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La Souterraine

Vergessene Arbeitskämpfe – Ein Punk-Abend
Die tapferen Kämpfe in der „Unterirdischen“
14.02.

Konzert

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen mit unserer Konzertreihe dem etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Ab Februar wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: Hyäne (Punk, Berlin), Imbiß (Punk, Berlin)
DJ: Schnürmeister Kåks (76-84 Punkrock Vinyl)
Arbeitskampf: Streik der Belegschaft von GM&S, 1990 bis heute, La Souterraine, Frankreich

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Redaktion/Texte Arbeitskämpfe: Anna Tüne
Dramaturgie: Sabine Zielke

Hyäne
Hyäne? Das ist ein 2016 gegründetes Berliner Trio, welches mit wunderbar tristem Post-Punk aufwartet. Schreiende Gitarrensounds, pumpende Basslines und impulsive Drumbeats verleihen dem anklagenden Gesang einen unverschämt brachialen Sound. Ein Vergleich mit frühen Machwerken von Killing Joke lässt sich nicht leugnen, auch wenn Hyäne deutlich mehr Bissigkeit an den Tag legen. Nach einer vielversprechenden 7“ im Jahre 2016 und Touren durch Spanien und die USA haben die drei Berliner nun im August 2018 mit der durchweg überzeugenden 12“ „Demontage und Zerfall“ nachgelegt. So brutal ehrlich und gleichzeitig melancholisch düster haben sich die Berliner Nächte schon lange nicht mehr präsentiert.
Mehr Infos auf: https://hyaene.bandcamp.com/

Imbiß
Dreifach geballter Powerpop-Punk aus Neukölln: Das sind Imbiß, welche nur darauf warten, euch ein wildes Potpourri ihrer musikalischen Gaumenfreuden um die Ohren zu hauen. Von zart bis hart, süß bis sauer oder leicht bis deftig - so oder ganz anders lässt sich ihre erste Platte „eszet“ beschreiben, welche seit Ende 2017 über die Ladentheken geht. Und wie man munkelt wird schon fleißig an der nächsten Scheibe gebastelt. In diesem Sinne, tanzt ihr Schweine, und niemals vergessen: „Pop ist Pop. Funk ist Funk. Imbiß ist Beste. Gott sei Punk.“
Probierhappen: http://tanztihrschweine.de/

Die tapferen Kämpfe in der „Unterirdischen“
Mitten im ländlichen Herzen Frankreichs liegt eine Kleinstadt mit absonderlichem Namen: La Souterraine (Die Unterirdische). Man baute dort in den 70er Jahren eine Autozubehörfabrik auf, die zeitweise bis zu 600 Menschen beschäftigte. Seit 1990, als die Globalisierung einen großen Sprung nach vorn machte, wurde die nun GM&S genannte Fabrik von einigen aufeinanderfolgenden Besitzern nur noch ausgeschlachtet: Die Gewinne flossen immer üppiger ab und es wurden keinerlei Investitionen mehr getätigt. Die Belegschaft streikte einige Male, versuchte darauf aufmerksam zu machen, dass man den Betrieb wohl wissentlich an die Wand fahre.

Dann wurde bekannt, dass man nunmehr die gesamte Fabrik mitsamt der Belegschaft nach Polen transferieren wolle. Die Kollegen gingen sofort in den unbefristeten Streik und blockierten alle Zugänge zum Betrieb und drohten damit, alles in die Luft zu jagen, sobald der erste Umzugs-Transporter auftauchen würde. Zur Illustrierung waren überall die großen üblichen Haushaltsgasflaschen zu sehen, von denen irgendwelche Drahtgeflechte und Buchsen hingen. Diese regelrechte Verzweiflungsaktion wurde ein wichtiger Höhepunkt des schon so lange schwelenden Arbeitskampfes. Die besonderen Bedingungen im großen Wahljahr 2017 - Wahl des Präsidenten und nachfolgend die der Abgeordneten der Nationalversammlung und dies jeweils in zwei Wahlgängen -, haben die Kollegen klug genutzt. Um gutes Wahlwetter bemüht, schickte man nun Unterhändler von Peugeot und Renault, Hauptabnehmer der GM&S-Produkte und immer noch teilweise in Staatsbesitz.

Aber am 12.5.17 gab es immer noch keinerlei entsprechende verbindliche Zusage. Da begann die Belegschaft eine Aktion, die man in anderen Gesellschaftskreisen eine enorme Kunstaktion („Realer Dekonstruktivismus“?) genannt hätte: Im Beisein vieler Medien wurde jeden Tag eine der riesigen Maschinen vor das immer noch blockierte Werktor gerollt. Mit Schneidbrennern, Hämmern und weiteren Werkzeugen, mit Riesenkrach und spektakulären Feuergarben flexte man sie auseinander und vernichtete sie restlos. Verschmitzt gab man viel später zu, natürlich nur bereits ausgemusterte Maschinen benutzt zu haben, um vor Augen zu führen, welche Wertvernichtung seit Jahren politisch gebilligt und gefördert wird. „Ihren“ Maschinen - kostbare Arbeitsinstrumente - haben sie natürlich keine einzige Schraube gekrümmt. Am 13.6.17 blockierten sie im weiteren lokalen und regionalen Umfeld Straßenkreuzungen ebenso wie die Eingänge von Behörden. Belegschaften weiterer Betriebe, aber auch viele sympathisierende Menschen, beteiligten sich an diesen mobilen Sperraktionen.

