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WISSEN DER KÜNSTE:
Prekäre Substanzen in Film und Literatur
16.04.
Grüner Salon

Diskurs
In deutscher Sprache

Öl, Plastik, Metall oder Präparate der Pharmaindustrie durchdringen, infizieren, besetzen und haften an unseren Körpern und gestalten so unsere materielle Welt. Dabei kommt den global zirkulierenden Substanzen eine unsichere, gefährliche und prekäre Position zu. Einerseits sind es Objekte, die wir jeden Tag nutzen, einnehmen und verbrauchen, andererseits entzieht sich ihre Verbreitung im Zuge der Globalisierung scheinbar jedweder Kontrolle, mit unvorhersehbaren Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt. Es scheint so als ob nicht wir die Dinge besitzen würden, sondern sie besitzen zunehmend uns. Durch dieses Spiel aus An- und Abwesenheit sowie Kontrolle und Kontrollverlust entwickeln die Stoffe, Substanzen und Dinge der materiellen Welt eine imaginative und narrative Energie, die sich in literarischen und filmischen Fiktionen über und mit Stoffen niederschlägt. Von Sergej Tretjakows Essay Biographie des Dings (1929), in dem er reisende Dinge in das Zentrum seiner literarischen Methode stellt, und Primo Levis Untersuchungen chemischer Elemente in Das periodische System (1975) über John Smiths Film Slow Glass (1988-91), der sich der Wirkung seines titelgebenden Gegenstandes hingibt, bis zu den Drogen, Bioadaptern und Elixieren gegenwärtiger Science-Fiction(s) finden sich unzählige Erzählungen, in denen prekäre Stoffe im Zentrum stehen. Welche Geschichten schreiben Stoffe in Film und Literatur? Wie bedingen sich reale Substanzen und die Stoffe in Literatur und Film gegenseitig und was sind ihre politischen Implikationen?

Entlang gewöhnlicher (Glas), seltener (Blei) sowie seltsamer Stoffe der Science-Fiction werden Petra Löffler, Felix Laubscher und Georg Dickmann kulturtheoretische, ästhetische und philosophische Einblicke zu prekärer Materialität in Film und Literatur vorstellen und anschließend mit dem Publikum diskutieren.

Petra Löffler vertritt seit Oktober 2017 die Professur von Wolfgang Schäffner für Wissens- und Kulturgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Materiellen Kultur, der Bildmigration und Archivpraktiken sowie der Medienökologie.

Felix Laubscher ist Kulturwissenschaftler und promoviert im Rahmen des Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“ mit einem Projekt zum filmischen Denken im Spannungsfeld von Kunst und Kino. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitet er als Filmschaffender und freier Kurator in Berlin.

Georg Dickmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am DfG-Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“ und promoviert dort mit einer Arbeit zu prekären Substanzen in Philosophie und zeitgenössischer Science Fiction. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitet er als freier Journalist und ist seit März 2017 bei „diffrakt. Zentrum für theoretische Peripherie“ als Theoriekurator tätig.

www.udk-berlin.de/graduiertenkolleg

Das DFG-Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“ ist eine Forschungseinrichtung an der Universität der Künste Berlin. Hier arbeiten Doktorand*innen, Postdoktoktorand*innen und Lehrende verschiedener kunst- und kulturwissenschaftlicher Fächer zusammen.

Ausgangspunkt der Arbeit ist die These, dass in den Künsten nicht nur Wissensformen aus kulturellen, sozialen, politischen oder ökonomischen Feldern dargestellt, legitimiert und verbreitet werden, sondern dass diese Felder auch eigenständige Wissensformen hervorbringen, gestalten und vermitteln. In Zeiten des allgemeinen Kreativimperativs und der ‚Wissensgesellschaft‘ scheint die kritische und widerständige Rolle der Künste dabei besonders herausgefordert. Das Kolleg interessiert sich deshalb für die Formen und Bedingungen künstlerischen Wissens, insbesondere für die Handlungsmacht von Material und Objekten, für die medialen Rahmungen und für die politische Performanz sowie die Rolle von Übungs- und Vermittlungsprozessen.

Im Grünen Salon präsentiert das Kolleg Lectures, Panels, Workshops u.a. außerhalb des universitären Kontextes. Die Diskursreihe WISSEN DER KÜNSTE möchte im Austausch mit einem breiten Publikum interdisziplinäre Fragestellungen gemeinsam neu denken.

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