VOLKSBÜHNE
Berlin
VariaVision
Ein Bild der Komplizenschaft.
Filme von Luise Donschen und Helena Wittmann
06.05
Roter Salon

Film, Performance, Diskurs

In Zusammenarbeit mit Acropolis Cinema

Im selben Jahr geboren und weniger als 600 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen haben sich Luise Donschen und Helena Wittmann zu zwei der aufregendsten jungen Filmemacherinnen ihrer Generation entwickelt. In Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden werden beide von einem ähnlichen Filmverständnis geleitet, das sich auf das Bild und seine Fähigkeit bezieht, erfahrbare Wahrheiten zu enthüllen. Ihre Debütfilme, Casanovagen und Drift – offiziell ausgewählt für die Filmfestivals in Berlin und Venedig – zeugen in ganzer Klarheit von ihrer je eigenen und sich doch ergänzenden Vorgehensweise.

An diesem ersten von zwei Abenden mit den Filmemacherinnen steht eine neue, von den beiden speziell für dieses Ereignis kreierte Sound-Performance auf dem Programm. Es folgt Wittmanns 21,3 ° C von 2014, eine schöne wie kluge Meditation (mit Donschen als Darstellerin) über die Fähigkeit des beweglichen Bildes, Zeit zu erfassen und neu zu formulieren. Schließlich folgt Donschens hybrider Spielfilm Casanovagen, eine spielerische Untersuchung des Verlangens (gedreht auf verführerisch haptischem 16mm-Film von Wittmann), die die essentielle Unergründlichkeit des Themas durch alltägliche Absurditäten von Sexualität, Ornithologie, Religion und der Kunst der Repräsentation selbst zum Ausdruck bringt; den Höhepunkt bildet ein Cameo des Schauspielers John Malkovich. Die Filme von Donschen und Wittman, die formal gewagt sind und zum Nachdenken anregen, bieten eine neue Art, sich dem Bild zu nähern und dieses ebenso intuitiv wie bewusst zu betrachten.

Im Anschluss an die Filmvorführung Q&A mit Luise Donschen, dem Filmkritiker Jordan Cronk und dem Filmkurator der Volksbühne Giulio Bursi.

Programm:
Luise Donschen und Helena Wittman, OFF, Sound-Performance
Helena Wittman, 21,3° C, 16mm, Farbe, 16’, 2014
Luise Donschen, Casanovagen, HD, Farbe, 67’, 2018

Alle Filme sind in Deutsch und Englisch mit englischen Untertiteln

Luise Donschen und Helena Wittman, OFF, Sound-Performance
Das Off ist der Raum des Unsichtbaren. Er ist Verheißung. An seiner Grenze zum Konkreten des Bildes kann Spannung entstehen oder große Enttäuschung. Er kann als Einladung für den Zuschauer verstanden werden. Das Bild deutet ihn an und der Ton ist sein Botschafter.

Helena Wittman, 21,3° C, 16mm, Farbe, 16’, 2014
Ein Fenster.
Eine gegenübergelegene Fensterfassade.
Ein Raum. Blumen.
Luise und ein Telefonanruf.
Eine Action-Szene.
Eine Baustelle.
Ein Musiker.
Die Raumtemperatur beträgt 21,3°C.
In 21,3 ° C reduziert Helena Wittmann die filmischen Elemente auf das Wesentliche: Licht, Schatten, Klang, Richtung. Aus diesem Minimum entstehen Geschichten, die verweilen, Atmosphären, die mitschwingen. Nach und nach ist der Betrachter auf sich selbst zurückgeworfen. Durch die gegenüberliegende Fensterfront scheint jemand auf uns zurückzuschauen. Nur die Temperatur bleibt gleich.

„Es entsteht zunächst ein Fokus, dann ein Rhythmus und am Ende steht eine kurze Komposition. Komplizierter ist es nicht, auch nicht einfacher. Ihre Kamera steht still und sieht dabei durch das immer gleiche Fenster. Die Töne von innen und außen fügen und verdichten sich zu Narration. Davor liegt ein Raum, der sich von Einstellung zu Einstellung verändert. Dahinter verfliegt die Zeit.” Angela Schanelec

Luise Donschen, Casanovagen, HD, Farbe, 67’, 2018
Ein Mensch betritt als Vogel verkleidet das Bild, John Malkovich legt in einer Garderobe das Kostüm des Casanovas ab. Der Rock einer jungen Frau ist ebenso orange wie der Schnabel eines singenden Zebrafinken im Käfig. Weiße Lilien stehen zu Füßen der Marienstatue, rote Rosen vor dem Fenster des SM-Studios. Dort das leise Spiel der Unterwerfung gegen Geld, im Museum die Umarmung mit einem Gedicht im Ohr. Ein Wald im Herbst, in dem Kinder spielen. Ein Wald im Sommer, Licht säumt seinen Rand. Ein Orgasmus und ein Tanz. CASANOVAGEN ist ein Film über Begehren.

Luise Donschen wurde 1982 in Berlin geboren. Sie studierte Ethnologie, Germanistik und Film in Hamburg und Belgrad. 2012 machte sie ihren Abschluss an der Hochschule für bildende Künste Hamburg mit dem Kurzfilm MACHT, DASS MIR INNE WIRD, WAS ICH DURCH EUCH VERLOREN HABE! Er lief erfolgreich auf internationalen Filmfestivals. CASANOVAGEN ist ihr Debutfilm.

Helena Wittmann wurde am 5. Oktober 1982 in Neuss, Deutschland geboren. Nach ihrem Studium der Medienwissenschaften und Romanistik in Erlangen und Hamburg besuchte sie ab 2007 die Hochschule für bildende Künste (HFBK) in Hamburg, wo sie 2014 ihren Abschluss machte. Ihre Arbeiten, darunter die Kurzflme WILDNIS (2013) und 21,3°C (2014), wurden international auf Filmfestivals und Ausstellungen gezeigt. Für ihren ersten Langflm DRIFT arbeitete sie eng mit der Ethnologin Teresa George und der Musikerin Nika Breithaupt zusammen.

Jordan Cronk arbeitet als Filmkritiker und Programmierer in Los Angeles. Er gründete im Januar 2016 Acropolis Cinema, eine Screening-Reihe für experimentelle, internationale und nichtverteilte Filme, und ist Co-Direktor des Locarno in Los Angeles Film Festival, jetzt in seiner zweiten Ausgabe. Er schreibt regelmäßig Beiträge zu Cinema Scope, Film Comment und Sight & Sound und schreibt eine monatliche Kolumne über das Repertoire-Kino von Los Angeles für den Hollywood Reporter. Seine Texte wurden auch von Frieze, BOMB, der Village Voice und der Los Angeles Review of Books veröffentlicht. Zusätzlich zu seiner Arbeit mit Acropolis und Locarno in Los Angeles, arbeitet Jordan freiberuflich für die American Cinematheque in Hollywood. Beim 70. Locarno Festival war er Mitglied der ersten Jury von "Signs of Life".

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06.05.18, 20:00
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