Aber die Dauer der Auseinandersetzungen hat bereits hohe Tribute gefordert: Die Kollegen geraten außer Atem, Übermüdung und unweigerlich entstandene finanziellen Notlagen haben nach und nach Wut und Entschlossenheit in verbleibende verbissene Resignation gewandelt. Manche gaben auf. Jetzt sind nur noch 140 Kollegen im Betrieb tätig. Viele sind entlassen, vor allem auch jene, die zu den Aktivsten unter ihnen zählten. Was werden wird, weiß keiner. Die seit einigen Wochen in ganz Frankreich flächendeckend aufgetretenen Proteste der sogenannten „Gelben Westen“ geben auch den GM&S-Kollegen wieder neue Kraft.

Ihnen allen, ihren Frauen und ihren Kindern, der ganzen kleinen „unterirdischen“ Stadt gelten unsere Solidarität und unser Mitgefühl.

Anna Tüne


Medien

Vergangene Veranstaltungen

Vergessene Arbeitskämpfe – ein Punk-Abend

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen dem mit unserer Konzertreihe etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Seit Februar 2019 wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: Dachlawine und Eat Lipstick
Arbeitskampf: Hurenstreik, Lyon 1975

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Dramaturgie: Sabine Zielke

Eat Lipstick

Die berühmt berüchtigten Punk-Rocker von EAT LIPSTICK vereinen den urbanen Spirit der Los Angeles Music Szene und den Charme des Berliner Untergrundes.

ANITA DRINK ist die Königin des Glam, gesegnet mit einer Stimme, die Lebendige verzückt und Tote aus dem Jenseits erweckt. Gemeinsam mit dem Gitarrenvirtuosen THE SHREDDER, der Groupies gleichermaßen verängstigt wie beeindruckt, formte sie diese Band – ein Phänomen, von dem sich nach einer ihrer fulminanten live Shows erst einmal alle Beteiligten von diesem Tornado aus Glitzer und Rock erholen müssen.

High Heels, Perücken, eine charismatisch schillernde Show und Musik, die wortwörtlich mit Herzblut geschrieben ist, beschreiben EAT LIPSTICK nicht mal annähernd.

https://www.youtube.com/channel/UCTy0ukq3lOTpWXtR0PG1xIQ
https://www.facebook.com/eatlipstickrocks/
http://eatlipstick.com/home/
https://eatlipstick.bandcamp.com/




Dachlawine

Randale ist immer gut! Der melodische "Naturkatastrophenpunk aus Potsdamned" serviert ein solidarisches Mit- und Füreinander gegen schlechte Gedanken, packen dich unterm Arm und nehmen dich mit.
Im Uffta-Rhythmus und einem supermelodischen Leadgitarrenspiel werden Krallen ausgefahren und widerspenstige Inhalte transportiert. Der Himmel ist kalt und grau, und du bist es auch. Bei all der Scheiße und den unmenschlichen Missständen bleibt dir das Lachen im Halse stecken. Ob Sexismus, Rassismus, Patriarchat oder Homophobie. Punk als eine Art Zusatz, ein ideologischer Ausgangspunkt, offensiv und mit viel grrr vorgetragen. Inklusion statt Exklusivität. Wann hört der Wahnsinn endlich auf? Während du noch übers Wetter redest, reißen DACHLAWINE Mauern ein... auch dir in deinem Kopf. Rabatz, Ratz und Rübe-Modus und Randale. Das sind die allerbesten Zutaten für autonome Tanzmusik in Reinkultur.

Lyon, Frankreich 1975:
„Der Staat ist der größte Zuhälter!“

Text von Maximilian Riethmüller

Frankreichs Prostitution der 50er Jahre geriet zunehmend zum Gewerbe von ausbeutender Zuhälterei und Menschenhandel. Die florierende Billigprostitution schuf Zustände, die an erschöpfende Fließbandabfertigung erinnerte. Um dieser Situation ein Ende zu bereiten, unterschrieb Frankreich 1960 die „UN-Konvention zur Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer“. Es sollte helfen, die Ausbeutung von Frauen mit Hilfe staatlicher Kontrollen in den Griff zu bekommen. Geholfen hat es reichlich wenig. Denn lediglich das gewerbliche Betreiben von Bordellen wurde kriminalisiert; die Prostitution an sich blieb legal. So verlagerte sich „die käufliche Liebe“ von den Häusern auf die Straße und die Prostituierten waren nun ganz der Willkür der Freier ausgesetzt.

Französische Prostituierte der 70er Jahre (von den männlichen Kollegen ganz zu schweigen) befanden sich nun in einer üblen Situation. Einerseits waren sie das Aushängeschild der sittlichen Verkommenheit und hatten mit Anfeindungen aus Bevölkerung und Politik zu kämpfen. Andererseits wurden sie wie ein „notwendiges Übel“ betrachtet und auch so behandelt; ausgebeutet und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Vollends unzumutbar sollte die Situation allerdings werden, als sich die französische Sittenpolizei dazu aufschwang, Razzien und Hexenjagden abzuhalten, um die Prostituierten gewaltsam aus der Öffentlichkeit zu vertreiben.

Nach übertriebenen Haftstrafen, überzogener Besteuerung und nicht nachgegangen Mordfällen an zwei Prostituierten, entschlossen sich 60 Frauen am 2. Juni 1975, die Kirche von St. Nizier in Lyon zu besetzen und für ihre Rechte als Sexarbeiterinnen zu streiten.

Unter den Transparenten „Der Staat ist der größte Zuhälter“ und „Unsere Kinder wollen nicht, dass ihre Mütter ins Gefängnis kommen“ versammelten sich Rufe nach Gleichbehandlung und Anerkennung ihres Berufsstandes. Eine Handvoll Sexarbeiterinnen veranstalteten im selben Jahr eine Demonstration in Marseille, ohne nennenswerte Aufmerksamkeit zu erregen. Die Lyoner Kirchenbesetzung aber schlug so hohe Wellen, dass sogar Simone de Beauvoir zu Besuch kam. Der Protest breitete sich aus bis nach Grenoble und Paris und in der Kirche von Lyon verdoppelte sich die Anzahl der Frauen schnell.

