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Diaspora Europa:
The Day I am Free. The Story of Katarina Taikon
29.03.

Film, Diskurs
In englischer Sprache

Mit Expert*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen sprechen Tímea Junghaus, Leiterin des European Roma Institute for Arts and Culture, und Journalistin Shelly Kupferberg in der Veranstaltungsreihe Diaspora Europa über die Geschichte und Gegenwart der jüdischen Gemeinschaft und der Gemeinschaft der Sinti und Roma.

Katarina Taikon has been compared to Martin Luther King. Born in 1932, she was a Swedish Roma civil rights activist and author of the famous children’s books series “Katitzi”. Through her work, Taikon came to change the course of Swedish history. The documentary film “Taikon” paints a dramatic and vivid portrait of one of the most important advocates of human rights in 20th century Europe, set against the backdrop of the developing Swedish welfare state. The film, directed by Gellert Tamas and Lawen Mohtadi, is based on Mohtadi’s acclaimed biography of Katarina Taikon, “The Day I Will Be Free” (Natur & Kultur, 2012).

The film screening of “Taikon” will be followed by a panel discussion about the life, legacy and movement generated by Katarina Taikon, with guests: Lawen Mohtadi, journalist and writer, Maria Lind, curator, moderated by Anna Mirga-Kruszelnicka, deputy director of the European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC).

Lawen Mohtadi is a writer, editor and documentary filmmaker. She has worked for numerous Swedish media outlets and has been an editor of several culgtural journals, including the feminist magazine “Bang”. She is the author of the biography of Katarina Taikon, “The Day I am Free”. When first published in 2012, the book gained critical acclaim and won 4 awards. Along with Gellert Tamas she is the co-director and co-writer of the 2015 documentary “Taikon – the Untold Story of a Roma Freedom Fighter”, which is based on her biography. Mohtadi is currently a senior editor at Natur&Kultur publishing house.

Maria Lind is a curator, writer, and educator based in Stockholm and Berlin. From 2011 to 2018 she was the director of Tensta konsthall in Stockholm. In addition, she has served as artistic director of the 11th Gwangju Biennale, director of the graduate program at the Centre for Curatorial Studies at Bard College, and as director of IASPIS in Stockholm. She has taught widely since the early 100s, including as a professor of artistic research at the Oslo National Academy of the Arts. She is the 2009 recipient of the Walter Hopps Awards for Curatorial Achievement. Recently, she curated the exhibition “Katitzi – a Literary Character Rooted in Reality” at the European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) in Berlin.

Dr. Anna Mirga-Kruszelnicka is an anthropologist and Roma activist, born in 1985 in Cracow/Poland. She earned her Ph.D. in Social and Cultural Anthropology at the Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) in 2016. She holds an MA in European Integration from UAB and an MA in Comparative Studies of Civilizations from the Jagiellonian University in Cracow (UJ). She is the author of policy evaluations, reports, and articles, and is the co-editor of the book Education for Remembrance of the Roma Genocide: Scholarship, Commemoration and the Role of Youth (Libron, 2015). She has been an employee, member, founder, and collaborator of numerous Roma organizations in Poland and Spain. From 2008 to 2012 she was the European project coordinator at the Federation of Roma Associations in Catalonia (FAGIC). From 2013 to 2015 she was an Open Society Foundations Roma Initiatives Fellow, conducting a comparative study of the Roma associative movements in various countries of Latin America and Europe. From 2015 to 2017 she was the coordinator and curator of the Academic Section (aka. Roma Civil Rights Movement Section) in the RomArchive – Digital Archive of the Roma. Between 2017-2018 she was a Post-Doctoral Research Fellow of the Romani Studies Program at the Central European University (CEU) in Budapest.

Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe Diaspora Europa, die vom Europäischen Roma Institut für Kunst und Kultur (ERIAC) und der Volksbühne Berlin anlässlich des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkrieges organisiert wird. Die Veranstaltungsreihe versammelt jüdische und Roma/Sinti Communities, um die poetologischen und politischen Dimensionen der Diaspora-Zugehörigkeit im heutigen Europa zu erforschen.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.


