VOLKSBÜHNE
Berlin
ASSEMBLE:
Künstler und Choreograf Manuel Pelmuş
im Gespräch mit Prof. Sandra Noeth (HZT)
29.01.

Diskurs
In englischer Sprache

Einlass 18:00, Beginn 19:00
Tickets: 5 / erm. 3 €

Für die erste Veranstaltung der Serie spricht die Kuratorin und Wissenschaftlerin Sandra Noeth (HZT) mit dem rumänischen Künstler und Choreografen Manuel Pelmuş. In seiner jüngsten, noch laufenden Aktion für ASSEMBLE im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz adressierte Pelmuş die Frage von Zusammengehörigkeit. Beginnend bei den revolutionären Praktiken von Rosa Luxemburg und Mary Wigman fragte Pelmuş hier nach der Möglichkeit gemeinsamen Handelns durch Formen der virtuellen, imaginären und körperlichen Übernahme von Gesten und Posen anderer. Diesem Beharren, sich – trotz diverser zeitlicher, räumlicher, sozialer und politischer Zerstreuung, Fragmentierung und Störung – für eine gemeinsame Sache einzusetzen, liegt ein körperbasiertes Verständnis von Widerstandsfähigkeit zugrunde. Pelmuş erläutert diese Idee im Dialog mit Prof. Sandra Noeth und diskutiert dabei eine verkörperlichte Form des Handelns, die nicht direkt gegen etwas gerichtet ist, Widerstand leistet oder protestiert, sondern vielmehr auf einem kollektiven, körperlichen Lernprozess beruht.

Der Künstler und Choreograf Manuel Pelmuş lebt und arbeitet in Oslo und Bukarest. Unter Verwendung von Elementen aus Tanz und Bewegung legt er in seinen Arbeiten die Strukturen der Kunstwelt – Sammlungen, Museen und deren Rolle bei der Festschreibung von Erinnerung und Identität – offen. Pelmuş arbeitet meist ortsspezifisch und bezieht seine „ongoing movements“, wie er sie nennt, auf die Umstände und die Geschichte des Raumes und der Stadt, in der sie gerade gezeigt werden. Der als klassischer Tänzer ausgebildete Künstler und Choreograf, der mit der rumänischen Nationaloper und der Hamburger Oper tourte, kreiert für die Aufführung seiner Live-Arbeiten komplexe Environments und kombiniert dafür Elemente aus Tanz, Dramaturgie und der bildenden Kunst.

Sandra Noeth ist Professorin am HZT–Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin und arbeitet international als Kuratorin und Dramaturgin in freien und institutionellen Kontexten. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit ethischen und politischen Perspektiven auf Körperpraxis und -theorie sowie Dramaturgie in den körperbasierten Performancekünsten. Als Leiterin der Dramaturgie- und Forschungsabteilung am Tanzquartier Wien (2009-2014) entwickelte sie eine Reihe von Recherche- und Veranstaltungsprojekten zu Konzepten und Praktiken von Verantwortung, Religion, Integrität und Protest im Verbindung mit Körpern. Noeth ist zudem Senior Lecturer an der DOCH/Stockholm University of the Artsund war 2015-16 Gastprofessorin bei ashkal alwan, Beirut.

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Office for Contemporary Art Norway.


ASSEMBLE
Die Performancereihe ASSEMBLE gibt neue Live-Kunstwerke für Kulturinstitutionen in Berlin in Auftrag. Gegründet 2017 von Adela Yawitz und Anna Gien, begreift ASSEMBLE Kunstinstitutionen als öffentlichen Raum. Das monatliche Programm besteht demnach aus öffentlichen und offen zugänglichen Versammlungen in Kunsträumen. Die eingeladenen Künstler teilen allesamt ein Interesse am Potenzial von Gruppen und Versammlungen sowie an deren politischer Bedeutung. ASSEMBLE untersucht die Bedingungen, unter denen manche Körper sichtbar werden, während andere unsichtbar bleiben, exponiert oder herabgewürdigt werden; wie sich Gruppen bilden und auflösen, sowie Momente der Beziehung zwischen Körpern in einer hyper-individualisierten Lebenswelt. Im Verlauf der Serie zeigen die Performances mögliche Formen öffentlicher Versammlungen, Widerstände oder Identitäten auf und betrachten die Möglichkeiten kollektiver und individueller Handlungen im öffentlichen, privaten und institutionellen Raum.

