VOLKSBÜHNE
Berlin
Samuel Beckett/Tino Sehgal
10.–12.11.17
Großes Haus

Schauspiel, Bildende Kunst, Neue Musik
Open end

Zur Eröffnung zeigt die Volksbühne drei Einakter von Samuel Beckett in der Regie von Walter Asmus und Arbeiten von Tino Sehgal in einem Abend über Kunst und Sprache. Das gesamte Haus wird bespielt – die Bühne, der Saal, die Foyers – mit unterschiedlichen Formaten, Situationen und Formen der Interaktion.

Beckett entwirft in seinen Monologen eine neue Form des Sprechtheaters. Es sind literarisch-poetische Kompositionen, die einen expliziten Werkcharakter beanspruchen. Er setzt sich hier mit denmentalen Räumen des Theaters oder des Fernsehens auseinander, die mitbestimmen, wie wir Sprache verstehen und einsetzen. Not I (Nicht Ich, 1972) ist einer der radikalsten Theaterentwürfe des 20. Jahrhunderts: minimalistisch verdichtet, fragmentiert, monologisch und doch polyphon. Footfalls (Tritte,1976) und Eh Joe (He, Joe, 1966) sind strenge Arrangements, in denen Sehen und Hören gegeneinander ausgespielt werden und eines bleibt: die Stimme. Alle drei Stücke werden von Walter Asmus inszeniert, der seit Ende der 70er Jahre Becketts Stücke weltweit inszeniert. Mit seiner Konzentration auf die vom Autor kompositorisch und konzeptionell festgelegten Wahrnehmungsprozesse hat er einen Inszenierungsstil entwickelt, der durch seine reduzierte Bild- und Sprachregie das Nahverhältnis Samuel Becketts zur Bildenden Kunst, zum Film und zur Musik erfahrbar macht.

Tino Sehgal steht für eine radikale Neubestimmung der Kunst und ihrer Erfahrung. Seine üblicherweise in Ausstellungen gezeigten Arbeiten nehmen erst in dem Moment Gestalt an, in dem der Zuschauer ihnen begegnet. Seit 2000 konstruiert der Berliner Künstler Live-Situationen und Konversationstücke, in denen Interpreten über Gespräche oder Gesang mit Besuchern in Kontakt treten. Seine ersten Tanzstunden hat er Mitte der 1990er Jahre bei der Kresnik-Tänzerin Liliana Saldaña beim Jugendtheater P14 absolviert, seine ästhetische Sozialisierung in Aufführungen von Kresnik und Schlingensief in der Volksbühne erfahren. „Als 19-Jähriger habe ich in der Volksbühne verstanden, dass in der Kunst erst einmal alles möglich ist. Das hört sich vielleicht banal an, war aber prägend“, sagt Sehgal.

Was Beckett und Sehgal teilen, ist die Verbindung von Aufführungsgeschehen und Kunstanspruch. Beide situieren sich in Relation zu den Traditionen des Theaters und der Kunst, über die sie zugleich hinausgehen. Ihr Aufeinandertreffen ist ein Dialog unterschiedlicher Ansätze über Kunst und Sprache: eine spätmoderne, existenziell durchwirkte Poetik trifft auf ein künstlerisches Sprechen, das den Dialog mit den Besuchern sucht, um Denkfiguren und grundlegende Strukturen unserer Zeit zu verhandeln.

Foto: Landesarchiv Berlin, Oskar Kaufmann, um 1933

Besetzung Beckett

Mit: Anne Tismer, Morten Grunwald

Regie: Walter Asmus
Bühne & Kostüme: Alex Eales

Besetzung Sehgal

Verschiedene Arbeiten von Tino Sehgal
U.a. mit Nikita Broadbent, Wiley Joy, Simone Kanda und Frank Willens

Musik: Andreas Karperyd, Ari Benjamin Meyers sowie Arbeiten von Pierre Huyghe und Philippe Parreno

Medien

Illustration: Klaus Roth

Foto: Østre Gasværk Teater, Christina Hauschildt

Foto: Klaus Roth

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