VOLKSBÜHNE
Berlin
Was Ihr wollt! Die Neuen Auftraggeber:
Streitkultur. Mediation und Konflikttransformation in Krisengebieten
07.05.

Diskurs
In deutscher Sprache

Diskussionsrunde mit:

Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim Gießmann, Executive Director der Berghof Foundation

Dr. Nicole Rieber, Projektmanagerin im Bereich Digitale Friedenspädagogik bei der Berghof Foundation

Prof. Dr. Angela Mickley emer., Konfliktbearbeitung, Friedenserziehung und Ökologie im Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften der FH Potsdam, Leiterin der Weiterbildung Mediation an der FHP in Kooperation mit Konflikthaus e.V., Forschung/Entwicklung zu Krisenintervention mit Sozialfokus, Vergangenheitsbearbeitung, Versöhnung. Co-Sprecherin der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung

Mechthild von Schwerin, Mediatorin, Landschaftsplanerin, Künstlerin

Moderation: Alexander Koch, Direktor der Gesellschaft der Neuen Auftraggeber

Konflikte sind gut. So lange es noch Raum für Dialog gibt. Sie erzeugen soziale Dynamik im privaten und im öffentlichen Leben. Jede Demokratie ist eine konstruktive Kultivierung des Konflikts. Manche Konflikte aber sind so kompliziert, festgefahren oder auch gefährlich, dass die Konfliktparteien keinen Ausweg sehen. Seit Jahrhunderten müssen Mediatorinnen und Mediatoren dann als neutrale Vermittler zwischen die Fronten treten und Ausgleich zwischen den konträren Interessen und Bedürfnissen suchen.

Der Bedarf scheint zu wachsen: Heute sind von der Ehekrise bis zum Bürgerkrieg Scharen von Mediatoren in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft engagiert, um so gut wie möglich Frieden zu stiften. Aber wie machen sie das eigentlich? Das Metier ist diskret und komplex. Es lebt von Empathie, psychologischer Einsicht und taktischem Gespür. Mediation braucht auch professionelle Werkzeuge. Und vor allem Vertrauen. Darum geht es im Kern: Wie entsteht Vertrauen?

Und was passiert, wenn sich Konflikte nicht „lösen“ lassen? Was ist, wenn nur Umwege zum Ziel führen? Wenn das Ziel gar keiner kennen kann? Wenn eine schnelle Lösung nur ein neues Problem wäre? Oft ist die Kunst der Mediation, das Unbekannte zu finden, nicht selten in einem offenen und vielleicht riskanten Prozess, den niemand abzusehen vermag.

Darum soll es an diesem Abend gehen: Um die Herausforderungen und das Potenzial von heißen und kalten, kriegerischen, krisenhaften und alltäglichen Konflikten, die Wirklichkeit der Beteiligten zu transformieren. Die Vorstellung eines Gemeinsamen zu erweitern. Ein neues Imaginäres zu finden, das gerade in Konfliktsituationen oft ungreifbar scheint und das man erst entdecken muss.

Das rückt, könnte man sagen, Konflikttransformation in die Nähe einer Kunst. Wenn es darum geht, sich das Undenkbare auszumalen, neue Sprachen für alte Probleme zu finden, den Brüchen zwischen Menschen und Welten ihre angemessene Form und Legitimität zu geben, dann sind die Methoden der Kunst nicht weit. Kunst als Konflikttransformation in Krisen und sogar in Krisenregionen – lässt sich das denken?

Bild: Neue Auftraggeber, Martino Gamper, Nichelino Base Alpha, 2010-2013, Turin, Italy, ©Les Nouveaux Commanditaires-13

