VOLKSBÜHNE
Berlin

Foto: Marina Naprushkina

Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott
Ein Funkoratorium von B.A. Zimmermann nach Calderón
25./26.11.18
Großes Haus

Schauspiel, Musik

In der Übersetzung von Franz Lorinser / Hubert Rüttger

Der erste Mensch gegen Gott: Calderóns Welttheater aus dem spanischen Barock („Los alimentos del hombre“) inszeniert den Zweikampf des ersten Menschen gegen Gott: Gott lässt Adam aus dem Paradies plumpsen, als dieser sich über ihn erhebt. Auf der Erde gelandet, muss er ein schnödes Menschendasein führen. Der bäuerliche Umgang mit Ackergerätschaften sind Adams Ding nicht. Denkmann und Fressmann helfen ihm vergeblich. Zum Glück erscheint der Teufel und rät Adam zu einer Klage gegen Gott, auf Alimente. Das große metaphysische Gerichtstheater kann beginnen. Alimentieren statt randalieren! Almosen für die Gottlosen! Absolution statt Revolution!

Der 100. Geburtstag von Bernd Alois Zimmermann gab Anlass zu schauen, welche seiner Werke aus der Erinnerung nach vorn zu holen sind. Sein unbekanntes Funkoratorium ist eine Komposition aus der Stunde Null, aus dem zerbombten Köln nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war der verzweifelte Versuch, die Deutschen zu entnazifizieren, indem man sie zum katholischen Glauben zurückführen wollte. Eine Mission übers Ohr, die verhallte. Dazu wurde viel aufgeboten: Melodram, Oper, Theater und frühe Versuche auf dem Gebiet elektronischer Musik vermischen sich. Man meint die vier Besatzungszonen zu hören: Französischer Klangreichtum wie bei Debussy, Jazz-Elemente amerikanischer GI-Soldaten, Zitate aus dem Ballett russes sind stilistische Elemente der Zimmermannschen Musik.

B.A. Zimmermann stellte sich ein Theater vor, „welches nicht schlechter ausgerüstet ist als ein Weltraumschiff, Weltraumschiff des Geistes; insgesamt eine Großformation. Die einer ganzen Stadtlandschaft ihr Gepräge zu leihen vermag.“ Wie steht es gegenwärtig um die schöne Idee eines solchen Universalismus im Theater? Lässt sich der Anspruch auf ein großes Welttheater - und sei es nur für eine Stadt - aufrecht erhalten?

Eine Koproduktion mit der Sing-Akademie zu Berlin und Deutschlandfunk Kultur

26.11.18
Auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne

Vorspiel:
Gericht über Gott - Die erste Revision (18:30)
nach Jakov Rezvuškin

Das von der Komsomol-Organisation am Rosa-Luxemburg-Platz eingesetzte Gericht erlässt im Namen der UdSSR folgendes Urteil: „1. Gott existiert nicht. 2. Von einer Bestrafung Gottes wird, da dieser nicht existiert, abgesehen. Das Gericht über Gott ist kein gewöhnliches ‚Agitationsgericht’, weil den Mitwirkenden hier von den Zeugenaussagen, den Fragen und Antworten bis hin zu den Plädoyers alles fertig ausformuliert vorgelegt wird. Aus diesem Grund ist ein Moment des Zufälligen während der Aufführung dieses Gerichts nahezu ausgeschlossen. Das Interesse an Fragen antireligiöser Propaganda ist in breiten Schichten der Arbeiter- und Bauernjugend außerordentlich hoch und wächst weiter. Aus diesem Grund hält der Komsomol antireligiöse Propaganda für seine wichtigste Arbeit.“
— Jakov Rezvuškin, Materialien zum Gericht über Gott, 1924
Einrichtung: Christian Filips / Luise Meier / Sabine Zielke

Nachspiel:
Befreiung von den Befreiern - Die dritte Revision

Mit Zitaten von Abfukk, Walter Benjamin, Guy Debord, Fjodor Dostojewskij, Christian Filips, Johann Wolfgang von Goethe, Rosa Luxemburg, Parliament-P-Funk, Blaise Pascal, Karl Valentin, Sergej Tretjakov, Bernd Alois Zimmermann
Text: Luise Meier

Besetzung

Mit: Kenan Abouaasi, Nauras Ali, Georg A. Bochow, Jonathan Boudevin, Susanne Bredehöft, Margarita Breitkreiz, Samia Dauenhauer, Magnús Hallur Jónsson, Aniol Canet Kirberg, Ariel Nil Levy, Meredith Nicoll, Benjamin Popson, Silvia Rieger, Emma Rothman, Elias Schockel, Mex Schlüpfer, stefanpaul, Sirje Viise, Hubert Wild, Eva Zwedberg, Ensemble PHØNIX16, Haupt- und Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin, Männer des Staats- und Domchors Berlin, Kammersymphonie Berlin, Chor der Neuen Nachbarschaft Moabit, Faleh Khaless (Oud)

Regie: Christian Filips
Musikalische Leitung: Kai-Uwe Jirka
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Christian Filips, Kostüm-Abteilung
Mitarbeit an Buch / Konzeption: Luise Meier
Musikalische Einrichtung / Ton-Regie: Bo Wiget
Musikalische Einstudierung: Timo Kreuser, Friederike Stahmer
Video: Hanna Francisco
Dramaturgie: Sabine Zielke

Medien

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Mex Schlüpfer als Gott

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