Vergangene Veranstaltungen

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Mit Samira Hodaei und Arlette-Louise Ndakoze
Moderation: Laura Beck

Im Rahmen von

Berlin, Volksbühne, 24.04.2020: Europas weltweiter Völkermord ist nicht vorbei. Er findet in den Internierungslagern statt, wo er Migrant*innen ihrer Lebensgrundlagen beraubt, während er ihre Länder kolonialrechtlich ausbeutet.

Er spielt Monopoly bis zur Wertlosigkeit, die er verbreitet bis zur erreichten Unnahbarkeit. Er erhöht seine Idee von Realität. Seine Idee der Idee.

—Text von Arlette-Louise Ndakoze

Die Künstlerin Samira Hodaei und die Philosophin Arlette-Louise Ndakoze laden ein zu einer vertieften Annäherung, zu einem Raum der Reflexion und des Diskurses, über die gegenwärtige Vergangenheit, das ungesehene Gegenwärtige, Presence of an Absence.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Streitfall Identität Wolfgang Engler im Gespräch mit Mehmet Akif Büyükatalay

Im Rahmen von

In der neuen Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen?

„Es war ein Fehler, in den 80er und 90er Jahren eine Globalisierung loszutreten, ohne die Notwendigkeit zu sehen, den Nationalstaat als liberale Körperschaft zu stützen. Es hatte zur Folge, dass die Einzigen, die über einen Nationalstaat redeten, Nationalisten waren. Ich denke, dass dies den Weg für Politiker wie Trump bereitet hat“, so die amerikanische Historikerin Jill Lepore in ihrem Buch „Diese Wahrheiten“ (München 2019).

Mehmet Akif Büyükatalay wuchs in Hagen auf. Nach seinem Abitur auf dem Abendgymnasium Rahel-Varnhagen-Kolleg Hagen studierte er Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln und schloss sein Studium mit dem Spielfilmdrama Oray ab. Der Film feierte auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 seine Welturaufführung und wurde mit dem „Best First Feature Award“ ausgezeichnet. Oray wurde mit mehr als Dutzend internationalen Preisen prämiert. Derzeit arbeitet er an einem Dokumentarfilm über türkisch-kurdische Musik in Deutschland und an seinem zweiten Spielfilm Hysterie.

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Streitfall Identität Wolfgang Engler im Gespräch mit Thea Dorn

Im Rahmen von

„Es war ein Fehler, in den 80er und 90er Jahren eine Globalisierung loszutreten, ohne die Notwendigkeit zu sehen, den Nationalstaat als liberale Körperschaft zu stützen. Es hatte zur Folge, dass die Einzigen, die über einen Nationalstaat redeten, Nationalisten waren. Ich denke, dass dies den Weg für Politiker wie Trump bereitet hat.“, das schreibt die amerikanische Historikerin Jill Lepore in ihrem Buch „Diese Wahrheiten“ (München 2019).

Nation, Heimat, Patriotismus – die Neue Rechte hat sich dieser Themen bemächtigt, so wie zuvor der Neoliberalismus die Reformagenda okkupierte. Die Linke antwortet auf diese doppelte Enteignung mit einem verstärkten Bekenntnis zum Internationalismus, Kosmopolitismus, aber das ist nicht genug, um programmatisch wieder in die Offensive zu gelangen. – Wie sich verlorenes Terrain zurückgewinnen ließe, darüber spricht der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit der Autorin Thea Dorn, die sich in ihrem Buch „deutsch, statt dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“ klug und differenzierend in die aktuellen Diskurse einmischt.

Streitfall Identität: Identitätsfragen werden gegenwärtig scharf diskutiert, in den USA wie in Europa. Einerseits sprechen wir vom Verlust von Identität in der globalisierten Gesellschaft, andererseits bedroht die Hyperindividualisierung die Erfahrung von gemeinsamen sozialen Räumen. Auf die große politische Bühne gehoben wurde die Debatte durch den US-amerikanischen Wahlkampf und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch angesichts des Brexit und der erstarkenden autoritären Rechten in Europa wird vehement darüber gestritten, ob der linke politische Diskurs zu sehr unter identitätspolitischen Vorzeichen geführt wird. Doch können die Emanzipationskämpfe der Frauenbewegung, von LGBTIQ oder Black Lives Matter ausgespielt werden gegen das Ringen um soziale Gerechtigkeit?

Unter der Chiffre „Identität“ wollen wir eine grundlegende Debatte darüber führen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen? In der Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen über diese Fragen.