Was Ihr wollt! Die Kunst der Neuen Auftraggeber
1992 hat in Frankreich die Initiative Nouveaux Commanditaires (dt.: Neue Auftraggeber) damit begonnen, die Art und Weise, in der zeitgenössische Kunst entsteht, um einen neuen Ansatz zu erweitern. Bürgerinnen werden von Mediatoren darin unterstützt, bei international renommierten Künstlerinnen ein eigenständiges Werk für ihr unmittelbares Lebensumfeld in Auftrag zu geben. Jedermann kann so zum Auftraggeber bedeutender Kunstwerke werden – das ist das Credo der Neuen Auftraggeber. Weit über dreihundert, oft mehrjährige Produktionen wurden bisher in Frankreich in Auftrag gegeben. Bildende Kunst, Architektur, Musik, Theater – alle Sparten sind vertreten. Die Finanzierung erfolgte hierbei meist über private und öffentliche Förderer. In Deutschland stecken die Neuen Auftraggeber noch in den Kinderschuhen. Gerade in strukturschwachen und ländlichen Regionen gibt es zahlreiche interessierte Bürgerinnen, die an einem kommunalen Prozess mitwirken würden, der ihnen eine Stimme verleiht. Durch die Projekte werden sie in die Lage versetzt, auf Herausforderungen in ihrer Gemeinschaft mit den Mitteln zeitgenössischer Kunst zu reagieren.

Auftraggeber kann jeder Bürger sein. In der Regel finden dabei Menschen zusammen, die in ihrer Kommune oder Nachbarschaft für ein dringendes, öffentlich relevantes Anliegen oder ein Thema eintreten wollen. Mediatorinnen beraten und unterstützen die Auftraggeber bei der Suche nach einem für das jeweilige Projekt geeigneten Künstler, der einen Vorschlag ausarbeitet. Wenn dieser die Bürgerinnen überzeugt, werden aus regionalen und überregionalen Quellen die notwendigen Finanzmittel für die Umsetzung akquiriert. Dabei kooperieren die Mediatoren mit kulturellen Einrichtungen in der Region. Ein umfassendes und dauerhaftes bürgerliches Engagement ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg dieser lokalen Beteiligungsprojekte.

Die Veranstaltungsreihe stellt Projekte der Neuen Auftraggeber vor und diskutiert mit Gästen über die unterschätzte Kompetenz der Zivilgesellschaft, ihre kulturellen Belange selbst in die Hand zu nehmen. Zur Debatte stehen neue Formen der sozialen Kooperation und Konfliktlösung, und die Vision eines Gemeinwesens, das sich selbst eine Stimme gibt, um Produzent statt nur Konsument des eigenen Lebens zu sein.

Gefördert durch die

Mit freundlicher Unterstützung von



Vergangene Veranstaltungen

Was ihr wollt! Die Neuen Auftraggeber: Entscheiden im Bürgerauftrag. Ist das noch demokratisch?

Mit Dr. Mark Terkessidis (freier Autor und Migrationsforscher), Prof. Dr. Wolfgang Merkel (Direktor der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, Berlin), Dr. Juliane Stückrad (Büro für Angewandte Kulturforschung, Eisenach / Lehrstuhl für Volkskunde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Alexander Koch (Direktor der Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, Berlin)
Moderation: Simone Miller (Kulturredakteurin beim Deutschlandfunk Kultur)

Politik und Verwaltung handeln im Auftrag der Bürger*innen. Zweifel daran kann sich eine repräsentativen Demokratie nicht erlauben. Doch immer öfter leidet das Vertrauen darauf, dass die öffentlichen Repräsentanten diesen Auftrag auch hören. Die Undurchschaubarkeit globaler Entwicklungen und die Sachzwänge einer von Effizienzdenken getriebenen Politik entfremden das Wahlvolk von den demokratischen Institutionen. Die zunehmende Verrohung der politischen Diskussion zeitigt Risse in den politischen Strukturen. Wer heute sagt, er handle im Bürgerauftrag, betritt ein ungesichertes Gelände. Er muss sich, das weiß jeder Landrat, erst einmal beweisen, bevor man ihm vertraut.

Daraus erwächst in Dörfern und Quartieren zunehmend der Wunsch, sich einfach selbst zu vertreten. Es entstehen Phantasien einer direkteren Politik – die konkrete Interessen handfest umsetzen soll. Zwar trifft das nicht nur auf die bunt gemischte Dorfgemeinde zu, die ihr Theaterfest organisiert. Jeder Populist reklamiert den Volkswillen für sich, um die demokratische Debatte zu untergraben. Vielleicht liegt aber dennoch mehr Chance als Risiko darin, demokratische Prozesse lokal neu zu verhandeln und eine Sprache zu entwickeln, in der man politische Teilhabe wieder zu seiner eigenen Sache macht.