Zum ersten Mal wurden diese Frauen nicht nur als professionelle Sünderinnen oder Gescheiterte gesehen, sondern als Menschen mit nachvollziehbaren Bedürfnissen und Ängsten. Die Demonstrantinnen schrieben einen offenen Brief an Präsident Giscard d'Estaing, in dem sie an die universellen Rechte aller Französinnen appellierten. Der rechtsliberale Staatspräsident antwortete nicht. Dafür hatten die Knüppel der französischen Bullen, die nur acht Tage nach Beginn der Besetzung die Frauen brutal aus der Kirche prügelten, eine recht deutliche Sprache.

Lässt sich also fragen: Was wurde gewonnen?

Öffentlichkeit. Eine Öffentlichkeit, die ein anderes Frauenbild bereit war zu verstehen. Die beginnen einzusehen, dass prostituierte Frauen Menschen mit Rechten sind. Mit Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und mit Recht auf Arbeit. Dass sie Mütter, Schwestern, Töchter, Ehefrauen und Partnerinnen sind, die Solidarität im zermürbenden Kapitalismus verdienen.

Der 2. Juni 1975 gilt als Geburtsstunde der europäischen Hurenbewegung und ist heute das Datum des Internationalen Hurentages.

Vergessene Arbeitskämpfe – ein Punk-Abend Mit: Die Bullen, Lost Culture & Hans-Beimler-Chor

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen dem mit unserer Konzertreihe etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Seit Februar 2019 wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: Die Bullen, Lost Culture & Hans-Beimler-Chor
Arbeitskampf: La Canadiense (Katalonien, 1919)

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Dramaturgie: Sabine Zielke

Die Bullen

„Konformismus ist Muss! Bewegt den Arsch im Rhythmus!“

Dies ist ein Aufruf zur Party! Und Die Bullen sind die Band. Songs als Eigenlob der Polizei. Punk, Elektro, Hardcore, Rap, Schmuseballaden, Hardrock und alles was sich zum Anbiedern anbietet. Die autoritäre Message gräbt sich wie ein gehorsamer Partywurm in eure Ohren und legt dort dann in euren Gehirnen Eier. Willige Klatscher werden schlüpfen. Die Fans sind paralysiert. Die Bullen bringen euren Protest zum Schweigen und eure Hüften zum Kreisen! Awesome! Zugriff!

„Jemand wird Bulle sein“

Dies ist eine Info! Gegründet 2013 von Dr. Joyboy Law (Gitarre, Synthesizer), Robokock (Schlagzeug), Inspektor Ufo (Bass) und Andy Schlüter (Gesang). Seit der Veröffentlichung ihres ersten Album „Die Bullen komm’ hier komm’ die Bullen“ auf Gunner Records haben sie ca. 130 Konzerte im In- und Ausland gespielt. Im Jahr darauf erschien eine Split-7’’ zusammen mit „Misses next match“ und „Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen“.

„Sicherheit, Sicherheit über alles!“

Dies ist der neue Schweineherbst! Deutschland 2019. Was 2013 als dummer Punkerwitz begann, wurde seitdem zum ätzenden Ernst. Polizeigewalt, Repressionen, Abschiebungen, die neuen Polizeiaufgabengesetze, racial profiling, Korpsgeist, zwielichtige Verfassungsschutzbehörden, rechte Tendenzen und Netzwerke innerhalb der Polizei, Überwachung, Räumungen etc. pp.

„Das geht raus an alle Hater! Polizist ist ein Beruf für Täter!“

Das ist eine Warnung! Die Bullen treten in Polizeiuniform auf und verhalten sich wie Arschlöcher. Die Bullen wollen keine Betroffenen von Polizeigewalt verunglimpfen, sie wollen sich selbst verunglimpfen. Das Auftreten ist z.T. grenzwertig und nicht für jeden Menschen zu empfehlen. Wer kein Blut sehen kann, sollte auch nicht zum Gwar-Konzert gehen. Die Bullen sind nicht Deine Freunde. Die Bullen sind nicht witzig und auch nicht cool oder Deine Buddies. Die Bullen sind Vollstrecker. Die Bullen sind Befehlsbefolger. Die Bullen sind die Gewalt. Die Bullen pull the trigger. Beware of the Cop!

www.gunnerrecords.com
diebullen.bandcamp.com

Lost Culture

Die Band Lost Culture gibt es seit Ende 2012. Gegründet in der Erstbesetzung von Horst (Git), Jojo (Git), Jan (Bass) und Chris (Drums) waren sie zu viert und es entstand das erste Album „Subculture“. In dieser Zeit spielten sie viele Konzerte in und um Berlin. 2014 startete Lost Culture ihre „Apokalypse Tour“ von London über Utrecht, Groningen, über Niedersachsen, Berlin und Erfurt. Die Besetzung am Schlagzeug wechselte im Laufe der Zeit zweimal. Von 2014 bis 2018 massierte Mirco (Trevor) die Trommelfelle. 2016 rundete Karina am Gesang die Bandkonstellation ab. Es kam zu vielen Konzerten in und um den deutschsprachigen Raum. 2018 nahm Schmö die Sticks in die Hand. Seit der Gründung prägt die Band ein progressiver Musikstil zwischen Punkrock, Hardcore, Metal, Ska, gewürzt mit Funk und Blueselementen. In ihren Texten behandeln sie, angefangen bei sozialpolitischen Themen, über die Zerstörung unserer Umwelt durch Gier und Kapitalismus, Ungleichheit der Menschheit (durch Herkunft und Aussehen), Herrschaftssysteme, Faschismus, Patriotismus.

