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Diaspora Europa:
Hitler Baby One More Time
von Dor Aloni und Raban Witt
11./12.12.20

Schauspiel

Als mein Bruder klein war, habe ich ihm immer gesagt: "Gehe lieber nicht duschen, wenn es draußen dunkel ist. Denn manchmal, wenn man im Dunkeln duscht, kommt Hitler und öffnet die Gasleitung." Mein Bruder wollte dann gar nicht mehr duschen, bis er 12 war.

Dor Aloni inszeniert sich selbst und fragt nach dem Zusammenhang von kollektivem Trauma und individueller Identität. Auf der Suche nach dem Bösen in sich und uns folgt der Regisseur und Schauspieler den Fährten seiner Erinnerung: vom jemenitisch-jüdischen Elternhaus über die israelische Armee hin zur Begegnung mit Hitler in einem Münchner Fernsehgeschäft und zurück zur Auseinandersetzung mit der eigenen Familie. Seine eigene Geschichte dient ihm als Material eines großen Schwindels. Die Kunst wird zum Ort der Rebellion und zur Waffe gegen die Rollenzuschreibungen der Erinnerungskultur.

In seinem Spiel lässt Aloni das Publikum teilhaben an der Erfahrung einer scheinbar nie endenden Suche nach etwas wie der eigenen Bedeutung. Er nutzt den Theaterraum als Experimentierfeld, um Fantasien und Erinnerungen zugleich für einen Moment real werden zu lassen.

Regie & Schauspiel: Dor Aloni
Musik: Gil Abramov
Bühne: Mara-Madeleine Pieler
Kostüm: Christina Geiger
Dramaturgie: Valentina Tepel
Video: Benjamin Hassmann, Mohammad Poori
Besonderer Dank an Theresa Schlesinger


Diaspora Europa
10.12.–12.12.20

Kuratiert von Shelly Kupferberg und Tímea Junghaus
In Kooperation mit dem European Roma Institute for Arts and Culture e. V. (ERIAC)

Allesamt haben sie eine Geschichte in Europa und sind Teil und Kultur dieses Kontinents. Doch gleichermaßen vereinen sie auch Ausgrenzung, Differenzerfahrungen, Verklärung und Diffamierung: Diaspora Europa vereint unterschiedliche zeitgenössische Perspektiven von Rom*nja, Sinte*zza und Jüd*innen auf das Hier und Jetzt.

Ursprünglich zum 8. und 9. Mai geplant, sollte Diaspora Europa – gemeinsam mit dem Projekt Die Ermittlung 2020 nach Peter Weiss über den Auschwitz-Prozess in Frankfurt/Main – zu einer künstlerischen Auseinandersetzung anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom deutschen Nationalsozialismus und des Europa-Tages einladen. Wir sehen mit Erschrecken, wie schnell sich in einem krisenhaften Jahr wie 2020 alte, auch bereits totgeglaubte Vorurteile wie ein Gespenst in gesellschaftliche Diskurse mischen.

Diaspora Europa legt den Fokus darauf, die Communities selbst dazu Stellung nehmen zu lassen, eigene Sichtweisen und Narrative in Bezug auf Europa und seine Geschichte zu präsentieren. Dafür haben die Journalistin Shelly Kupferberg und die Leiterin des European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) Tímea Junghaus Künstler*innen unterschiedlichster Genres eingeladen, um ihre Arbeiten zu zeigen. Erinnerungserzählungen, Identitäten, Verortungen, Befragungen und Visionen zum Zusammenleben in Europa werden kaleidoskopartig in Form von Performances, Gesprächen und Musik präsentiert, zur Diskussion gestellt und letztlich zelebriert. Hier soll es darum gehen, Schnittmengen gemeinsamer Erfahrungen zu artikulieren und – rund um den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember – mit gemeinsamer Stimme in Vielfalt in einen Dialog mit dem Publikum zu treten.

Die Videoinstallation Jews News Today von Moritz Richard Schmidt und Max Czollek im Parkettcafé ist vor und nach den Veranstaltungen zugänglich.

Mit freundlicher Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung

11.12.20, 18:00

12.12.20, 16:00

Medien

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