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Animation: Skizzomat/Marie Emmermann

HOWL
nach Allen Ginsberg

Schauspiel

Großes Haus
Uraufführung am 21.11.19

1.

Der amerikanische Dichter Allen Ginsberg fotografierte voller Leidenschaft – und so wie bekannte Street Photographer seiner Generation, etwa Lee Friedlander, Garry Winogrand, oder Robert Frank Bilder und Assoziationen ihres für sie sichtbaren Amerikas auf eigene ästhetische Weise sammelten, ist Ginsbergs berühmtes Gedicht Howl voll von einer Masse von Assoziationen, schwer und leicht zu entziffernden privaten und universellen Hinweisen, Momentaufnahmen der Wahrnehmung. Robert Frank veröffentlichte fast zeitgleich zu Howl sein Fotobuch Die Amerikaner und veränderte damit nicht nur den Lauf der Fotografie des 20. Jahrhunderts, sondern ebenso den Blick auf Amerika. Frank schaute, in seinen 1955/1956 aufgenommenen Bildern, unter die Oberfläche des amerikanischen Lebens, porträtierte ein von Rassismus geplagtes Volk, das von seinen Politikern missbilligt wurde und durch eine zunehmende Konsumkultur vollkommen zu erstarren scheint. An den Rändern des amerikanischen Lebens wurde eine neuartige Schönheit sichtbar und Franks intuitiver Stil machte sein Buch zu einem kraftvollen und provokativen Gedicht.

„Und wer keine Gedichte mag, der soll nach Hause gehen und sich im Fernsehen Aufnahmen von Cowboys mit großen Hüten und im Sattel von freundlich-geduldigen Pferden anschauen.“ Jack Kerouac

2.

Das kleine Büchlein Howl and other Poems wurde 1956 als erste Publikation des jungen Dichters Allen Ginsberg in der Reihe City Lights Books Pocket Poets Series in San Francisco veröffentlicht und sofort einem Gerichtsprozess wegen des Verdachts auf Obszönität unterzogen, der mit einer historischen Bestätigung der individuellen Freiheit der Kunst und des kreativen Ausdrucks geklärt wurde. Seitdem ist das Gedicht Howl die Speerspitze poetischer Freizügigkeit, ein Angriff auf jede Form von Konformität, eine heilige Reliquie des Freiheitsdranges und Außenseitertums, kurzum: das Gedicht, das die amerikanische Gesellschaft tiefgreifend verändert hat und ihre Peripherie in den Mittelpunkt der Betrachtung rückte. Was sonst sollte man von Literatur verlangen? „Howl beruft sich auf die geheime oder hermetische Tradition, derzufolge Kunst ein Scheitern im weltlichen Leben rechtfertigt oder dafür entschädigt. Mit der Veröffentlichung hatte ich es darauf angelegt, eine emotionale Zeitbombe zu hinterlassen, die immer im Bewusstsein der Vereinigten Staaten explodieren sollte, falls der militärisch-industrielle nationalistische Komplex sich zu einem repressiven Polizeistaat entwickeln sollte“, so Ginsberg.

„Die Straße des Wahnsinns treibt die Menschen voran, die Straße des Wahnsinns, einsam führt sie um die Biegung ins Offene...“ Jack Kerouac

3.

GATE GATE PARAGATE PARASAMGATE BODHI SVAHA

Musik spielte im Leben und Werk Allen Ginsbergs eine große Rolle, er arbeitete u.a. mit Bob Dylan und The Clash, er inspirierte Patty Smith zu einigen Songs, doch meist spielte er auf einem kleinen Harmonium und sang dazu. In seiner zweiten Lebenshälfte wurde Ginsberg überzeugter Buddhist. 1979 gab er im Münchener Loft ein Konzert und beendete den Abend mit einer Harmonium Version des Herz-Sutras. Dieses Mantra ist der Kern einer konzentrierten Unterweisung; wer es hingebungsvoll viele Male rezitiert, soll die Essenz der Lehre von der Leere verinnerlichen und darin bestärkt werden, sich immer tiefer und tiefer in die innere Leere und Stille sinken zu lassen. Nach seinem Tod in New York am 5. April 1997 verbrachte Ginsberg drei weitere Tage auf der Erde als Seele und Geist und wurde dann, mit diesem Mantra, in die Unendlichkeit des Kosmos entlassen. Er war neugierig, wie der Tod wohl aussieht … Und er sieht wie das Leben aus – wie sonst? – denn Ginsberg wusste was die Sutras sagen.

Was hat das alles miteinander zu tun?

Wir werden sehen...

Besetzung
Mit: Hassan Akkouch, Hendrik Arnst, Thorbjörn Björnsson, Paul Brody, Jan Czajkowski, Jill Emerson, Marie Goyette, Silvia Rieger, Sarah Maria Sander, Sir Henry, Theo Trebs, Yuka Yanagihara

Regie: David Marton
Bühne: Christian Friedländer
Kostüme: Tabea Braun
Choreografie: Jill Emerson
Licht: Henning Streck
Dramaturgie: Peggy Mädler, Henning Nass

21.11.19, 19:30
* Uraufführung
> ggf. Restkarten Abendkasse

23.11.19, 19:30
> Tickets

08.12.19, 18:00
> Tickets

22.12.19, 18:00
> Tickets

Medien

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Animation: Skizzomat / Marie Emmermann

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