VOLKSBÜHNE
Berlin
Revolver Live! (#54) und VariaVision
Lucrecia Martel – Geheimnisvolle Pracht
08.07

Diskurs
In deutscher Sprache

Lucrecia Martel im Gespräch mit Revolver-Mitherausgeber Christoph Hochhäusler und Nicolas Wackerbarth

Lucrecia Martel, geboren 1966 in Salta, Argentinien, gehört zu den wichtigsten Filmemacherinnen der Gegenwart. Mit ihren bislang vier Spielfilmen LA CIÉNAGA (Der Morast, 2001), LA NIÑA SANTA (Das heilige Mädchen, 2004), LA MUJER SIN CABEZA (Die Frau ohne Kopf, 2008) und ZAMA (Zama, 2017) hat sie eine ganz eigene filmische Welt erschaffen: sinnlich, geheimnisvoll, sanft und grausam. Wir werden mit ihr über ihren kreativen Prozess sprechen, darüber, wie das „Gefühlsgeflecht” ihrer Filme gewebt wird und wie die sensible Balance aus erzählerischen und sinnlichen Fragmenten mit den größeren kulturellen Strömungen unserer Zeit korrespondiert.

In Zusammenarbeit mit Grand Film.


VariaVision
Die Beziehung zwischen Film und darstellenden Künsten ist an der Volksbühne immer wieder neu erfunden worden. Von ihren Ursprüngen bis zur jüngsten Geschichte war die Filmkunst in den Räumen der Volksbühne auf unterschiedliche Weisen zu Hause. Sie ging dabei immer über die Grenzen der Leinwand, über den Bühnenraum hinaus, war immer schon „erweitert“. VariaVision geht es darum, diese Gebiete zu erkunden und einen innovativen Austausch zwischen in Berlin beheimateten und internationalen Festivals, Magazinen und Film-Communities anzuregen.

VariaVision wurde vom Volksbühnen-Kurator Giulio Bursi gegründet und ist eine kollaborative Plattform mit dem Ziel, innovative Film-Arbeiten und Performances von Filmemacher*innen und Künstler*innen zu präsentieren, die über die kanonischen Formate des Filmemachens und der Filmpräsentation hinausgehen.

Besetzung

Kurator: Giulio Bursi

Tickets

08.07.18, 20:00
Roter Salon
> Tickets

Medien

Filmstill Zama (2017). Credit: Rei Cine / Bananeira Filmes / El Deseo / Patagonik

Filmstill Zama (2017). Credit: Rei Cine / Bananeira Filmes / El Deseo / Patagonik

Filmstill Zama (2017). Credit: Rei Cine / Bananeira Filmes / El Deseo / Patagonik

Filmstill Zama (2017). Credit: Rei Cine / Bananeira Filmes / El Deseo / Patagonik

Filmstill Zama (2017). Credit: Rei Cine / Bananeira Filmes / El Deseo / Patagonik

Vergangene Veranstaltungen

06.05: Ein Bild der Komplizenschaft. Filme von Luise Donschen und Helena Wittmann

In Zusammenarbeit mit Acropolis Cinema

Im selben Jahr geboren und weniger als 600 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen haben sich Luise Donschen und Helena Wittmann zu zwei der aufregendsten jungen Filmemacherinnen ihrer Generation entwickelt. In Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden werden beide von einem ähnlichen Filmverständnis geleitet, das sich auf das Bild und seine Fähigkeit bezieht, erfahrbare Wahrheiten zu enthüllen. Ihre Debütfilme, Casanovagen und Drift – offiziell ausgewählt für die Filmfestivals in Berlin und Venedig – zeugen in ganzer Klarheit von ihrer je eigenen und sich doch ergänzenden Vorgehensweise.

An diesem ersten von zwei Abenden mit den Filmemacherinnen steht eine neue, von den beiden speziell für dieses Ereignis kreierte Sound-Performance auf dem Programm. Es folgt Wittmanns 21,3 ° C von 2014, eine schöne wie kluge Meditation (mit Donschen als Darstellerin) über die Fähigkeit des beweglichen Bildes, Zeit zu erfassen und neu zu formulieren. Schließlich folgt Donschens hybrider Spielfilm Casanovagen, eine spielerische Untersuchung des Verlangens (gedreht auf verführerisch haptischem 16mm-Film von Wittmann), die die essentielle Unergründlichkeit des Themas durch alltägliche Absurditäten von Sexualität, Ornithologie, Religion und der Kunst der Repräsentation selbst zum Ausdruck bringt; den Höhepunkt bildet ein Cameo des Schauspielers John Malkovich. Die Filme von Donschen und Wittman, die formal gewagt sind und zum Nachdenken anregen, bieten eine neue Art, sich dem Bild zu nähern und dieses ebenso intuitiv wie bewusst zu betrachten.

