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An Evening with Anh Trieu and Guests:
Birds of a Feather
24.05.

Film
Deutsch, Englisch, Vietnamesisch

Ein Abend mit Hai Anh Trieu, Thuy Trang Nguyen, Hieu Hoang und Pham Minh Duc

1. Thuy Trang Nguyen: Roan (2019, Deutschland, 12 min)

In Roan entfaltet sich die zärtliche Beziehung zwischen einer vietnamesischen Großmutter und ihrer Enkeltochter, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Während sie einen Tag in der Wohnung der Großmutter in Berlin-Reinickendorf verbringen, teilen sie nicht nur kleine Überraschungen des Alltäglichen miteinander, sondern stellen sich auch größere, existenzielle Fragen des Lebens.

2. Hieu Hoang und Pham Minh Duc im Gespräch

3. Hai Anh Trieu: Birds of a Feather (work in progress, Deutschland, Vietnam, ca. 50 min)

Mitte der 80er Jahre zieht Doan Thi Hai Yen im Rahmen eines Arbeitsaustauschprogramms von Saigon, Vietnam nach Sokolov in der Tschechoslowakei, wo sie zur Textiltechnikerin ausgebildet werden soll. Langsam, aber sicher, erkennt sie allerdings, dass es sich dabei um einen Betrug handelt: Die Ausbildung besteht aus Fließbandarbeit in einer Fabrik und der Lohn ist alles andere als existenzsichernd. Frustriert von den Bedingungen verlässt Yen ihren Arbeitsplatz und heiratet. Bald entdeckt sie, dass sie schwanger ist. Sie befürchtet, dass sie in einem Krankenhaus gezwungen würde, zwischen einer unerwünschten Abtreibung und der Abschiebung in das vom Krieg zerstörte Vietnam zu wählen. Also lehnt sie ab und nimmt die Dinge selbst in die Hand. Eines Nachts im Jahr 1991 flieht sie aus der Tschechoslowakei und reist zu Fuß nach München. In Deutschland angekommen, zieht sie von Asylzentrum zu Asylzentrum, von München nach Ulm, nach Hamburg, was ihr schließlich ein zu Hause wird. Während der ganzen Zeit dreht Yen VHS-Heimvideos, die ihr neues Leben mit dem Baby Anh zu dokumentieren, mit dem sie durch Europa zieht. Die Bänder schickt sie an ihre Familie in Vietnam. Fast 30 Jahre später reist Anh mit einer Kamera- und Filmcrew nach Saigon und Hanoi, um ihre Heimkehr zu inszenieren. Und auch, um Bilder von den Menschen zu machen, die ihr ganzes Leben damit verbrachten, Bilder von ihr zu sehen.

Birds of a Feather ist eine Meditation über die Launen diasporischer Zugehörigkeit im Zeitalter transnationaler Migration und reproduzierbarer Medien. Der Film zeichnet den Versuch einer Familie nach, über weite Entfernungen und Zeiträume hinweg eine zusammenhängende Familiengeschichte aufzubauen. Die Arbeit bewegt sich dabei frei zwischen Yens originalen VHS-Aufnahmen und zeitgenössischem Filmmaterial, das mit Schauspieler*innen in Hanoi und Saigon gedreht wurde. Indem sie die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion überschreitet, lehnt sie die Möglichkeit einer authentischen Darstellung eines ethnographischen Subjekts ab. Trieu ermöglicht stattdessen eine stark vermittelte Beziehung zur eigenen Biographie. In einer der aufschlussreichsten Szenen des Films zeigen Yen und Baby Anh ihrer Oma einen warmen, sonnigen Tag im Park und stellen online den deutschen Freund von Baby Anh vor. Nachdem sie sich jedoch vorgestellt hat, bemerkt die kleine deutsche Freundin schnell: "Das ist nicht deine Oma. Es ist eine Kamera!"

Gefördert von der Robert Bosch Stiftung und dem Literarischen Kolloquium Berlin

Hai Anh Trieu, geboren 1991 in München, ist Filmemacherin in Berlin. Im Grünen Salon zeigt sie erstmalig ihren Debüt-Kurzfilm Birds of a Feather (work in progress, 2019). Die studierte Kulturanthropologin arbeitet an der Schnittstelle von Film und Videokunst und befasst sich dabei insbesondere mit sozialer Architektur und der kollektiven Erfahrung des gemeinsamen Betrachtens. Momentan arbeitet sie an der Performance „Everybody Has Their Own Agenda“, die eine Filmvorstellung ins Medium der immersiven Installation überführt und dabei die einzelnen filmischen Elemente Sound, Text und Bild dekonstruiert und physisch erfahrbar macht. Hierfür kollaboriert Trieu mit dem Musikduo Nguyễn + Transitory sowie den Autor*innen und Theatermacher*innen Olivia Wenzel und Tucké Royale.

Thuy Trang Nguyen wurde 1993 in Berlin als Tochter vietnamesischer Eltern geboren. Nach der Highschool gründete sie mit anderen die gemeinnützige Organisation BERLIN ASIAN FILMNETWORK. Bevor sie 2016 die Internationale Filmschule Köln besuchte, verfolgte sie einen theoretischen Ansatz audiovisueller Kunst und studierte Filmtheorie an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitete als Regieassistentin, Toningenieurin und Kamerafrau für fiktive und nicht-fiktive Features. Um das Bewusstsein für die Unter- und Falschdarstellung der asiatischen Diaspora in den deutschen Medien zu schärfen, begann sie als Dialog Coach und Caster / Streetcaster für Schauspieler*innen asiatischer Herkunft zu arbeiten.