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Wir sind gleichzeitig überall in der Zeit. Geschichte plastisch denken

Deutsch und Französisch mit Konsekutivübersetzung von Barbara Hahn

20. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz – kaum ein Name von Rang und Würden fehlt an den glamourösen runden Tischen der Vermählung von Geld und Politik. So beginnt der Lauf einer Geschichte.

„Die Literatur erlaubt alles, heißt es. Demnach könnte ich sie endlos über die Penrose-Treppe schicken, sie würden weder hinunter- noch hinaufsteigen, sondern auf immer und ewig beides auf einmal tun. Tatsächlich gleicht dies in mancher Hinsicht der Wirkung, die Bücher auf uns haben. Die Zeit der Wörter, kompakt oder flüssig, undurchdringlich oder buschig, dicht, gedehnt oder körnig, versteift die Bewegungen, friert sie ein. Unsere Figuren sind für immer in diesem Palais, wie in einem verzauberten Schloss. Kaum eingetreten, werden sie zu Boden geschmettert, versteinert, erstarrt. Die Türen sind gleichzeitig offen und geschlossen, die Bögen bröckeln, sind abgerissen, kaputt oder neu gestrichen. Das Treppenhaus blitzt, aber es ist leer, der Kronleuchter funkelt, aber er ist tot. Wir sind gleichzeitig überall in der Zeit. So steigt Albert Vögler die Stufen bis zum ersten Treppenabsatz hinauf und fasst sich dort schwitzend, ja triefend, an seinen Vatermörder, da er einen leichten Schwindel verspürt. Unter dem großen vergoldeten Leuchter, der die Stufen erhellt, zieht er seine Weste glatt, macht einen Knopf auf, weitet seinen Stehkragen.“

Éric Vuillard ist ein eigenwilliger Geschichte(n)schreiber, seine Bücher sind voller Momentbeschreibungen aus der Weltgeschichte, die er sich mit besonderem Geschick zusammensucht. Die Tagesordnung, 2017 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, handelt von Adolf Hitlers Weg von der Machtübergabe 1933 bis zur Einverleibung Österreichs fünf Jahre später. Eine Zeitspanne, die Vielen lange als bekannt erscheint und die Vuillard dennoch anders vor den Augen der Lesenden auftauchen lässt. Es sind die Auswahl der Momentaufnahmen, die kluge Kommentarebene, die literarische Ausstaffierung mit Details und der befreite Umgang mit Zeitsprüngen, die uns näher an die historischen Geschehnisse heranholen und miterleben lassen, was heute noch zu Fassungslosigkeit führt und führen sollte. Ausgehend von seinem vielbesprochenen Buch diskutiert der Autor mit der Journalistin und Moderatorin Shelly Kupferberg über die Möglichkeiten Geschichte plastisch zu denken und sie durch literarische Ansätze nahbar zu machen - die Erinnerung zwischen Fakt und Fiktion als Werkzeug in einer Zeit, in der nicht vergessen werden sollte.

Es werden Passagen aus DIE TAGESORDNUNG von der Schauspielerin Katja Gaudard gelesen.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Foto: Melania Avanzato

Postmigrantische Gesellschaft Gleichheit jenseits von Herkunft?

Mit: Naika Foroutan (Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung) und Sascha Lobo (Autor und Journalist)
Moderation: Esra Küçük

Wir leben in der postmigrantischen Gesellschaft. Postmigrantisch steht hierbei für eine Perspektive, die sich mit gesellschaftlichen Konflikten und Narrativen sowie sozialen und politischen Transformationen auseinandersetzt, die ausgehandelt werden, nachdem Migration erfolgt. Die postmigrantische Gesellschaft ist von Ambivalenzen geprägt, was sie konfliktreich macht; gleichzeitig beinhaltet sie das Versprechen einer radikalen, über das Migrantische hinausweisenden Utopie der Gleichheit, die außerhalb der Herkunft verhandelt wird.

Naika Foroutan ist Professorin für "Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik", Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universität zu Berlin und Gründungsvorstand des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) e.V. Zu den Schwerpunkten ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit gehören u.a. die Themen Migration und Integration; Islam- und Muslimbilder in Deutschland; Identität und Hybridität; politischer Islam und gesellschaftliche Transformation von Einwanderungsländern.

