VOLKSBÜHNE
Berlin
Thorsten Becker: ME FIRST
Szenische Lesung mit Carmen-Maja und Jennipher Antoni
26.04.
Roter Salon

Literatur
In deutscher Sprache

Thorsten Becker hat sich einen schrägen Beitrag zur #MeToo-Debatte einfallen lassen. Ja, man kann sagen, dass sein Mutter-Tochter-Stück ME FIRST das, was zu einer Denunziationskampagne ausgeartet ist, überhaupt erst in den Stand einer Debatte erhebt.

Das gelingt, indem er das überstrapazierte Täter-Opfer-Schema dem Gelächter preisgibt.

Sind wir in eine neue Epoche des Geschlechterkriegs eingetreten? Ist die Menschheit auf dem Wege, der Natur, die uns, ohne uns zu fragen, entweder als Frauen oder Männer zur Welt kommen lässt, den Prozess zu machen? Wird Diktatur, mit der die Natur uns zu unablässiger Reproduktion zwingt, endgültig zu brechen? Ist das Ideal des aufgehobenen Geschlechterunterschieds in greifbare Nähe gerückt?

Selma Zimmer, eine junge Schauspielerin, hat sich diesem Ideal und dem Kampf um seine Verwirklichung verschrieben. Sie hat sich der ASIIBUB (Anti-Sexistische Initiative in Bühnengenossenschaft und Bühnenverein) angeschlossen.

Anka Zimmer, ihre Mutter, als Schauspielerin und Persönlichkeit ein unverkennbares Produkt der aufgelösten sozialistischen Gesellschaftsordnung, bietet ihr Angriffsfläche genug.

Jetzt zeigt sich: (der) Protest gegen das Prinzip der Fortpflanzung hat immer bestanden. Im täglichen Leben nimmt er die Gestalt des Generationskonfliktes an. Dieser Konflikt, auch wenn er in der Weltliteratur als Auseinandersetzung zwischen Vätern und Söhnen meist einen tragischen Anstrich erhielt, ist seinem Wesen nach komisch, schon weil wir in der Regel im Laufe unseres Lebens in beiden Rollen auftreten müssen.

Warnung! Der Besuch der Veranstaltung kann zu nachhaltigen Störungen bei den Ad- und Abduktoren in der Lachmuskulatur führen.

Carmen-Maja Antoni vorzustellen heißt, Eulen nach Spree-Athen zu tragen. Seit vielen Jahren ist sie populär durch ihre Theatererfolge und ihre Film- und TV-Auftritte in Serien, Kinofilmen, Fernsehspielen oder Tatorten. Seit 1976 spielt sie Theater am Berliner Ensemble, zuvor in Potsdam und an der Volksbühne, arbeitete mit bedeutenden Regisseuren wie Fritz Marquardt, Benno Besson, Manfred Wekwerth, Heiner Müller, Thomas Langhoff, Claus Peymann, Achim Freyer, George Tabori, Manfred Karge. So war sie die Katharina in Shakespeares Widerspenstigen Zähmung, die Pelega Wlassowa in Gorkis Mutter, die Shen Te in Brechts Sezuan, die Mutter Courage und so weiter, um nur einige ihrer Hauptrollen zu nennen. Seit 2017 ist sie zunehmend im Fernsehen zu sehen. Wer sie besser kennenlernen will, lese ihre Autobiografie Im Leben gibt es keine Proben, in der sie ihr Leben in den Zusammenhang mit der Zeitgeschichte stellt.

Jennipher Antoni studierte zunächst Japanologie und Russistik, bis es sie doch noch zum Beruf ihrer Mutter Carmen-Maja Antoni zog. Sie ließ sich an der Filmhochschule "Konrad Wolf" in Potsdam ausbilden (wo inzwischen ihre Mutter auch unterrichtet), arbeitete parallel bereits für den Film. Es war Frank Beyer, der sie entdeckte. Bis 2008 spielte sie im Ensemble des Hans-Otto-Theaters in Potsdam. Seither ist sie freischaffend tätig und hat inzwischen eine ansehnliche Film- und Theater-Biographie vorzuweisen. Genannt seien hier lediglich die Arbeiten mit den Theater-Regisseuren Peter Zadek, Uwe Eric Laufenberg, Katharina Thalbach, Thomas Langhoff oder Adriana Altaras.

Thorsten Becker, geboren 1958, wurde sehr früh vom Theater affiziert. 1975 stand er in Wedekinds Frühlings Erwachen als Melchior Gabor auf der Bühne des Kölner Schauspielhauses und besuchte nach dem Abitur das Max Reinhardt Seminar in Wien. Er absolvierte ein Studium der Philosophie, Geschichte, Soziologie und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

1983 stieß er am Bochumer Schauspielhaus auf die von Peymann herangeholte Volkbühnen-Clique um Heiner Müller: Manfred Karge, Matthias Langhoff, Fritz Marquardt. Das Erlebnis wurde prägend für den früh gefeierten Romancier, denn zwei seiner erfolgreichsten Titel, Die Bürgschaft (1985) und Schönes Deutschland (1996), spielen im DDR-Theater-Milieu, an der Volksbühne der erste, im Berliner Ensemble der zweite.

Als Dramatiker trat er erst 2006 bei der Einweihung des neu erbauten Hans-Otto-Theaters in Potsdam mit seiner Preußischen Tragödie in gereimten Versen Katte hervor. Jennipher Antoni war in dieser Aufführung die Prinzessin Wilhelmine.

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