Facebook
https://lostculture78.bandcamp.com/

Hans-Beimler-Chor

Der bunt zusammengesetzte Hans-Beimler-Chor hat sich 1972 in Berlin-Neukölln gegründet. Er setzt sich aktiv mit historischen wie auch aktuellen Themen von sozialer Ausgrenzung und Verdrängung, Ausbeutung, Unterdrückung und Rassismus bis hin zu Ursachen und Folgen von Kriegen auseinander. Gemeinsam werden Ideen entwickelt, wie eine Gesellschaft der Vielfalt und Inklusion, der sozialen und der Geschlechtergerechtigkeit aussehen und erreicht werden kann.

In den mehr als 45 Jahren seines Bestehens hat sich der Hans-Beimler-Chor durch Auftritte bei der Mieter*innen- und Umweltbewegung, bei Gedenktagen für die Opfer des Faschismus und in eigenen, abendfüllenden Konzerten ein sehr vielseitiges Repertoire erarbeitet. Im Zentrum des Singens steht das – 2014 durch die UNESCO als Teil des Immateriellen Kulturerbes anerkannte – Liedgut der Arbeiter*innenbewegung. Seit 2007 leitet Johannes C. Gall, ein ausgewiesener Experte für die Musik Hanns Eislers, den Hans-Beimler-Chor. Durch seine Arbeit können viele, teils selten aufgeführte Stücke neu erlebt werden.

http://hansbeimlerchorberlin.wordpress.com/

La Canadiense
Als in Barcelona das Licht ausging

Was im Februar 1919 als Solidaritätsstreik bei einem Energieunternehmen, genannt "La Canadiense", in Barcelona begann, sollte sich schnell zu einem Generalstreik in ganz Katalonien ausweiten und letztlich zu einem der größten Erfolge der spanischen Arbeiterbewegung werden. Am 5. Februar trat die Buchhaltung des Stromversorgers in einen Streik. Hintergrund war die Entlassung von acht Gewerkschaftern, die gegen Lohnkürzungen protestiert hatten. Das Management reagierte unnachgiebig und ließ die Streikenden von der Polizei räumen. Dieser Konflikt traf auf eine ohnehin unzufriedene Arbeiterschaft, die in den Kriegsjahren bluten musste, während die Unternehmen satte Profite einfuhren. Und er traf auf eine erstarkte CNT, die insbesondere in Barcelona starken Zulauf nach dem Krieg erlebte und zur stärksten gewerkschaftlichen Kraft in Spanien wurde. Kurz zuvor hatte die CNT ihre Struktur von Berufs- auf Branchenverbänden umgestellt, was zudem ein Grund dafür war, dass sich die Solidarität mit den Streikenden von "La Canadiense" schnell ausweitete. Innerhalb weniger Tage breitete sich der Streik auf andere Abteilungen und dann auf die gesamte Branche aus. Andere Industrien solidarisierten sich. Zu Höchstzeiten lagen 70% der katalanischen Wirtschaft lahm. Die Regierung versuchte den Streik mit einem Erlass zu brechen, der alle Streikenden zum Militär einberief – unter Androhung mehrjähriger Haftstrafen. Die Zeitungen, die ebenfalls gewerkschaftlich organisiert waren, verweigerten den Abdruck des Dekrets, die große Mehrheit der Streikenden folgte ihm nicht und mehrere tausend von ihnen wurden festgesetzt. Am 14. März erließ die Regierung den Ausnahmezustand, um eine Ausweitung des Streiks auf ganz Spanien zu verhindern. Gleichzeitig ging sie aber auf Verhandlungen ein und gab den Forderungen nach. Eine Versammlung von 20.000 Streikenden beschloss schließlich die Wiederaufnahme der Arbeit am 20. März. Nach 44 Tagen Streik gelang neben Lohnerhöhungen, der Entlassung von tausenden Inhaftierten und der Anerkennung der Gewerkschaft vor allem die erstmalige Durchsetzung des 8-Stunden-Tages in Europa – ein Dekret, das bis heute Bestand hat. Der Konflikt läutete aber auch eine Phase verschärfter Klassenkämpfe in Spanien ein, die letztlich in der Sozialen Revolution von 1936 mündeten. Bereits wenige Tage nach Wiederaufnahme der Arbeit rief die CNT erneut zu einem dreiwöchigen Generalstreik auf, um fünf in Haft verbliebene Genossen freizupressen. Dieser blieb erfolglos, ebenso wie der Versuch der Unternehmen im Dezember 1919, die Arbeiter durch mehrmonatige Aussperrungen dazu zu zwingen, ihre CNT-Ausweise abzugeben. (Hansi Oostinga)

Vergessene Arbeitskämpfe – Ein Punk-Abend

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiter*innen müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen mit unserer Konzertreihe dem etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Ab Februar wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: Gesture und Eastie Ro!s
DJs: DJ MyKill & PogoBaerbl
Arbeitskampf: „1000 Feuer an der Ruhr“

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Redaktion/Texte Arbeitskämpfe: Anna Tüne
Dramaturgie: Sabine Zielke

„1000 Feuer an der Ruhr“
Arbeitskampf in Duisburg-Rheinhausen 1987 - 1988

„Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Clique, eine kleine Mafia, mit den Menschen in diesem Lande macht, was sie will. …Vorige Woche waren wir noch alleine, vor ein paar Tagen war die ganze Belegschaft da, heute ist es die Stadt Duisburg, und morgen wird es das ganze Revier sein… Das Buch der Geschichte ist aufgeschlagen, und es liegt an Euch, ein paar neue Seiten zu schreiben: lasst die Generationen, die nach uns kommen, nachlesen, wie man einen Arbeitskampf führt, und wie man diesen Vorstand in die Knie zwingt!“

So klang die erste Rede des stellvertretenden Betriebsleiters Helmut Laakmann, als ihm klar wurde, dass das Krupp-Stahlwerk in Duisburg Rheinhausen, das modernste Hüttenwerk Europas, geschlossen werden sollte. 6.000 Stahlkochern und Lehrlingen stand der Verlust ihrer Arbeitsplätze bevor. Und so begann vor über 30 Jahren, am 26.11.87, der längste und härteste Arbeitskampf der Bundesrepublik Deutschland, der insgesamt 164 Tage dauern würde.

