VOLKSBÜHNE
Berlin
Susanne Kennedy
Women in Trouble

Stationendrama
Schauspiel
150 Min
Englisch mit deutschen Übertiteln

Die Bühne dreht sich. Angelina Dreem Eins trägt eine Latex-Maske mit langen schwarzen Haaren. Sie sitzt auf einem Sofa in hochglänzender Reality-TV-Ästhetik und rekelt sich in Pose. Das Bühnendisplay dreht sich weiter. Set zwei zeigt Fitnessgeräte und Wellnessbereich, Angelina Dreem Zwei fährt in einen Tomografiescanner.

Angelina Dreems Leben ist eine Soap. Aber ihr Leben ist auch real. Angelina Dreem ist krank. Sie hat Krebs. Im Laufe des Stückes existieren immer neue Doppelgänger von ihr, die von einer Rabbit-Hole-Realität in die andere fallen. Älter werden, Frau sein, sie/man selbst bleiben, sich selbst dann doch wieder austreiben. Die Frage in Women in Trouble ist, ob es etwas zu lernen gibt. Kann das nächste Leben ein besseres Leben werden?

„Was mich überhaupt nicht interessiert, ist Ironie.“ Susanne Kennedy, 1977 geboren, traut dem Theater nicht recht. Oder anders: Sie will zurück zum Kern des Theaters. Deshalb setzt sie ihren Schauspielern Masken auf und spielt Text als Voice-Over vom Band. Gegen die Präsenz, die die Bühne so schwer wiegen lässt, und die im richtigen Moment doch den Beweis liefert, dass uns das Ritual des Theaters auch nach 2500 Jahren noch immer alles sagen kann. Kennedy ist dem Tod auf der Spur. Ihre Operninszenierung Orfeo (2015) hat den Untertitel „Eine Sterbeübung“ und auch ihre aktuelle Regiearbeit Die Selbstmord-Schwestern (2017), nach Jeffrey
Eugenides’ Roman The Virgin Suicides, blickt aus der Perspektive des Todes auf das Leben.

Warum muss Medea ihre Kinder immer wieder ermorden, warum muss Hamlet immer wieder sterben? „Wir haben das Bedürfnis, an einem Ort zusammenzukommen, um mitzuerleben, wie Menschen lieben, leiden, morden, sterben. Schauspieler sind wie Stalker, sie nehmen uns mit in einen Raum der Wünsche. Sie sind ortskundig, wo wir uns fremd fühlen“, glaubt Kennedy. Mit der Marieluise-Fleißer-Bearbeitung Fegefeuer in Ingolstadt (2013) und der Fassbinder-Adaption Warum läuft Herr R. Amok? (2014) wurde sie an den Münchner Kammerspielen zu einer der gefragtesten Theatermacherinnen der Republik. In Women in Trouble karussellen die Double durch keimfreie Kulissen: Ist es ein hyperrealistisches Scientology-Center, eine virtuelle Krebsklinik – oder schon das Nachleben?

Seit über 15 Jahren beschäftigt uns die Idee des Anthropozäns. Sie besagt, dass die Menschheit zu einem geologischen Faktor geworden ist. Wir kratzen nicht nur an der Oberfläche der Natur, sondern verändern sie tiefgreifend. Natur und Kultur, Lebewesen und technische Objekte bilden ein neuartiges Kräfteverhältnis. Kennedy sagt, es gälte in diesem Moment loszulassen: „Das Subjekt ist doch kein Thema mehr! Die Dinge, die wir mal erfunden haben, um den Menschen auf der Bühne zu repräsentieren, greifen nicht mehr. Sich selbst zu finden, heißt, sich selber zu verlieren.“
In ihrer ersten Inszenierung für die Volksbühne entwickelt die Regisseurin Vervielfältigungskabinette, in denen aufgesplitterte Menschen in ungeschönter Menschlichkeit sichtbar werden. Mit jeder Umdrehung verändert sich die Matrix.

Koproduktion: Theater Rotterdam

Copyright:
Gilles Deleuze & Felix Guattari, Anti-Oedipus. Capitalism and Schizophrenia, übers. v. Robert Hurley.New York, 1977 / Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie, übers. v. Bernd Schwibs. Frankfurt am Main, 1974. Les Éditions de Minuit und Suhrkamp Verlag

John Cassavetes, Opening Night, Drehbuch, USA, 1977 / Opening Night, übers. v. Brigitte Landes,S. Fischer Verlag Theater & Medien

Antonin Artaud, The Theatre and its Double, übers. v. Mary Caroline Richards. New York, 1958. / Das Theater und sein Double, übers. v. Gerd Henniger. Matthes & Seitz. Berlin, 2012

Aufführungsrechte mit freundlicher Genehmigung der Verlage.
Dank an Angelina Dreem, Margaret V Haines und Apichatpong Weerasethakul.

Besetzung

Mit: Suzan Boogaerdt, Marie Groothof, Niels Kuiters, Julie Solberg, Anna Maria Sturm, Bianca van der Schoot, Thomas Wodianka

Regie & Text: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Lotte Goos
Licht: Rainer Casper
Video: Rodrik Biersteker
Ton: Richard Janssen

Pressestimmen

„Susanne Kennedy gelingt mit „Women in Trouble“ ein bildgewaltiges Requiem auf die Menschheit“. Süddeutsche Zeitung

Mounia Meiborg, 02.12.17

„Die Volksbühne will eine Vordenkerin für ein neues Theater sein. Mit Susanne Kennedy und ihrem optimistischen Abend «Women in Trouble» löst der schwierig gestartete Intendant Chris Dercon dieses Versprechen ein.“ Neue Zürcher Zeitung

Daniele Muscionico, 01.12.17

„An diesem Abend in der Volksbühne durften die Zuschauer die Eleganz, die Komik und die Intelligenz einer nahezu perfekt ausgeklügelten Bühnenschöpfung bewundern, die eine Gegenwelt herbeihalluziniert, in der Krankheit und Tod und Gott ihre Schrecken verloren haben. Ein spektakulärer Knüller im Haus des neuen Theaterchefs Chris Dercon." Spiegel Online

Wolfgang Höbel, 01.12.17

Diese extreme Reduktion der theatralischen Mittel macht es dem Zuschauer sicherlich nicht einfach. Sie macht Women in Trouble aber auch auf eine quälend interessante Weise subtil.“ Zeit Online

Tobias Haberkorn, 01.12.17

Medien

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Foto: Julian Röder

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