Im Anschluss an die Filmvorführung Q&A mit Luise Donschen, dem Filmkritiker Jordan Cronk und dem Filmkurator der Volksbühne Giulio Bursi.

Programm:
Luise Donschen und Helena Wittman, OFF, Sound-Performance
Helena Wittman, 21,3° C, 16mm, Farbe, 16’, 2014
Luise Donschen, Casanovagen, HD, Farbe, 67’, 2018

Alle Filme sind in Deutsch und Englisch mit englischen Untertiteln

Luise Donschen und Helena Wittman, OFF, Sound-Performance
Das Off ist der Raum des Unsichtbaren. Er ist Verheißung. An seiner Grenze zum Konkreten des Bildes kann Spannung entstehen oder große Enttäuschung. Er kann als Einladung für den Zuschauer verstanden werden. Das Bild deutet ihn an und der Ton ist sein Botschafter.

Helena Wittman, 21,3° C, 16mm, Farbe, 16’, 2014
Ein Fenster.
Eine gegenübergelegene Fensterfassade.
Ein Raum. Blumen.
Luise und ein Telefonanruf.
Eine Action-Szene.
Eine Baustelle.
Ein Musiker.
Die Raumtemperatur beträgt 21,3°C.
In 21,3 ° C reduziert Helena Wittmann die filmischen Elemente auf das Wesentliche: Licht, Schatten, Klang, Richtung. Aus diesem Minimum entstehen Geschichten, die verweilen, Atmosphären, die mitschwingen. Nach und nach ist der Betrachter auf sich selbst zurückgeworfen. Durch die gegenüberliegende Fensterfront scheint jemand auf uns zurückzuschauen. Nur die Temperatur bleibt gleich.

„Es entsteht zunächst ein Fokus, dann ein Rhythmus und am Ende steht eine kurze Komposition. Komplizierter ist es nicht, auch nicht einfacher. Ihre Kamera steht still und sieht dabei durch das immer gleiche Fenster. Die Töne von innen und außen fügen und verdichten sich zu Narration. Davor liegt ein Raum, der sich von Einstellung zu Einstellung verändert. Dahinter verfliegt die Zeit.” Angela Schanelec

Luise Donschen, Casanovagen, HD, Farbe, 67’, 2018
Ein Mensch betritt als Vogel verkleidet das Bild, John Malkovich legt in einer Garderobe das Kostüm des Casanovas ab. Der Rock einer jungen Frau ist ebenso orange wie der Schnabel eines singenden Zebrafinken im Käfig. Weiße Lilien stehen zu Füßen der Marienstatue, rote Rosen vor dem Fenster des SM-Studios. Dort das leise Spiel der Unterwerfung gegen Geld, im Museum die Umarmung mit einem Gedicht im Ohr. Ein Wald im Herbst, in dem Kinder spielen. Ein Wald im Sommer, Licht säumt seinen Rand. Ein Orgasmus und ein Tanz. CASANOVAGEN ist ein Film über Begehren.

Luise Donschen wurde 1982 in Berlin geboren. Sie studierte Ethnologie, Germanistik und Film in Hamburg und Belgrad. 2012 machte sie ihren Abschluss an der Hochschule für bildende Künste Hamburg mit dem Kurzfilm MACHT, DASS MIR INNE WIRD, WAS ICH DURCH EUCH VERLOREN HABE! Er lief erfolgreich auf internationalen Filmfestivals. CASANOVAGEN ist ihr Debutfilm.

Helena Wittmann wurde am 5. Oktober 1982 in Neuss, Deutschland geboren. Nach ihrem Studium der Medienwissenschaften und Romanistik in Erlangen und Hamburg besuchte sie ab 2007 die Hochschule für bildende Künste (HFBK) in Hamburg, wo sie 2014 ihren Abschluss machte. Ihre Arbeiten, darunter die Kurzflme WILDNIS (2013) und 21,3°C (2014), wurden international auf Filmfestivals und Ausstellungen gezeigt. Für ihren ersten Langflm DRIFT arbeitete sie eng mit der Ethnologin Teresa George und der Musikerin Nika Breithaupt zusammen.

