VOLKSBÜHNE
Berlin

Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

Unendlicher Spaß
von David Foster Wallace

Schauspiel
Gastspiel von Thorsten Lensing
4h, eine Pause

In der Übersetzung von Ulrich Blumenbach

Unendlicher Spaß von David Foster Wallace, 1996 in den USA erschienen, ist der Versuch, auf 1.500 Seiten die gegenwärtige Welt zu erzählen, ohne sie einer einheitlichen Deutung zu unterwerfen. „Ich will darüber schreiben“, hat Wallace sein Vorhaben charakterisiert, „wie es sich anfühlt, heute zu leben, statt davon abzulenken“. Er schreibt deshalb über Geburten und Todeskämpfe, über Schneestürme, Liebes- und Trennungsgeschichten, übertriebenen Speichelfluss, bildschöne Krankenschwestern und Vögel, die mitten im Flug einen Herzinfarkt erleiden. Wallace widmet sich seinen so tragischen wie komischen Figuren dabei mit großer Ernsthaftigkeit und einer ungeheuren Leichtigkeit zugleich. „Witze“, schreibt Wallace, „sind die Flaschenpost, mit der die Verzweifelten ihre gellendsten Hilfeschreie aussenden“.
Ein Zentrum der Inszenierung bilden die drei Brüder der Familie Incandenza: Hal, Wörterbuchwunder und hochtalentierter Schüler an der Enfield Tennis Academy, sein älterer Bruder Orin, Punter beim American Football Team der Arizona Cardinals, und der körperlich schwer behinderte Mario, leidenschaftlicher Radiohörer und Filmemacher. Dazu treten Figuren wie die verschleierte Radiomoderatorin Joelle Van Dyne, Mitglied in der Liga der rüde Verunstalteten und Entstellten, und der ehemalige Dieb und medikamentensüchtige Don Gately aus dem Drogenentzugszentrum Ennet House. Wie alle Figuren stehen sie schutzlos vor ihrem Leben.

Eine Produktion von Thorsten Lensing in Koproduktion mit Schauspiel Stuttgart, Schauspielhaus Zürich, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Kampnagel Hamburg, Theater im Pumpenhaus Münster, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Künstlerhaus Mousonturm, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg und SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Stadt Münster.

Besetzung
Mit: Jasna Fritzi Bauer, Sebastian Blomberg, André Jung, Ursina Lardi, Heiko Pinkowski, Devid Striesow

Regie und Textfassung: Thorsten Lensing
Mitarbeit Regie: Benjamin Eggers-Domsky
Bühne: Gordian Blumenthal und Ramun Capaul
Kostüme: Anette Guther
Dramaturgie: Thierry Mousset
Mitarbeit Textfassung: Thierry Mousset, Dirk Pilz

07.06.19, 19:00
> ggf. Restkarten Abendkasse

08.06.19, 20:00
> ggf. Restkarten Abendkasse

Pressestimmen

„Das Schönste, was man seit langem im Theater gesehen hat.“ - Süddeutsche Zeitung

Mounia Meiborg, 26.02.18

„Dieser Abend ist wie ein Rausch und dieser Rausch funktioniert über die Einfachheit. (...) Es geht um die Abwesenheit Gottes und in dieser metaphysischen Leere strampeln die Figuren um Sinn (...). Man glaubt diesem Theater und traut ihm alles zu, sogar die Überwindung der Schwerkraft."- NDR Kulturjournal

Peter Helling, 22.03.18

„Diesen Kampf mit den Abhängigkeiten und Beschädigungen, dieses Ringen um Sinn und Erlösung exerziert Thorsten Lensing in vier fast rundweg fesselnden Stunden. Mit einem phantastischen Ensemble, dessen teils grell divergente Spielstile sich zu einem Ganzen fügen. Und nicht zuletzt mit Gespür für die existenziell verzweifelte Komik der Vorlage. Ein dunkler Spaß." - Der Tagesspiegel

Patrick Wildermann, 24.02.18

„Ein kluger, tiefer, aber auch sehr lustiger Theaterabend in den Sophiensälen beginnt und endet mit markerschütterndem Gesang, der ins Nichts ruft. (...) So wie der Schriftsteller, der sich 2008 mit 46 Jahren das Leben nahm, die Virtuosität des Formulierens in garstige Höhen treibt, so spielen sie hier auch. Devid Striesow und Sebastian Blomberg mit irrsinnig komischer und böser Verstellspielplumpheit, André Jung mit locker aus dem Herzen gerissener Güte, Ursina Lardi mit ihrer nicht leicht aushaltbaren, athletischen Verwandlungsstrenge und Jasna Fritzi Bauer sowie Heiko Pinkowski mit kühner Purheit. (...) Das ist hohe Theaterkunst." - Berliner Zeitung

Ulrich Seidler, 23.02.18

„Ziemlich schlau ist auch der Loop als Rahmen: Wenn Ursina Lardi als Tenniscrack Hal Incandenza vor die akademische Aufnahmekommission tritt, ist damit das Ende der rund vierstündigen Inszenierung vorweggenommen, die dann also ad infinitum wieder beginnen könnte, um all das noch einmal abzurufen, was man mit teils staunenden, teils bewundernden Augen gesehen hat." - Theater der Zeit

Thomas Irmer, 23.03.18

„Virtuoser als in dieser Zeitraffer-Version kann man Wallace' Romanmonster wohl kaum zähmen." - Hamburger Abendblatt

Joachim Mischke, 23.03.18

Medien

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