Denn trotz aller Unsicherheit bestreitet niemand, dass die Demokratie das Vertrauen zurückgewinnen muss, Gesellschaft aktiver und spontaner als bislang gestalten zu können. Entscheiden im Bürgerauftrag: Wird das künftig immer öfter bedeuten, dass Bürger*innen ihre Kompetenz anmelden, ihre Bedürfnisse klarmachen, fordern, was es braucht und dabei öffentlich Verantwortung übernehmen anstatt (nur) wählen zu gehen? Kommt es zu neuen Formen der Handreichung zwischen lokalen Begehren und politischer Repräsentation?

Foto: Yona Friedman, Musée des Graffitis, 2006-2009, Paris, France, ©Les Nouveaux Commanditaires

Was Ihr wollt! Die Kunst der Neuen Auftraggeber
1992 hat in Frankreich die Initiative Nouveaux Commanditaires (dt.: Neue Auftraggeber) damit begonnen, die Art und Weise, in der zeitgenössische Kunst entsteht, um einen neuen Ansatz zu erweitern. Bürgerinnen werden von Mediatoren darin unterstützt, bei international renommierten Künstlerinnen ein eigenständiges Werk für ihr unmittelbares Lebensumfeld in Auftrag zu geben. Jedermann kann so zum Auftraggeber bedeutender Kunstwerke werden – das ist das Credo der Neuen Auftraggeber. Weit über dreihundert, oft mehrjährige Produktionen wurden bisher in Frankreich in Auftrag gegeben. Bildende Kunst, Architektur, Musik, Theater – alle Sparten sind vertreten. Die Finanzierung erfolgte hierbei meist über private und öffentliche Förderer. In Deutschland stecken die Neuen Auftraggeber noch in den Kinderschuhen. Gerade in strukturschwachen und ländlichen Regionen gibt es zahlreiche interessierte Bürgerinnen, die an einem kommunalen Prozess mitwirken würden, der ihnen eine Stimme verleiht. Durch die Projekte werden sie in die Lage versetzt, auf Herausforderungen in ihrer Gemeinschaft mit den Mitteln zeitgenössischer Kunst zu reagieren.

Auftraggeber kann jeder Bürger sein. In der Regel finden dabei Menschen zusammen, die in ihrer Kommune oder Nachbarschaft für ein dringendes, öffentlich relevantes Anliegen oder ein Thema eintreten wollen. Mediatorinnen beraten und unterstützen die Auftraggeber bei der Suche nach einem für das jeweilige Projekt geeigneten Künstler, der einen Vorschlag ausarbeitet. Wenn dieser die Bürgerinnen überzeugt, werden aus regionalen und überregionalen Quellen die notwendigen Finanzmittel für die Umsetzung akquiriert. Dabei kooperieren die Mediatoren mit kulturellen Einrichtungen in der Region. Ein umfassendes und dauerhaftes bürgerliches Engagement ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg dieser lokalen Beteiligungsprojekte.

Die Veranstaltungsreihe stellt Projekte der Neuen Auftraggeber vor und diskutiert mit Gästen über die unterschätzte Kompetenz der Zivilgesellschaft, ihre kulturellen Belange selbst in die Hand zu nehmen. Zur Debatte stehen neue Formen der sozialen Kooperation und Konfliktlösung, und die Vision eines Gemeinwesens, das sich selbst eine Stimme gibt, um Produzent statt nur Konsument des eigenen Lebens zu sein.