Und diese Kampfformen waren vielfältig, kreativ und sie haben sehr viele weitere Menschen in die Aktionen einbezogen. Es beteiligten sich Zehntausende aus den Betrieben rundum, große Teile der Bevölkerung solidarisierten sich. Ein Höhepunkt wurde erreicht, als am 2.12.87 tausende Stahlarbeiter die Rheinbrücke von Rheinhausen blockierten. Es traf vor Ort ein Autokorso von 10 km-Länge ein: Handwerker, Ladenbesitzer, ganze Schulklassen, Kirchenleute, Frauengruppen. Sie bringen belegte Brote, Gebäck, heiße Getränke.

Am Stahlaktionstag der IG Metall (10.12.87) waren mehr als hunderttausend Menschen im gesamten Ruhrgebiet zwischen Dortmund und Duisburg auf den Beinen: Stahlarbeiter, aber auch Bergleute, Schülerinnen und Schüler und viele andere mehr. Sie blockierten die Verkehrsknotenpunkte im gesamten Revier. Viele Straßen- und Autobahnsperrungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Großkundgebungen in allen Stahlbetrieben des Ruhrgebiets und eine zweite Besetzung der Rheinbrücke wurden organisiert, die Brücke wurde feierlich in „Brücke der Solidarität“ umgetauft. Im Februar 1988 findet ein Konzert auf dem Kruppgelände vor 47.000 Besuchern statt Im Rahmen der Soli-Aktion „Tausend Feuer an der Ruhr“ bilden 80.000 Menschen mit Fackeln eine riesige Menschenkette, die Orte im gesamten Ruhrgebiet verbindet.

Am 1. Mai, dem Kampftag der Arbeiterklasse stürmen Stahlwerker zur Feier des Tages die Villa Krupp in Essen, den Hauptsitz des Unternehmens-Vorstandes.

Am 3.5.88 ist ein Kompromiss ausgehandelt: Langsamer Ausstieg bis 1993, die jüngeren Kollegen werden auf andere Hüttenwerke verteilt, die älteren können mit einer kulanten Abfindung früher in Rente gehen. Rheinhausen als Standort erhält große kompensatorische Subventionen. Damit geht dieser längste und härteste Arbeitskampf der Bundesrepublik Deutschland zu Ende. Das Werk konnte nicht gerettet werden.

Am 15.8.93 wird der letzte Hochofen im Thyssen-Krupp Stahlwerk Rheinhausen ausgeblasen.


Anna Tüne

Gesture

Born of a self-reliant enclave of high-output low-info punks nested in the Allee der Kosmonauten high rise that has given out DELTOIDS, BENZIN, COLD LEATHER, PRETTY HURTS and GILB, here we find a seedier proposition. Taking cues from anarcho after it mentally unravelled and deathrock when it was in the peak throes of that spiritual cramp, this is the real ugly stuff. Dirt gets in the corners, mould grows in the wall, don’t even think about shining a blacklight on it. A vocal claws out the ether, not disaffected, just exhausted. Assimilation becomes nigh-on impossible to avoid. The same red tape trying to kill you starts to unravel in your own home. It’s all so tiresome, isn’t it?

https://gesturebln.bandcamp.com

Eastie Ro!s

Eastie Ro!S: Die Punk Kapelle, welche sich 2008 gründete, ist dem Endsiebziger- bis Achtzigerpunk zuzuordnen, da sie immer wieder mit Bands dieser Zeit verglichen wird. Nach nun drei Erfolgsalben und der bevorstehenden John Peel Session EP kann jedoch ein eigenes musikalisch abgestecktes Muster erkannt werden. Authentisch, Energiegeladen, Druckvoll und Temporeich werden bei den Ro!S groß geschrieben! Talent wird jedoch sehr klein geschrieben, wenn es nicht gerade am Anfang vom Satz steht. Humor an der falschen Stelle ist jedoch essentiell!

https://eastierois.bandcamp.com/

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Vergessene Arbeitskämpfe – Ein Punk-Abend Mit: Hans am Felsen & Nobelschrott

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen mit unserer Konzertreihe dem etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Ab Februar wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: Hans am Felsen & Nobelschrott
DJ: Schnürmeister Kåks, Part II; Schwedische Punksingles
Arbeitskampf: Die Schüsse von Ådalen 1931

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Redaktion/Texte Arbeitskämpfe: Anna Tüne
Dramaturgie: Sabine Zielke

Streik in Schweden 1931: Schüsse in Ådalen

Am 14. Mai 1931 erschossen Soldaten demonstrierende Arbeiter in Ådalen, Nordschweden.

