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Aude Pariset
Émissions nocturnes
18.06.
LVX

Bildende Kunst

Ausstellungseröffnung: 18.06.20, 19:00
Laufzeit der Ausstellung: 19.06. – 23.08.20, 24 / 7
LVX. Pavillon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Aude Pariset hat zwei unterschiedlich große Bettdecken in den Pavillon gehängt. Diese rahmen mehrere Bilder von im Stau stehenden Autos: Die Bildausschnitte zeigen den sich schlängelnden, dichten Verkehr, der leicht verschwommen und pomadig auf die flauschigen Oberflächen gedruckt wurde, die sonst Körper umhüllen und in den Schlaf begleiten. Die Autos fahren Richtung Horizont – vielleicht in den nächsten Sommerurlaub, so meine Fantasie, und prompt weicht die Realität aus Feinstaub und Frustration sentimentalen Erinnerungen an weite Reisen. Der Stau als Sehnsuchtsort – kein Wunder, wird er von Pariset doch wie auf einem Werbebanner präsentiert. Der Wunsch nach Fortbewegung bei gleichzeitiger Stagnation – alle Passagiere sitzen separiert in ihren kleinen Blechzellen, gemeinsam auf dem Weg in eine verschmutzte Zukunft. Apropos: Wussten Sie, dass ein nächtlicher Samenerguss auch „Pollution“ genannt, also als Verschmutzung bezeichnet wird? Im Englischen nennt man ihn auch „nocturnal emission“, während man im Französischen „pollution nocturne“ sagt. Bei Emissionen denke ich natürlich sofort an Umweltverschmutzung. An Dieselskandal und Treibhausgase. Dazu passt, dass die Qualität und Quantität von Spermien in den letzten 50 Jahren nicht zuletzt wegen vermehrter schädlicher Umwelteinflüsse drastisch abgenommen hat. Die Reproduktionsrate und der Klimawandel stehen also gleichermaßen in einem ursächlichen Zusammenhang mit Teilchenausstößen in die Umwelt. Die menschliche Spezies bewegt sich auf ihren Untergang zu. Ansonsten bewegt sich gerade nicht viel...

Aude Pariset (*1983, Frankreich) lebt und arbeitet in Berlin.
Einzelausstellungen: Cell Project Space, London; Kunstverein Nürnberg und Sandy Brown, Berlin. Gruppenausstellungen: Futur, ancien, fugitif, Palais de Tokyo; Crash Test, La Panacée; A Good Neighbour, 15th Istanbul Biennial und ARS17, Museum of Contemporary Art Kiasma.

Kuratorin & Text: Elodie Evers
Assistenz: Léonie Pflimlin

Die Ausstellung wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

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