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Was Ihr wollt! Die Kunst der Neuen Auftraggeber: Wenn Bürger*innen zu Auftraggeber*innen werden

Mit Susanne Burmester, Denis Bury, Holger Friese, Gerrit Gohlke, Kathrin Jentjens, Alexander Koch und Lena Ziese
Moderiert von Antje Stahl

Sie bauen Schulen und Parks, gedenken Kriegsopfer oder verstorbener Freunde, kämpfen um Menschenrechte und öffentliche Wahrnehmung, gestalten Dörfer und verändern Städte: Wenn Bürgerinnen und Bürger als Auftraggeber künstlerischer Projekte ihre lokalen Belange in die eigene Hand nehmen, entsteht ein neues Stück Gesellschaft und Zusammenleben. Rund 500 Projekte haben Bürgergruppen in Europa bereits in Auftrag gegeben. Wir erzählen, was sie dabei bewegt hat, welche Themen den Menschen auf den Nägeln brennen, und wie es Künstlerinnen und Künstlern gelingt, auf die Herausforderungen vor Ort zu antworten. Wie funktionieren die Projekte? Wie wird man zur Auftraggeberin? Wer bezahlt das? Und wie schafft es die Kunst, sich mitten im Leben als ein Beitrag zum demokratischen Zusammenhalt zu behaupten?

An diesem ersten von sechs Abenden in der Veranstaltungsreihe „Was ihr wollt!“ im Grünen Salon berichten Mediatorinnen und Mediatoren der Neuen Auftraggeber über Bürgerprojekte mit internationalen Künstlerinnen:

Ein silbernes Monster mobilisiert eine ganze Stadt und wird zu ihrem neuen Wahrzeichen. Zwei Lehrerinnen geben eine neue Schule in Auftrag, die ihresgleichen sucht und heute Modellcharakter hat. Eine Gemeinschaft von Bauern verwandelt grundlegend ihr marodes Dorf und damit das eigene Selbstverständnis. Eine Pygmäengemeinschaft im Regenwald baut sich selbst ein Kulturzentrum und einen botanischen Garten. Eine leere Innenstadt füllt sich mit neuem Leben. Und drei Krankenschwestern beschließen, dass ihre Station einen Andachtsraum für Gläubige aller Religionen benötigt. Es sind Projekte wie diese, die die Phantasie von Bürgerinnen und Künstlern immer wieder beflügeln, auch die ungewöhnlichsten Herausforderungen anzugehen und der Kunst zu vertrauen, dass sie etwas schafft, das für viele Menschen von Bedeutung ist.

Foto: Die Neuen Auftraggeber von Tours: Xavier Veilhan, Le Monstre, 2004

Was Ihr wollt! Die Kunst der Neuen Auftraggeber
1992 hat in Frankreich die Initiative Nouveaux Commanditaires (dt.: Neue Auftraggeber) damit begonnen, die Art und Weise, in der zeitgenössische Kunst entsteht, um einen neuen Ansatz zu erweitern. Bürgerinnen werden von Mediatoren darin unterstützt, bei international renommierten Künstlerinnen ein eigenständiges Werk für ihr unmittelbares Lebensumfeld in Auftrag zu geben. Jedermann kann so zum Auftraggeber bedeutender Kunstwerke werden – das ist das Credo der Neuen Auftraggeber. Weit über dreihundert, oft mehrjährige Produktionen wurden bisher in Frankreich in Auftrag gegeben. Bildende Kunst, Architektur, Musik, Theater – alle Sparten sind vertreten. Die Finanzierung erfolgte hierbei meist über private und öffentliche Förderer. In Deutschland stecken die Neuen Auftraggeber noch in den Kinderschuhen. Gerade in strukturschwachen und ländlichen Regionen gibt es zahlreiche interessierte Bürgerinnen, die an einem kommunalen Prozess mitwirken würden, der ihnen eine Stimme verleiht. Durch die Projekte werden sie in die Lage versetzt, auf Herausforderungen in ihrer Gemeinschaft mit den Mitteln zeitgenössischer Kunst zu reagieren.

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Die Veranstaltungsreihe stellt Projekte der Neuen Auftraggeber vor und diskutiert mit Gästen über die unterschätzte Kompetenz der Zivilgesellschaft, ihre kulturellen Belange selbst in die Hand zu nehmen. Zur Debatte stehen neue Formen der sozialen Kooperation und Konfliktlösung, und die Vision eines Gemeinwesens, das sich selbst eine Stimme gibt, um Produzent statt nur Konsument des eigenen Lebens zu sein.

Die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber wird gefördert durch
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Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
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