lilith Performance Studio (Malmö) und anderen.

Agata Lisiak ist Professorin für Migrationsforschung und wissenschaftliche Leiterin des Praktikumsprogramms am Bard College Berlin. Sie erwarb einen M.A. in Internationalen Beziehungen (Wirtschaftsuniversität Poznan, 2002), einen M.Phil. in Literaturwissenschaften (Vrije Universiteit Amsterdam, 2005) und einen Dr. Phil. in Medien- und Kommunikationswissenschaften (Universität Halle-Wittenberg, 2009). Lisiak arbeitet an den Schnittstellen von Migrationsforschung, Stadtsoziologie, visueller Kultur und Gender Studies. Ihr besonderes Interesse gilt den alltäglichen Begegnungen in der Stadt, dem urbanen Imaginären und der Entwicklung kreativer, multisensorischer und kollaborativer Methoden in der Stadt- und Migrationsforschung. In ihren Schriften befasst sie sich mit der Lebensrealität junger Mädchen im urbanen Kontext (urban girlhood), mit Spaziergängen durch die Stadt, mit taiwanesischem Kino, mit polnischem Hip-Hop, mit dem kulturellen Gedächtnis in postsozialistischen Städten, mit unsichtbaren Weiblichkeiten und vielen weiteren Themen.

Victoria Camblin ist Autorin, Herausgeberin, Kunsthistorikerin und Kuratorin. Vormals war sie als Herausgeberin und künstlerische Leiterin für das in Atlanta, Georgia ansässige Kunstmagazin Art Papers tätig. Seit dem 14. Juni 2018 ist sie Chefredakteurin des Berliner Magazins 032c.

ASSEMBLE: Ligia Lewis in Conversation with Joshua Chambers-Letson

Die Choreographin und Tänzerin Ligia Lewis, vollendete kürzlich eine extensive Bühnenproduktion in drei Teilen: Sorrow Swag (2014), Minor Matter (2016) und Water Will (2018). Ihre Performer*innen springen zwischen individuellen Identitäten und Gruppenzugehörigkeiten hin und her, oder beziehen sich auf äußerliche Kräfte, wie Licht oder Wasser, die ihre Körper regulieren oder durchdringen. Im Gespräch mit dem Performance Studies- und Critical Race-Theoretiker Joshua Chambers-Letson diskutiert Lewis den konzeptuellen Hintergrund ihrer Stücke sowie deren Verwurzelung in drängenden politischen Diskursen. Gemeinsam gehen sie den Fragen von Othering, Embodiment und Solidarität als zentrale Aspekte ihrer Arbeit nach.

Ligia Lewis ist Choreografin, Performerin und Tänzerin, deren Arbeiten in verschiedenen Kontexten gezeigt werden, darunter Theater und Museum. In ihren Choreografien beschäftigt sie sich mit Affekt, Empathie und Sinnlichkeit und berücksichtigt besonders die sozialen Einschreibungen des Körpers. Ihr neuestes Stück, Water Will (in Melody) für vier Performer*innen, beinhaltet Texte sowie Wasser und andere Materialien, mit denen die Performer*innen interagieren. Diese dystopische Fantasie, die mit Sprache und Vorstellungen vom "Willen" ringt, wird zu einem Raum für die Verhandlung von Begehren, Vorstellungskraft und Gefühlen eines übergreifenden Endes. Ihre frühere Arbeit minor matter (2016) für drei Tänzer*innen präsentiert einen lebendigen Sozialraum, der sich durch das Zusammenspiel von Licht, Klang und Körperlichkeit materialisiert. Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt, unter anderem im HAU Hebbel am Ufer, Performance Space New York, Human Resources Los Angeles, Do Disturb Festival im Palais de Tokyo, Paris und beim ImPulsTanz, Wien. Ligia Lewis wird vom HAU Hebbel am Ufer (Berlin) vertreten und produziert.

Joshua Chambers-Letson ist Schriftsteller und Theoretiker und arbeitet an der Schnittstelle von Performance, kritischer Rassentheorie und politischer Theorie. Als außerordentlicher Professor für Performance Studies an der Northwestern University ist er zudem Autor von After the Party: A Manifesto for Queer of Color Life (NYU Press, 2018) und A Race So Different: Law and Performance in Asian America (NYU Press, 2013). Derzeit beschäftigt er sich mit einem Projekt über Objektbeziehungen, Reparation und Rasse, und gemeinsam mit Tavia Nyong'o bereitet er José Esteban Muñoz' The Sense of Brown für die Veröffentlichung im Verlag Duke University Press vor. Sein wissenschaftliches Werk ist weit verbreitet und er schrieb Katalogtexte für Teching Hsiehs Ausstellung auf der Biennale 2017 in Venedig, dem Chrysler Museum/Grey Art und anderen.

