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Metamorphosen [overcoming mankind]
nach Ovid & Komplizen

Schauspiel

Ist die Menschheit noch zu retten? In einer Beschleunigung ungeahnten Ausmaßes steuert die Erde unaufhaltsam ihrem menschenverschuldeten Untergang entgegen. Für unmöglich gehaltene Katastrophenszenarien, wie sie im Genre des Science-Fiction ausgemalt werden, sind zu unserer verstörenden Realität geworden: Klimakatastrophen, der Raubbau an der Natur und die damit einhergehende irreversible Zerstörung ökologischer Lebensgrundlagen sowie die Gefahr einer Vernichtung der Spezies Mensch durch tödliche Virusinfektionen. Längst leben wir in den Ruinen des Anthropozäns. Aber muss die Spezies Mensch deshalb am Ende ihrer Tage stehen? Oder ist das Anthropozän auch nur eine Stufe einer fortwährenden evolutionären Verwandlung? Was kommt nach dem Menschen? Und welche Optionen eröffnen sich für die Gestaltungsmöglichkeiten einer zukünftigen Gesellschaft?

In gut 250 Verwandlungsgeschichten, die Ovid vor etwa 2000 Jahren im Rückgriff auf die griechische Mythologie zu einem poetischen Meisterwerk verbunden hat, entwickelt er einen Geschichtskosmos über das Menschsein in seiner Entfaltung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ovid beschreibt die Entstehung der Welt aus dem Chaos, die Erschaffung des Menschen als Krone der Schöpfung im Goldenen Zeitalter und eine große Sintflut als Abgesang auf das Menschengeschlecht. Als Strafe für ihr Zerstörungswerk auf der Erde vernichtet Jupiter die gesamte Spezies und leitet ein neues Zeitalter ein, das nicht von anthropozentrischer Vernunft bestimmt ist. Wann immer Ovids Helden und menschenähnliche Götter in Not geraten oder einen utopischen Zustand herbeisehnen, überwinden sie die biologisch-genetischen Grenzen des Menschseins und verwandeln sich in Pflanzen, Tiere, Steine.

Wie lässt sich auf den gedanklichen Spuren Ovids Zukunft anders als dystopisch denken? Wie lässt sich eine imaginäre Zukunft konstruieren, die den Blick auf die zerrüttete Gegenwart schärft und posthumane Existenzweisen erprobt? In einem spekulativen Gedankenexperiment macht sich die Regisseurin Claudia Bauer mit ihrem Ensemble auf die Suche nach Erzählungen über das Menschsein außerhalb der Fabel des ‚Menschen in seiner Geschichte’. So finster der Weltzustand auch ist, eines ist klar: Das Ende des Anthropozäns muss nicht das Ende der Welt bedeuten.

Besetzung
Mit: Malick Bauer, Katja Gaudard, Amal Keller, Mathis Reinhardt, Emma Rönnebeck, Teresa Schergaut, Hubert Wild sowie den Musikern Valentin Butt, Andrew Krell, Andrej Ugoljew

Regie: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Patricia Talacko
Musikalische Leitung: Hubert Wild
Video: Jan Isaak Voges
Sounddesign: Alexandra Holtsch
Dramaturgie: Daniel Richter

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