Hintergrund war der Streik im Frühjahr im gleichen Jahr, bei dem sich hunderte Arbeiter der Papierindustrie mit ihren Kollegen solidarisierten, um gegen Lohnsenkungen in den Sägewerken von Marmaverken zu demonstrieren. Die Besitzer der Fabriken heuerten 60 Streikbrecher an, um den Streik zu zerschlagen. Die Arbeiter stürmten aber das Schiff Milos, das als Unterkunft für die Streikbrecher diente, verprügelten einige Streikbrecher und nahmen andere als Gefangene. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, erhielt die Polizei Unterstützung durch die Armee. Das Regiment in Sollefteå schickte 60 Soldaten der Infanterie.

Am 14. Mai versammelten sich die Demonstranten im Folkets Hus in Ådalen. Sie wollten mit 4000 Männern nach Lunde ziehen, um dort gegen die ansässigen Streikbrecher zu demonstrieren. Dort angekommen, eröffnete das angerückte Militär das Feuer gegen die Demonstranten, weil die Polizei Waffen unter den Demonstranten gesichtet haben soll, wofür aber später keine Beweise gefunden werden konnten. Der Trompeter Tore Alespong vom Blasorchester der Arbeiter begann, das Signal für eine Feuerpause zu spielen. Die Soldaten hörten auf zu schießen und Tore verhinderte so weitere Tote.

Fünf Personen wurden an diesem Tag vom Militär getötet. Der Vorfall hatte zunächst eine polarisierende Wirkung, spielte letztlich aber eine große Rolle für die friedliche Entwicklung der schwedischen Gesellschaft, da seitdem keine Militärkräfte mehr gegen Demonstranten in Schweden eingesetzt wurden.

Nobelschrott

"Nobelschrott hab ick schonma irjendwo jehört! Die sind lustig, ne? Und die verkleiden sich bei jedem Auftritt anders, wa? So Oldschool-deutschpunk. Jo die kenn ick. Sind geil." Zitat, irgendein Typ auf einem Festival.

http://www.nobelschrott.de
https://nobelschrott.bandcamp.com/releases
https://www.facebook.com/nobelschrott

Hans am Felsen

Julia und Stefan, das immernoch aktuelle Frontteam von Hans Am Felsen - HAF, beschlossen, eine Band zu gründen. Da Julia nur Geige spielen und singen konnte, kaufte Stefan - eigentlich Bassist - sich eine Gitarre und die Probe begann, schnell meldete sich auch ein Schlagzeuger und dann der Glücksfall: Ichfunktions-Gitarrist Tschaka hatte Bock aufs Bassspielen. Nun ging alles ganz schnell: Songs wurden gemacht und einer von ihnen von einem Label für einen Ost-Punk-Sampler ausgewählt ... Uuuups: Ein Bandname musste her!!! Da die Bandmitglieder ratlos waren wie Hans Am
Felsen wurde es der Name "Hans Am Felsen". Über die Jahre war HAF viel und sehr wild im In- und Ausland unterwegs. Die Besetzungen wechselten hin und wieder, bis 1999 Tschaka (Gitarre/Bass) nur 35-jährig an Krebs verstarb. Er wurde nie ersetzt. HAF pausierte 14 Jahre bis es 2013 zur erfolgreichen Reunion kam.

Vergessene Arbeitskämpfe – Ein Punk-Abend Mit: The Incredible Herrengedeck & Killer Jiller

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen mit unserer Konzertreihe dem etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Ab Februar wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: The Incredible Herrengedeck & Killer Jiller
DJ: Greencastle (Punk Works)
Arbeitskampf: Der große britische Bergarbeiterstreik

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Redaktion/Texte Arbeitskämpfe: Anna Tüne
Dramaturgie: Sabine Zielke

The Incredible Herrengedeck

Drei Typen, drei Akkorde, Konfetti und die Kraft der Imagination. The Incredible Herrengedeck machen noch aus der kleinsten Bühne ein Stadion-Konzert. Also Musikkabarett im Stadion. Oder Stadion-Konzert im Kabarett. Oder wie sie selber sagen: „Chanson Punk – Live in deinem Eckstadion“.

Seit 2006 mischen die Jungs regelmäßig die Berliner Bühnen auf, touren durch Deutschland, die Schweiz und bis nach Kasachstan. Fehlende Details wie Lichtshow, Lautsprecherwände und Pyrotechnik denkt sich das Publikum einfach dazu.

Im Gegenzug würfeln die drei Berliner mit Klavier, Kontrabass und Gitarre die Genres der letzten 100 Jahre Popgeschichte zu einem ordentlichen Stück Musik zusammen – das Fundament für ihre politisch-satirischen Texte und für jede Menge gute Laune.

Mehr Infos findest du hier: http://herrengedeck.org/

Killer Jiller

2012 aus den beiden Berliner Punk Bands Fetzen und Aule! hervorgegangen, laden Killer Jiller nun seit knapp sieben Jahren zum Mithassen ein. Der selbstbezeichnete "misanthropische Kinderchor mit Schlagercharakter" ist im Hardcore-Punk zuhause und beschreibt eine klare politische Linie.

Ihre 2013 erschienene Demo "Geld Macht Arm" wurde 2014 vom Plastic Bomb als "eins der besten Demos der vergangenen Jahre" beschrieben und brachte die Band bis nach London als Vorband von G.B.H.

Nach einer zweijährigen Pause stehen sie nun erstmals wieder offiziell auf der Bühne.

Reinhören: https://killerjiller.bandcamp.com/

Der große britische Bergarbeiterstreik

Zwischen dem 5. März 1984 und dem 4. März 1985 kam es in Großbritannien zum Show-down zwischen der konservativen Regierung Thatcher und der immer noch sehr mächtigen und kämpferischen Gewerkschaft der Bergleute (National Union of Miners, NUM). Auslöser des Streiks: zwanzig Kohlegruben sollten geschlossen und damit 20.000 Arbeiter entlassen werden. Die restlichen profitabel erscheinenden Gruben sollten privatisiert werden. Gleich zu Beginn kam es an mehreren Orten zu sehr harten Auseinandersetzungen mit zwei Toten, 1000 Verletzten und 4000 vorübergehenden Festnahmen.