Im Grünen Salon veranstaltet ASSEMBLE parallel zu den öffentlichen Performances eine Reihe, in der die jeweiligen zentralen Anliegen in Gesprächen beleuchtet werden. Die Künstler sind eingeladen, ihre Arbeit noch einmal anders zu präsentieren; führende Theoretiker und Praktiker sprechen über den öffentlichen Raum; und es gibt faszinierende Perspektiven auf die öffentliche Sphäre des Internets, auf queere und feminisierte Räume sowie auf den spezifischen öffentlichen Raum der Stadt Berlin zu hören.

Das ASSEMBLE Performance-Programm 2019 wird am 3. Mai im Kunstquartier Bethanien mit einer Neuproduktion von Raimund Hoghe eröffnet.

ASSEMBLE wird ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Medien

Isabelle Schad, Pieces and Elements, 2018. Performance in der Berlinischen Galerie im Rahmen von ASSEMBLE. Foto: Frank Sperling

Vergangene Veranstaltungen

ASSEMBLE: Panic Room On the Possibility of Feminizing Space

Über die Möglichkeiten feminisierter Räume

Die öffentlichen Räume, durch die wir uns bewegen, folgen der Logik traditionell männlich konnotierter Sichtbarkeiten. Obwohl nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, sind Ästhetik, Architektur und Funktionalität von Stadtbildern, öffentlichem Freizeitraum und Innenräumen öffentlicher Einrichtungen jahrhundertelang durch patriarchale Organisation strukturiert. Auch wenn die binäre Unterscheidung zwischen dem weiblichen, privaten und häuslichen Raum und den männlichen, öffentlichen Außenbereichen fast so alt ist wie der Raum selbst, ist sie doch immer noch in die Arten und Weisen eingeschrieben, wie unsere Umgebungen gestaltet sind. Historisch folgt das Konstruktionsprinzip der „Perspektive“ dem Credo - „Männer schauen Dinge an“: von Vasari über Nachtsicht-Geräte in der Kriegstechnologie, POV-Pornografie bis Google Street View. In der ikonischen Figur des Flaneurs, der brutalistischen Architektur oder den Psychogeografien des öffentlichen Raums ist Männlichkeit zur Form geworden. Die Definitionen von „Funktionalität“, „Effizienz“ oder „Neutralität“ im Design, die traditionell mit einer männlichen Identität verbunden sind, werden in der Erscheinung der Dinge sichtbar und in unserer täglichen Umgebung reproduziert. Wenn auch nicht explizit phallisch: Die symbolische Funktion von Architektur und Stadtplanung als Repräsentation von Prestige resultiert aus dem jahrhundertelangen Bedürfnis, männliche Macht zu manifestieren und zu bezeichnen, unabhängig davon, ob es sich um die Kirche oder den Staat handelt.

Im Haus am Lützowplatz erforschte Amy Ball für die erste Spielzeit von ASSEMBLE in dem Performance- und Installationsstück WOMEN die Bedingungen des geschlechtsspezifischen Raums mittels einer mehrdeutigen Persona, die mit der traditionell männlichen Figur des Motorradfahrers identifiziert wird. Das Bild des einsamen Abenteurers, der in der weiten Natur unterwegs ist, ob zu Pferd oder mit dem Motorrad, ist stark mit den Fantasien von Männlichkeit und Freiheit verbunden.

Im Gespräch mit Anna Gien, Fette Sans und Verena Dengler werden nun verschiedene künstlerische Ansätze für die Möglichkeiten der Feminisierung des Raums betrachtet: Wie bedingen diese Einschreibungen die Art und Weise, wie wir uns durch Räume bewegen? Wie kann man als Körper und als politisches Subjekt davon betroffen sein? Wie sind die imaginären und emotionalen Räume mit der ästhetischen Realität unserer Umgebung verbunden? Gibt es Möglichkeiten, die Gestaltung des Raums zurückzugewinnen? Kann es darin eine Möglichkeit geben, eine feminine / feminisierte Alternative zu erschaffen, die nicht durch Mangel definiert ist? Und wie lassen sich weibliche Klischees vermeiden, die vor allem durch Narrative weißer cis-Frauen geprägt sind?

24.04
25.04
26.04
27.04
28.04
29.04
30.04
01.05
02.05
03.05
04.05
05.05
06.05
07.05
08.05
09.05
10.05
11.05
12.05
13.05
14.05
15.05
16.05
17.05
18.05
19.05
20.05
21.05
22.05
23.05
24.05
25.05
26.05
27.05
28.05
29.05
30.05
31.05
01.06
02.06
03.06
04.06
05.06
06.06
07.06
08.06
09.06
10.06
11.06
12.06
13.06
14.06
15.06
16.06
17.06
18.06
19.06
ʌ
v
Diese Website setzt Cookies ein. Mehr darüber erfahren Sie in unseren Hinweisen zum Datenschutz. > Mehrx