Minh Duc Pham (*1991) ist bildender Künstler und Performer. Seine künstlerische Praxis versteht sich als Auseinandersetzung mit Herkunft, Identität und Zugehörigkeit. Mit dem Hintergrund seiner Ausbildung in den Bereichen Musik, Architektur und Bildender Kunst arbeitet er in Hinblick auf einen transdisziplinären Diskurs mit verschiedenen Medien.

Hieu Hoang studierte Literarisches Schreiben, Theater und Philosophie. Arbeitet als freier Autor und Theatermacher und Performer, meist in kollektiven und kollaborativen Zusammenhängen. Er ist Mitglied des Netzwerks cobratheater.cobra und war in den Spielzeiten 2015/16 und 16/17 Teil der künstlerischen Leitung für das Doppelpass-Projekt „Haus der digitalen Jugend“, das Inhalt- und Formreservoir des Internets im Theaterraum ästhetisiert und reflektiert.

Bilder: Filmstills aus Birds of a Feather © Philipp Rühr


Medien

Vergangene Veranstaltungen

An Evening with Kasia Fudakowski and Company: Brexit (TBC)

Brexit – To Be Confirmed.

Was hält die Zukunft in unsicheren Zeiten wie diesen bereit? Welche Beziehung zu Europa können sich die Briten erhoffen? Deal or no deal – wie finden wir einen gemeinsamen Weg?

Am ersten Tag des offiziell angedachten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union, verwandelt die Künstlerin Kasia Fudakowski den Grünen Salon in einen therapeutischen Zirkel, in dem Beschwerden öffentlich gemacht werden, verlorene und abgenutzte Beziehungen genesen und offene Fragen zum Brexit diskutiert werden. Fudakowski and Company kreieren mit britischem Stoizismus ein Rettungsfloß der Versöhnung, um als Schiffbrüchige in die gemeinsame Zukunft fahren und suchen nach einer kreativen Antwort auf das Chaos, welches das Referendum in 2016 flutwellenartig hervorgebracht hat. Nach dem Treffen der Selbsthilfegruppe wird gesungen und auf die Sorgen getrunken. Für den Abend arbeitet Kasia Fudakowski mit Will Evans und Bernd Grether zusammen.

Kasia Fudakowski, geboren 1985 in London, ist bildende Künstlerin. Sie studierte an der Ruskin School of Drawing and Fine Art der Universität Oxford, bevor sie 2006 nach Berlin zog. Sie arbeitet in den Medien Skulptur, Text, Video und Performance und beschäftigt sich häufig mit Humor, Peinlichkeit und Ironie. Ihre jüngste Arbeit umfasst ein Science-Fiction-Filmprojekt, in dem Wörter als begrenzte Umweltressource vorgestellt werden (Word Count, 2016) und eine Ausstellung, die in zwei Hälften geteilt, jeden Zuschauer anhand seiner ersten Antwort und als Reaktion auf das Unbekannte in ein anderes Szenario führt, auch um die unsicheren Folgen des Brexit-Referendums darzustellen (Double Standards, 2017, ChertLüdde Galerie Berlin). Kasia Fudakowski zeigt ihre Arbeiten weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem in der Kunsthalle Baden Baden, in der Lodos Gallery, Mexico City und im Kunstmuseum St. Gallen.

Will Evans, geboren 1979, ist Schriftsteller aus England. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Bernd Grether, geboren 1980, ist ein deutscher Grafikdesigner. Er lebt und arbeitet in Berlin.​

Foto: Kasia Fudakowski

An Evening with Cally Spooner and Jesper List Thomsen

Die Künstlerin Cally Spooner und der Künstler und Autor Jesper List Thomsen stellen je einen Text vor, der sich mit dem Körper im aktuellen sozio-politischen Klima beschäftigt. Blackbirds von List Thomsen thematisiert die Beziehung von Körper, Bild und Sprache während Spooner Formen von Stillstand untersucht, die sich in der menschlichen Psyche, in gentrifizierten Städten, im Datenkapitalismus und in Muskelstagnationen manifestieren.

Jesper List Thomsens Gemälde xy9d8gv zeigt eine neun Meter lange Linie, ein Motiv, das er wahllos und immer wieder zeichnet. Die Länge ist die des durchschnittlichen Verdauungstraktes des Menschen, vom Mund bis zum After. Dieses erste bedeutende Merkmal, das sich auf dem menschlichen Embryo bildet, manifestiert sich umgekehrt zu der Funktion, der es später dient. xy9d8gv ist 80x140 cm groß und besteht aus Holz, grundiertem Canvas, Marker-Pen, Emaille, PVC und Acrylfarbe.

Ein Vortrag in zwei Teilen mit Malerei wurde ursprünglich auf der griechischen Insel Nisyros als Teil von Making Oddkin aufgeführt, kuratiert von Nadja Argyropoulou.

Cally Spooner ist Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Athen.

Jesper List Thomsen ist Künstler und Schriftsteller und lebt in Athen und London.

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