VOLKSBÜHNE
Berlin

Copyright: Filmgalerie 451

Woche der Kritik
FILM: Schlingensiefs "Das deutsche Kettensägenmassaker"
06.02.

Film, Diskurs
Deutsch und Englisch

Das deutsche Kettensägenmassaker, Regie: Christoph Schlingensief, Deutschland 1990, 63 min

Im Anschluss an den Film findet um 18:30 eine Konferenz statt mit Gästen wie dem Regisseur Milo Rau, der Lyrikerin Monika Rinck, dem Regisseur Peter Sellars, dem Filmemacher Andrew Kötting, der Intendantin Amelie Deuflhard, dem Kunsthistoriker Philip Ursprung und der Schauspielerin Susanne Bredehöft.

Es können keine Tickets ausschließlich für die Filmvorführung erworben werden, sondern nur in Kombination mit der Konferenz. Kombiticket: 12 / erm. 8 €

Ist das Kino heute nicht unfassbar brav? Gerade dann, wenn es angeblich ums Ganze geht? Die fünfte Woche der Kritik eröffnet mit einer Konferenz, die sich, ausgehend vom international noch zu wenig bekannten Werk Christoph Schlingensiefs, der Kunst von heute nähert, um einen neuen Blick aufs Kino zu gewinnen.

Wenn’s um Wichtiges geht im Kino, stirbt der Spaß zuallererst. Ernste Themen wollen ernste Antworten. Das liegt nahe, das ist die sichere Lösung, das gebietet die Moral. Rechtsruck, Klimawandel, Krieg und Vertreibung – da muss man gut drüber nachdenken, bevor man Förderanträge stellt. Auch ein Lachen will genau platziert sein. Also gibt es viele anständige, vernünftige Filme mit klaren Botschaften und ein paar künstlerisch avancierte, grüblerische Filme, die sich anders aus der Affäre ziehen. Vieles ist erbaulich, manches ist offen nachdenklich. Aber erschüttert wird man nicht. Denn im Kino geht die Angst um: Bloß nicht zündeln, keine Schnellschüsse. Wir sitzen auf einem Pulverfass.

Nur: Kommen wir da wieder runter, wenn überall die Vorsicht regiert? Einer, der sicher “Nein!” gebrüllt hätte, war Christoph Schlingensief. Ihm war Verwirrung lieber als Konsens, Reibung mochte er mehr als Erfolg. Filme sollten nicht das Gute bebildern, sondern Bilder für das Böse finden: “Angst und Schrecken zu verbreiten ist eine Hauptaufgabe der Kunst.” Er, der Apothekersohn wusste: Medizin ist nichts Anderes als die richtige Menge Gift. Und so injizierte er Realität in hyperreale Szenarien, ließ Asylanwärter Big Brother und Neonazis Hamlet spielen, verquickte Trash und Pop und Kunst, um neue Räume zu schaffen. Als die Grenzen des braven deutschen Quotenkinos für ihn zu eng wurden, sprengte er sie auf, brachte Film ins Theater, Theater auf die Straße und Kunst ins Fernsehen. Spaß sollte es machen, sich zu ekeln, schwankend zu werden in den Überzeugungen, unsicher, wo Spiel aufhört und Ernst beginnt. Spaß an der Selbstübertölpelung, dem Moralverlust, der politischen Verwirrung.

In Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin lädt die Woche der Kritik Gäste aus Film, Theater, Theorie und Lyrik ein, ausgehend von Schlingensiefs Werk über schmutzige Kunst, die Grenzen des Kinos und Spaß am Aktivismus zu debattieren. Unter welchen Vorzeichen kann man ernste Themen auch anders als ernst behandeln? Wie kann das Kino sein Publikum erschüttern und Diskursblasen platzen lassen? Waren Schlingensiefs verwirrende Spiele mit der Realität seiner Zeit voraus oder sind sie heute aus der Zeit gefallen?

Die 5. Woche der Kritik findet vom 6. bis 14. Februar 2019 statt. Die Konferenz findet in der Volksbühne Berlin statt. Das Filmprogramm beginnt am Donnerstag, 7. Februar im Hackesche Höfe Kino.

Die Woche der Kritik ist eine Veranstaltung des Verbands der deutschen Filmkritik, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst und die Rudolf Augstein Stiftung. Die Eröffnungskonferenz findet in Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin statt.