Jordan Cronk arbeitet als Filmkritiker und Programmierer in Los Angeles. Er gründete im Januar 2016 Acropolis Cinema, eine Screening-Reihe für experimentelle, internationale und nichtverteilte Filme, und ist Co-Direktor des Locarno in Los Angeles Film Festival, jetzt in seiner zweiten Ausgabe. Er schreibt regelmäßig Beiträge zu Cinema Scope, Film Comment und Sight & Sound und schreibt eine monatliche Kolumne über das Repertoire-Kino von Los Angeles für den Hollywood Reporter. Seine Texte wurden auch von Frieze, BOMB, der Village Voice und der Los Angeles Review of Books veröffentlicht. Zusätzlich zu seiner Arbeit mit Acropolis und Locarno in Los Angeles, arbeitet Jordan freiberuflich für die American Cinematheque in Hollywood. Beim 70. Locarno Festival war er Mitglied der ersten Jury von "Signs of Life".

12.04: Arab Fund for Arts & Culture und VariaVision: Un-Spoken. Avo Kaprealian: Letzter Aufruf

Intermediales Theaterstück

Mit: Dana Mikhail

Der syrisch-armenische Regisseur Avo Kaprealian und die libanesisch-deutsche Schauspielerin Dana Mikhail präsentieren Letzter Aufruf (Last Announcement), ein work-in-progress Theaterstück, das auf Kaprealians Philosophie der Fragmente basiert. Das Stück wurde für ein Multimedia-Setting entworfen: Die Videoarbeiten des Künstlers vermischen sich mit Archivmaterial über die Kriege im Nahen Osten. Es erscheinen Bilder aus dunklen Zeiten und Stimmen der Vergangenheit wie die von Martin Heidegger, Comte de Lautréamont und Charles Manson.

„Es gibt so viele Geschichten und so viele dunkle Erinnerungen aus der Vergangenheit, dass zu viele andere im Schweigen untergehen. Wenn es weder eine Hoffnung zum Leben noch eine Notwendigkeit zu sterben gibt, dann beginnt eine lange Reise. Die Möglichkeit auf Veränderung erscheint kraftlos und blass; die Katastrophen gehen weiter und sind lauter hörbar. Die menschliche Natur dreht sich immer weiter und der Geruch des Todes verbreitet sich überall in Form von Mord und Konsum.“ Avo Kaprealian

Avo Kaprealian wurde 1985 in Aleppo geboren. In Theaterwissenschaften und Dramaturgie am Institut für dramatische Kunst in Damaskus ausgebildet, inszenierte er mehrere Theaterstücke in armenischer und arabischer Sprache in Aleppo, Damaskus und Beirut. Seit 2009 arbeitet er als Trainer und Aktivist im Bereich "Interaktives Theater" und "Theater der Unterdrückten" in Syrien und im Libanon. Sein Spielfilm Houses without Doors, der 2016 im Berlinale Forum uraufgeführt wurde, wurde 2016 beim 34. Filmfestival von Turin als bester internationaler Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Un-Spoken ist eine Serie von Gesprächen, Präsentationen und Performances mit arabischen Künstlern und Filmemachern, die in Deutschland und ganz Europa leben. Die Serie untersucht ihre Arbeitsweisen und Prozesse. Die Sprache hängt von den jeweiligen Projekten der Künstler ab. Im Gegensatz zu anderen Reihen, bietet diese Serie einen ganzheitlichen Blick auf das Dekonstruieren, Enthüllen und Nicht-Sprechen. Un-Spoken ist eine Ko-Präsentation von dem Arab Fund for Arts & Culture (als Teil der Arab European Creative Platform) und der Volksbühne (als Teil von VariaVision) Serie und wird von Rasha Salti und Giulio Bursi ko-kuratiert.