ASSEMBLE: Raimund Hoghe im Gespräch mit Prof. Dr. Gabriele Brandstetter

Am 3. Mai beginnt die Saison 2019 von ASSEMBLE mit einem neuen Performance-Stück von Raimund Hoghe im Bethanien / Kunstraum Kreuzberg. Der neue Auftrag ist Hoghes erste Performance in Berlin seit langer Zeit und widmet sich dem Bethanien und den Erinnerungen des Künstlers an die 90er Jahre. An diesem Abend reflektiert Hoghe über diese neue Arbeit sowie die Leitfragen seiner jahrzehntelangen Karriere als Tänzer, Choreograf und Autor. Der Künstler wird mit Dr. Gabriele Brandstetter (FU) sprechen, die eine langjährige Gesprächspartnerin ist.

Raimund Hoghe, geboren in Wuppertal, verfasste zunächst Porträts von Außenseitern und Prominenten, die in "Die Zeit" erschienen und auch in mehreren Büchern zusammengefasst wurden. 1980 - 90 arbeitete er als Dramaturg für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, über das er auch zwei Bücher schrieb. Seit 1989 entwickelt er eigene Theaterarbeiten für verschiedene Tänzer und Schauspieler. 1992 begann seine Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Luca Giacomo Schulte, der bis heute sein künstlerischer Mitarbeiter ist. 1994 realisierte er das erste Solo für sich "Meinwärts", dem "Chambre séparée" (1997) und "Another Dream" (2000) als Trilogie über das vergangene Jahrhundert folgten. Er lebt in Düsseldorf und hat zahlreiche Preise erhalten, darunter 2001 den "Deutschen Produzentenpreis für Choreografie". 2006 erhielt er den "Prix de la critique Francaise".

Gabriele Brandstetter ist seit 2013 Vizedirektorin am International Research Centre Interweaving Performance Cultures und ist seit 2003 Professorin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin. Ihre Forschung konzentriert sich auf Tanzgeschichte und Tanzästhetik vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart; Avantgardetheater und -tanz; Performance, Theatralität und Geschlechterdifferenzen sowie Konzepte von Körper, Bewegung und Bild. 2004 erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und 2011 das Bundestverdienstkreuz. Neben zahlreichen anderen Publiaktionen veröffentlichte sie u.a.: ReMembering the Body (2000, Mithg. H. Völckers); Bild-Sprung. TanzTheaterBewegung im Wechsel der Medien (2005); Methoden der Tanzwissenschaft. Modellanalysen zu Pina Bauschs ‚Sacre du Printemps‛ (2007, Mithg. G. Klein); Schwarm(E)Motion. Bewegung zwischen Affekt und Masse (2007, Mithg. B. Brandl-Risi, K. van Eikels) sowie Tanz als Anthropologie (2007, Mithg. C. Wulf).

ASSEMBLE: Panic Room On the Possibility of Feminizing Space

Über die Möglichkeiten feminisierter Räume

Die öffentlichen Räume, durch die wir uns bewegen, folgen der Logik traditionell männlich konnotierter Sichtbarkeiten. Obwohl nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, sind Ästhetik, Architektur und Funktionalität von Stadtbildern, öffentlichem Freizeitraum und Innenräumen öffentlicher Einrichtungen jahrhundertelang durch patriarchale Organisation strukturiert. Auch wenn die binäre Unterscheidung zwischen dem weiblichen, privaten und häuslichen Raum und den männlichen, öffentlichen Außenbereichen fast so alt ist wie der Raum selbst, ist sie doch immer noch in die Arten und Weisen eingeschrieben, wie unsere Umgebungen gestaltet sind. Historisch folgt das Konstruktionsprinzip der „Perspektive“ dem Credo - „Männer schauen Dinge an“: von Vasari über Nachtsicht-Geräte in der Kriegstechnologie, POV-Pornografie bis Google Street View. In der ikonischen Figur des Flaneurs, der brutalistischen Architektur oder den Psychogeografien des öffentlichen Raums ist Männlichkeit zur Form geworden. Die Definitionen von „Funktionalität“, „Effizienz“ oder „Neutralität“ im Design, die traditionell mit einer männlichen Identität verbunden sind, werden in der Erscheinung der Dinge sichtbar und in unserer täglichen Umgebung reproduziert. Wenn auch nicht explizit phallisch: Die symbolische Funktion von Architektur und Stadtplanung als Repräsentation von Prestige resultiert aus dem jahrhundertelangen Bedürfnis, männliche Macht zu manifestieren und zu bezeichnen, unabhängig davon, ob es sich um die Kirche oder den Staat handelt.