Die Regierung beschloss und gestaltete ihren Kampf in einer von Beginn an unbarmherzigen Aggressivität. Premierministerin Thatcher verstieg sich so weit in demagogischem Furor, die Streikenden zum „enemy within“, zum inneren Feind zu erklären. Unter diesem Motto wurde auch die polizeiliche Repression mit bürgerkriegsähnlichen Mitteln geführt. Man setzte im nordirischen Bürgerkrieg hoch erprobte Spezialeinheiten, alle staatlichen Repressionsmittel, legale und illegale, bis hin zum Geheimdienst ein. Neue Gesetze fesselten die Gewerkschaften und kriminalisierten sie, Streikkassen wurden konfisziert, Sympathiestreiks anderer Gewerkschaften wurden schlichtweg verboten und Streikposten auf eine Teilnehmerzahl von sechs reduziert. Mit brachialer Gewalt verschaffte man herbeigekarrten Streikbrechern, die man aus verarmten Bevölkerungsschichten rekrutierte und mit viel Geld köderte, Zugang zu den bestreikten Zechen.

Der Streik wurde dennoch ein ganzes Jahr durchgehalten und von breiten Schichten der Bevölkerung unterstützt. Thatcher aber versprach eine „Lektion, die niemand vergessen würde“. Die meisten Medien, einschließlich der BBC, die Justiz, Banken und Verbände schlossen sich in widerlichsten verbalen, juristischen und institutionellen Übergriffen der Repression gegen die Kumpel an. Von der Zeitung The Sun stammt der Satz: „…sie sind nichts weiter als in hässlichen Zechendörfern hausender menschlicher Bodensatz…“ („Scum of the world“).

Die Banken lieferten eigentlich geheime Informationen über die private finanzielle Lage der Streikenden. Diese erhielten keine Unterstützung durch Streikgelder, die familiären staatlichen Zuschüsse für bedürftige Familien wurden auf 15 Pfund/Woche reduziert. Die kämpfenden Bergleute hatten am Jahresende durchschnittlich 9000 Pfund Lohnausfall und 10.000 Pfund Schulden zu verschmerzen.

Margret Thatcher ließ sich die Brechung der gewerkschaftlichen Macht drei Milliarden Pfund (!) kosten. Vom riesigen gesellschaftlichen und ökonomischen Scherbenhaufen, von den nachhallenden sozialen Traumata hat sich Großbritannien bis heute nicht erholt. Die tiefe Spaltung der britischen Gesellschaft mag man noch heute am ehesten an den Brexit-Voten erkennen.

Anlässlich ihrer Beerdigung in London kehrten viele Tausende Menschen im Jahre 2013 Thatchers Trauerzug demonstrativ den Rücken zu.

von Anna Tüne

Vergessene Arbeitskämpfe – Ein Punk-Abend Mit Bensley: & Zerfall

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen mit unserer Konzertreihe dem etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Ab Februar wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: Bensley: & Zerfall
DJ Chris Kotze & Sophy Wayne: Punk Deutschpunk 80s Classic
Arbeitskampf: San Antonio, Texas: Der Streik gegen Tex-Son 1959-1963

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de
Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner
Redaktion/Texte Arbeitskämpfe: Anna Tüne
Dramaturgie: Sabine Zielke

Bensley: sind Punk! - Punk mit Melodie, Herz und einem offenen Ohr für all das, was niemand als Punk bezeichnen würde. Sie reflektieren sich, die Welt und die Fremde im Menschen und schaffen mit Erlebtem, Gelebtem und Zerlebtem Melodien für das Herz und Texte für die Seele oder die erhobene Faust. Die Großmütter und Väter ihrer Musik sind schnell gefunden und im gleichen Augenblick schon wieder verworfen, denn Bensley: nehmen ihre Einflüsse und sprengen damit die Grenzen ihres Genres. Was bleibt, ist ein Gefühl, eine Melodie, ein Standpunkt oder auch nur ein Grinsen auf der Seele. Aus Freundschaft gegründet, am Leben gewachsen und zur Familie geworden. Danjo, Ole, Julius, Stefan
Hörprobe

„Die DDR-Punkband Zerfall gründete sich 1983 spontan bei einem Weihnachtskonzert in der Ost-Berliner Galiläakirche, was sie schon bald auf ‚Platz eins in der Stasi-Hitliste der zu beobachtenden Punkbands‘ katapultierte. Doch trotz ständiger Kontrollen und gelegentlicher Verhaftungen fanden einige Konzerte in verschiedenen Kirchen statt, bis die Band durch die Einberufung des Schlagzeugers zur NVA 1985 faktisch aufgelöst wurde. 2008 kam es dann zu einem überraschenden Auftritt beim Jubiläumskonzert der Blauen Möwen, einer anderen Ost-Punkband, die in Kreuzberg ihr 25-jähriges Bestehen feierte, und aufgrund des überwältigenden Feedbacks, beschlossen Zerfall mit neuem Gitarristen weiterzumachen. Fuck die Stasi (2.0)!“ (Ox-Fanzine)
Mehr über die Band

NO VICTIMS FOR FASHION! Solidaritätskampagne mit verfolgten Arbeiter*innen in Bangladesch
Kooperation mit dem fairen Berliner T-Shirtanbieter dna merch

Da der 25.04. genau in die Woche fällt, in der sich mit Rana Plaza der größte und tödlichste Fabrikeinsturz in der Geschichte der Bekleidungsindustrie jährt, wird es neben Konzerten der Bands Bensley: und Zerfall dieses Mal um vergangene und aktuelle Arbeitskämpfe in der Modebranche gehen. Während beim Blick in die Vergangenheit einem vierjährigen Streik in Texas gedacht werden wird, richtet sich der Blick nach vorne auf die andauernde und großangelegte Offensive gegen sich organisierende Arbeiter*innen in Bangladesch. Hier kooperieren die Veranstalter mit dem fairen Berliner T-Shirtanbieter dna merch, die ihre aktuelle Solidaritätskampagne mit verfolgten Arbeiter*innen in Bangladesch namens NO VICTIMS FOR FASHION! vorstellen werden.