Foto: Ali Zreik

08.02: Arab Fund for Arts & Culture und VariaVision präsentiert: Un-spoken

Mit: Khaled Abdelwahed und Rasha Salti

Basierend auf Auszügen aus Khaled Abdelwaheds Film und Videoarbeiten Jellyfish und Backyard, werden Fragen über Image-Erschaffung, Urheberschaft und Subjektivität in Zeiten des bewaffneten Konflikts diskutiert und in den Kontext der radikalen Transformation, die das Internet hervorgerufen hat, gesetzt. Ein besonderes Augenmerk wird auf den Krieg in Syrien gelegt.

Khaled Abdulwahed wurde 1975 in Homs (Syrien) geboren. Er ist bildender Künstler, Fotograf und Filmemacher. Kurzfilme wie Bullett (2012), Tuj (2013) und Slot in Memory (2013) wurden weltweit gezeigt. Als Filmemacher und Künstler interessiert sich Abdelwahed vor allem für die Arbeitsweise und das Gedankengut von syrischen Fotografen sowie für die sich ändernde Rolle von Fotografie und Repräsentation.

Un-Spoken ist eine Serie von Gesprächen, Präsentationen und Performances mit arabischen Künstlern und Filmemachern, die in Deutschland und ganz Europa leben. Die Serie untersucht ihre Arbeitsweisen und Prozesse. Die Sprache hängt von den jeweiligen Projekten der Künstler ab. Im Gegensatz zu anderen Reihen, bietet diese Serie einen ganzheitlichen Blick auf das Dekonstruieren, Enthüllen und Nicht-Sprechen. Un-Spoken ist eine Ko-Präsentation von dem Arab Fund for Arts & Culture (als Teil der Arab European Creative Platform) und der Volksbühne (als Teil von VariaVision) Serie.

12.11: Country Grammar + Electro-Pythagorus

Luke Fowler, Country Grammar (mit Sue Tompkins), Großbritannien, 2017, 16mm, digitalisiert, 18’ (Deutsche Erstaufführung)
Sue Tompkins, Country Grammar (2003-2017), Live-Performance in Verbindung mit Film Screening

Basierend auf Texten, die speziell für die erste, nie-wiederholte Solo-Performance von Sue Tompkins geschrieben wurden, kreieren die zwei in Glasgow lebenden Künstler*innen einen neuen, von Luke Fowler aufgenommenen Film. Dieser besteht aus flüchtigem, spontan gefilmten Material, das im Sommer 2017 in Tonstudios, öffentlichen Gärten, bei den Künstler*innen Zuhause und auf den Straßen in der Umgebung entstanden ist. Dabei handelt es sich um ein neues Projekt der britischen Künstlerin, die andere Filmemacher*innen und Künstler*innen einlädt, mit ihrem eigenem visuellem Material auf Tompkins‘ Sound- und Performance-Stücke zu antworten. Bild und Ton werden im Schnitt kombiniert, um dem Ursprungstext neue Assoziationen und Bedeutungen zu verleihen.

Luke Fowler, Electro-Pythagorus: A Portrait of Martin Bartlett, Großbritannien/Kanada, 2017, 16mm zu HD transferiert, 45’ (Deutsche Erstaufführung)

Luke Fowlers letzter Film ist eine Hommage an die Arbeit und musikalischen Ideen von Martin Bartlett, ein experimenteller kanadischer Komponist, der von David Tudor und John Cage inspiriert wurde, die in den 1970ern und 1980ern die Benutzung von „Microcomputern“ vorangetrieben haben. Das Leben und die Arbeit des einflussreichen, jedoch wenig bekannten Komponisten werden „durch den liebevoll konstruierten, biografischen Essay wiederbelebt. Archiviertes Material zeigt Bartlett Zuhause, bei der Arbeit und auf der Bühne, während die Reflexionen des offen schwulen Komponisten über seinen Platz in der homosexuellen Gemeinschaft der Zeit vorgelesen werden und dem Film das Gefühl einer intimen, ganzheitlichen und persönlichen Geschichte geben.“ (NY Film Festival). Bartlett, der 1993 an den Folgen einer Aidserkrankung starb, hat einen wichtigen und originellen Beitrag zur Entwicklung von elektronischer Livemusik geleistet. Sowohl mit theatralischen Mitteln als auch in Mixed-Media-Umgebungen arbeitend, erschuf er elegante und offene Interaktionsräume für Instrumentalist*innen und computergesteuerte Synthesizer.

Gefolgt von einer Frage und Antwort Runde mit den Künstlern und Kuratoren. Die Performance und der Film sind in Englisch.

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