Im Haus am Lützowplatz erforschte Amy Ball für die erste Spielzeit von ASSEMBLE in dem Performance- und Installationsstück WOMEN die Bedingungen des geschlechtsspezifischen Raums mittels einer mehrdeutigen Persona, die mit der traditionell männlichen Figur des Motorradfahrers identifiziert wird. Das Bild des einsamen Abenteurers, der in der weiten Natur unterwegs ist, ob zu Pferd oder mit dem Motorrad, ist stark mit den Fantasien von Männlichkeit und Freiheit verbunden.

Im Gespräch mit Anna Gien, Fette Sans und Verena Dengler werden nun verschiedene künstlerische Ansätze für die Möglichkeiten der Feminisierung des Raums betrachtet: Wie bedingen diese Einschreibungen die Art und Weise, wie wir uns durch Räume bewegen? Wie kann man als Körper und als politisches Subjekt davon betroffen sein? Wie sind die imaginären und emotionalen Räume mit der ästhetischen Realität unserer Umgebung verbunden? Gibt es Möglichkeiten, die Gestaltung des Raums zurückzugewinnen? Kann es darin eine Möglichkeit geben, eine feminine / feminisierte Alternative zu erschaffen, die nicht durch Mangel definiert ist? Und wie lassen sich weibliche Klischees vermeiden, die vor allem durch Narrative weißer cis-Frauen geprägt sind?

ASSEMBLE: Künstler und Choreograf Manuel Pelmuş im Gespräch mit Prof. Sandra Noeth (HZT)

Einlass 18:00, Beginn 19:00
Tickets: 5 / erm. 3 €

Für die erste Veranstaltung der Serie spricht die Kuratorin und Wissenschaftlerin Sandra Noeth (HZT) mit dem rumänischen Künstler und Choreografen Manuel Pelmuş. In seiner jüngsten, noch laufenden Aktion für ASSEMBLE im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz adressierte Pelmuş die Frage von Zusammengehörigkeit. Beginnend bei den revolutionären Praktiken von Rosa Luxemburg und Mary Wigman fragte Pelmuş hier nach der Möglichkeit gemeinsamen Handelns durch Formen der virtuellen, imaginären und körperlichen Übernahme von Gesten und Posen anderer. Diesem Beharren, sich – trotz diverser zeitlicher, räumlicher, sozialer und politischer Zerstreuung, Fragmentierung und Störung – für eine gemeinsame Sache einzusetzen, liegt ein körperbasiertes Verständnis von Widerstandsfähigkeit zugrunde. Pelmuş erläutert diese Idee im Dialog mit Prof. Sandra Noeth und diskutiert dabei eine verkörperlichte Form des Handelns, die nicht direkt gegen etwas gerichtet ist, Widerstand leistet oder protestiert, sondern vielmehr auf einem kollektiven, körperlichen Lernprozess beruht.

Der Künstler und Choreograf Manuel Pelmuş lebt und arbeitet in Oslo und Bukarest. Unter Verwendung von Elementen aus Tanz und Bewegung legt er in seinen Arbeiten die Strukturen der Kunstwelt – Sammlungen, Museen und deren Rolle bei der Festschreibung von Erinnerung und Identität – offen. Pelmuş arbeitet meist ortsspezifisch und bezieht seine „ongoing movements“, wie er sie nennt, auf die Umstände und die Geschichte des Raumes und der Stadt, in der sie gerade gezeigt werden. Der als klassischer Tänzer ausgebildete Künstler und Choreograf, der mit der rumänischen Nationaloper und der Hamburger Oper tourte, kreiert für die Aufführung seiner Live-Arbeiten komplexe Environments und kombiniert dafür Elemente aus Tanz, Dramaturgie und der bildenden Kunst.

Sandra Noeth ist Professorin am HZT–Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin und arbeitet international als Kuratorin und Dramaturgin in freien und institutionellen Kontexten. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit ethischen und politischen Perspektiven auf Körperpraxis und -theorie sowie Dramaturgie in den körperbasierten Performancekünsten. Als Leiterin der Dramaturgie- und Forschungsabteilung am Tanzquartier Wien (2009-2014) entwickelte sie eine Reihe von Recherche- und Veranstaltungsprojekten zu Konzepten und Praktiken von Verantwortung, Religion, Integrität und Protest im Verbindung mit Körpern. Noeth ist zudem Senior Lecturer an der DOCH/Stockholm University of the Artsund war 2015-16 Gastprofessorin bei ashkal alwan, Beirut.

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Office for Contemporary Art Norway.

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