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DIE SCHUTZBEFOHLENEN
von Elfriede Jelinek

Schauspiel

Als sich 2012 vor der Wiener Votiv-Kirche eine Gruppe Asylbewerber zum Protest gegen die unerträglichen Lebensbedingungen in dem ihnen zugewiesenen Auffanglager versammelten, erklomm die Autorin Elfriede Jelinek einen nahestehenden Hochsitz und machte die Öffentlichkeit auf den unangekündigten Besuch einer wahren Rarität aufmerksam: „Die Menschenwürde kommt jetzt auch, da kommt sie!, machen Sie ein Foto, schnell, bevor sie wieder weg ist!“ Doch niemand drückte den Auslöser. Und so verschwand die Menschenwürde in Windeseile und Elfriede Jelinek füllte die entstandene Leerstelle mit einer wütenden und hochvirtuosen Suada über eine beispiellose Kettenreaktion humanitären Versagens an den Außengrenzen Europas. Immer wieder überblendete die Autorin ihren Text mit Aischylos‘ Tragödie „Die Schutzflehenden“ und ergänzte ihn über mehrere Jahre hinweg mit fünf zusätzlichen Kapiteln. „Die Schutzbefohlenen“ waren zu keinem Zeitpunkt ein Stück der Stunde, sondern Auftakt zu einer dramatischen Langzeitbeobachtung, deren endgültige Ergebnisse bis heute noch nicht vorliegen. Eines jedoch lässt sich zweifelsfrei sagen: die Menschenwürde ist seitdem nicht mehr aufgetaucht. Und sie ist auch nicht in Sicht. Anlass genug für den Regisseur Stefan Pucher, sich mit dem Text der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin auseinanderzusetzen und dabei das Total aller zwischen 2012 und 2016 entstandenen Erweiterungen in den Blick zu nehmen. Und wer weiß, vielleicht schreibt Elfriede Jelinek in den kommenden Monaten einen ganz neuen Anhang? Es wäre äußerst wünschenswert. Und bitter nötig.

Besetzung
Regie: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Dramaturgie: Malte Ubenauf

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