Die Idee zur Kampagne entstand, als sich Ende März die befreundete National Garment Workers Federation mit der Bitte um Unterstützung an dna merch wendete. Im Zuge der Arbeitskämpfe für einen höheren Mindestlohn sind in den letzten Jahren mehr als 11.000 Arbeiter*innen entlassen worden. Gegen mehr als 3.000 von ihnen – 69 waren zwischenzeitlich im Gefängnis – sind jetzt hanebüchene und willkürliche Verfahren anhängig. Mit der Kampagne wird Geld für Anwalts- und Gerichtskosten gesammelt.

San Antonio, Texas: Der Streik gegen Tex-Son 1959-1963
Text von Anna Tüne

Die texanische Stadt San Antonio war und ist bekannt als erzkonservativ und naturgemäß anti-gewerkschaftlich. Der Streik gegen das Unternehmen Tex-Son begann am Freitag, 27. Februar 1959. Er dauerte vier Jahre. Schwesterlich verband er viele Frauen mit mexikanischem Hintergrund mit „normalen“ US-Bürgerinnen, die etwas irreführend Angloschwestern genannt wurden. Dieser Streik hob zum allerersten Mal die rassistisch konnotierte Trennung dieser beiden „ethnisch“ zugeordneten Gruppen auf.

Die Gewerkschaft „International Ladies‘ Garment Workers‘ Union“ unterstützte die Frauen. Ferner gelang es den streikenden Frauen, über die Gewerkschaftsgrenzen hinaus große Unterstützung zu finden und dies obwohl ihre Forderungen als militant galten. Sie kämpften sehr offensiv gegen die im Unternehmen herrschenden Niedriglöhne, und sie taten dies mit viel Intelligenz. So präsentierten sie sich stets modisch, wenngleich auch traditionell gekleidet. Dies war eine wirksame List gegen rassistische Vorurteile, wurden doch die Latinas, die oft arm waren, als „schlampig“ gekleidet und schmutzig dargestellt. Eine ihrer Anführerinnen, Sophie Gonzales, trat bei den Picketlines immer in hohen Stöckelschuhen auf. Dies half dabei, die Aufmerksamkeit der Medien zu erregen, half ihnen sogar, die Unterstützung der katholischen Kirche und anderer US-Gewerkschaften zu gewinnen. Es gelang den Frauen ein gewagter Spagat zwischen gewerkschaftlicher Härte und ihrer Selbstdarstellung im Rahmen der gesellschaftlichen Normen von „Feminität“. Möglicherweise lag dem auch eine gesunde Portion Ironie und Selbstironie zugrunde, aber vielleicht auch die stützende Funktion, welche die Aufrechterhaltung eines stolzen und klaren Eigenbildes in vielen Fällen hat.

In ihren Argumentationen aber durchbrachen sie niemals die sprachlichen und damit die politischen Codes, die sie sich auferlegt hatten: Sie haben sich in keinerlei ethnische Nischen verweisen lassen, sondern haben stets ihre gemeinsame soziale und ökonomische Lage angeführt, die Lage unter der alle Arbeiterinnen litten, völlig unabhängig ihrer Herkunft. Eloquent und eindrücklich haben sie ihr fleißiges und unterbezahltes Arbeitsleben geschildert. Auch hier wurde augenfällig, dass Rassismus vor allem durchbrochen werden kann durch die konsequente Rückbindung an gemeinsame soziale Interessen.

Der vier Jahre dauernde Streik war sehr hart: Die Frauen trafen dann doch zunehmend auf rassistische und sexistische Vorurteile. Man versuchte sie einzuschüchtern: Voodoo-Puppen wurden auf dem Fabrikgelände aufgehängt, gewaltbereite Streikbrecher wurden eingesetzt. Die Arbeitgeber blieben hartnäckig und die Ehemänner verloren auch ihre Geduld. Nach dem vierjährigen Streik ging das Hauptunternehmen Pleite, die Gewerkschaften hatten den Frauen den Rücken gekehrt und die meisten Arbeiterinnen hatten an anderen Orten Arbeit gesucht und gefunden. Die Gewerkschaften hatten mit ihrer nachlassenden Unterstützung eine Riesenchance vertan. Das Unternehmen hatte sich durch Outsourcing und Neugründungen gerettet.

Dennoch: Die streikenden Frauen hatten bewiesen, dass Streiks mobilisierend sind, wenn man sich rassistischen und/oder sexistischen Zuordnungen verweigert und sich auf der Basis einer gemeinsamen sozialen Lage, einer gemeinsam erlittenen Diskriminierung und Ausbeutung solidarisiert. „Sie waren keine Mädchen für die Sonntagsschule“, sagte ein Augenzeuge. „Es waren harte Mädchen, denen man Respekt zollen musste, sie waren richtig gut. Sie waren Kämpferinnen!“ In Zeiten, in denen der US-Präsident Furcht und Hass predigt und eine hysterische Verachtung der Latinos zu einem demagogischen Hauptkampffeld gemacht hat, ist es gut, sich an solche Frauen zu erinnern.

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