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Vergangene Veranstaltungen

Woche der Kritik KONFERENZ Intensivstation Kino Bitte eine Dosis Schlingensief – oder warum mit braver Kunst die Welt nicht zu retten ist

Ablauf der Veranstaltung:

16:30 Uhr:
35mm-Vorführung von Das deutsche Kettensägenmassaker (Regie: Christoph Schlingensief, 1990, 63 Minuten)

Pause

18:30 Uhr:
Zwischendurch: Videoclips mit selten gesehenem und bisher unveröffentlichtem Filmmaterial aus Christoph Schlingensiefs Stücken Hamlet in Zürich und Quiz 3000 sowie ein Ausschnitt aus seinem bekanntesten Film Terror 2000. Mit freundlicher Genehmigung der Filmgalerie 451.
Begrüßung
Susanne Bredehöft
: Lesung aus Texten von Christoph Schlingensief (Deutsch)
Bibiana Beglau im Gespräch mit Milo Rau: Vom Spaß, die Moral zu torpedieren (Deutsch)
Peter Sellars im Gespräch mit Udo Kier: Entgrenzung und Erinnerung (Englisch)

Pause, ca. 20.15 Uhr
Im Foyer: Monitorpool mit Szenen aus dem Archiv von Schlingensief. Tischgespräche mit allen Gästen.

ca. 21.15 Uhr:
Monika Rinck: Eine fahrende Seele im Durcheinander der Hereinversetzung – Vortrag (Deutsch)
Anton Gernot von PENG: Vortrag Dirty Dancing (Deutsch)
Gespräch zwischen Amelie Deuflhard, Andrew Kötting, Philip Ursprung, Susanne Heinrich: Oben auf dem Pulverfass: Gegen Vollendetes, Würdevolles und das Auf-Nummer-Sicher-Gehen – (Englisch)

ca. 23.00 Uhr: Empfang an der Bar

Ist das Kino heute nicht unfassbar brav? Gerade dann, wenn es angeblich ums Ganze geht? Die fünfte Woche der Kritik eröffnet mit einer Konferenz, die sich, ausgehend vom international noch zu wenig bekannten Werk Christoph Schlingensiefs, der Kunst von heute nähert, um einen neuen Blick aufs Kino zu gewinnen.

Wenn’s um Wichtiges geht im Kino, stirbt der Spaß zuallererst. Ernste Themen wollen ernste Antworten. Das liegt nahe, das ist die sichere Lösung, das gebietet die Moral. Rechtsruck, Klimawandel, Krieg und Vertreibung – da muss man gut drüber nachdenken, bevor man Förderanträge stellt. Auch ein Lachen will genau platziert sein. Also gibt es viele anständige, vernünftige Filme mit klaren Botschaften und ein paar künstlerisch avancierte, grüblerische Filme, die sich anders aus der Affäre ziehen. Vieles ist erbaulich, manches ist offen nachdenklich. Aber erschüttert wird man nicht. Denn im Kino geht die Angst um: Bloß nicht zündeln, keine Schnellschüsse. Wir sitzen auf einem Pulverfass.

Nur: Kommen wir da wieder runter, wenn überall die Vorsicht regiert? Einer, der sicher “Nein!” gebrüllt hätte, war Christoph Schlingensief. Ihm war Verwirrung lieber als Konsens, Reibung mochte er mehr als Erfolg. Filme sollten nicht das Gute bebildern, sondern Bilder für das Böse finden: “Angst und Schrecken zu verbreiten ist eine Hauptaufgabe der Kunst.” Er, der Apothekersohn wusste: Medizin ist nichts Anderes als die richtige Menge Gift. Und so injizierte er Realität in hyperreale Szenarien, ließ Asylanwärter Big Brother und Neonazis Hamlet spielen, verquickte Trash und Pop und Kunst, um neue Räume zu schaffen. Als die Grenzen des braven deutschen Quotenkinos für ihn zu eng wurden, sprengte er sie auf, brachte Film ins Theater, Theater auf die Straße und Kunst ins Fernsehen. Spaß sollte es machen, sich zu ekeln, schwankend zu werden in den Überzeugungen, unsicher, wo Spiel aufhört und Ernst beginnt. Spaß an der Selbstübertölpelung, dem Moralverlust, der politischen Verwirrung.

In Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin lädt die Woche der Kritik Gäste aus Film, Theater, Theorie und Lyrik ein, ausgehend von Schlingensiefs Werk über schmutzige Kunst, die Grenzen des Kinos und Spaß am Aktivismus zu debattieren. Unter welchen Vorzeichen kann man ernste Themen auch anders als ernst behandeln? Wie kann das Kino sein Publikum erschüttern und Diskursblasen platzen lassen? Waren Schlingensiefs verwirrende Spiele mit der Realität seiner Zeit voraus oder sind sie heute aus der Zeit gefallen?

Tickets können entweder nur für die Konferenz (8 / erm. 5 €) oder für Konferenz und Film Das deutsche Kettensägenmassaker (12 / erm. 8 €) erworben werden.

Die 5. Woche der Kritik findet vom 6. bis 14. Februar 2019 statt. Die Konferenz findet in der Volksbühne Berlin statt. Das Filmprogramm beginnt am Donnerstag, 7. Februar im Hackesche Höfe Kino.

Die Woche der Kritik ist eine Veranstaltung des Verbands der deutschen Filmkritik, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst und die Rudolf Augstein Stiftung. Die Eröffnungskonferenz findet in Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin statt.

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