Sascha Lobo, Jahrgang 1975, studierte in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Er arbeitet als Autor, Internet-Unternehmer und Vortragsredner rund um den Schwerpunkt Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Seit 2011 schreibt er eine wöchentliche Kolumne auf Spiegel Online namens „Die Mensch-Maschine“, in der er aus digitaler Perspektive auf die Geschehnisse der Welt blickt. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören „Internet – Segen oder Fluch“ (mit Kathrin Passig, erschienen 2012 bei Rowohlt Berlin) und „Wir nennen es Arbeit“ (mit Holm Friebe, erschienen 2006 bei Heyne). Gemeinsam mit Christoph Kappes betreibt er die Fortschrittsfabrik, eine Projekt- und Beratungsgesellschaft für digitale Transformation. 2017 drehte er für das ZDF den Film „manipuliert“, der sich mit der Wirkung sozialer Medien auf die Gesellschaft beschäftigt.

Esra Küçük ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen Allianz Kulturstiftung, die multilaterale Kunst-, Kultur- und Bildungsprojekte in Europa und im Mittelmeerraum initiiert und fördert. Die in Hamburg geborene Politikwissenschaftlerin beschäftigt sich mit den Zukunftsfragen einer Gesellschaft im Wandel und war zuletzt Mitglied des Direktoriums im Maxim Gorki Theater und zuvor Gründerin der Jungen Islam Konferenz.

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Diaspora Europa Opferkonkurrenz, Opferallianz?

Mit Expert*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen sprechen Tímea Junghaus, Leiterin des European Roma Institute
for Arts and Culture, und Journalistin Shelly Kupferberg über die Geschichte und Gegenwart der jüdischen Gemeinschaft und der Gemeinschaft der Sinti und Roma. Welche Stereotype und Vorurteile ziehen sich bis heute durch die Geschichte beider Minderheiten? Welche Aufarbeitungsdiskurse fanden seit Ende des Zweiten Weltkriegs statt? Wie haben sie als Diasporagemeinschaften unser Verständnis vom heutigen Europa geprägt?

Keynotes: Andreas Nachama, Emran Elmazi
Diskussion mit: Gilda-Nancy Horvath, André Raatzsch, Lea Wohl von Haselberg
Moderation: Shelly Kupferberg

Andreas Nachama (geboren 1951 in Berlin) ist ein deutscher Historiker, Publizist und Rabbiner. Er war langjähriger geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors. Neben dieser Tätigkeit war er in weiteren Funktionen aktiv, unter anderem von 1992 bis 1999 als künstlerischer Leiter der Jüdischen Kulturtage in Berlin. Im Jahr 2005 wurde er zum Professor am Lander Institute for Communication about the Holocaust and Tolerance am Touro College Berlin ernannt und war dort bis 2015 tätig. Seit Mai 2015 ist er Mitglied der Antisemitismus-Kommission der Bundesregierung und seit Mai 2016 jüdischer Vorsitzender des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Andreas Nachama ist seit 2019 Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland und im Stiftungsrat des House of One am Petriplatz im Berliner Ortsteil Mitte, einem interreligiösen Projekt, das den Dialog zwischen Juden, Christen und Moslems fördert.

Emran Elmazi (32) ist ein Roma-Aktivist. Emlazi kam vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien als Flüchtling nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte er an der Universität von Trier Jura. Jetzt leitet er die Abteilung "Dialog" im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender in der Jugendselbstorganisation Amaro Drom e.V. "Unser Weg".

Gilda-Nancy Horvath ist Künstlerin, Journalistin, Projektmanagerin und Kommunikationsberaterin. Sie begann ihre Laufbahn mit Basisprojekten für die Roma-Gemeinschaft in Wien, Österreich. Bald darauf begann sie für den Österreichischen Nationalrundfunk ORF zu arbeiten. Als Roma Aktivistin publizierte sie zahlreiche Artikel für die Anliegen der Roma und beteiligte sich an vielen internationalen Projekten im Zusammenhang mit Roma-Aktivismus, Kunst und Politik. Nach 10 Jahren vor und hinter der Kamera beim ORF startete sie 2017 in Kooperation mit dem ORF ihr Projekt "romblog.at", das zum Ziel hat, die Chancen für junge Roma auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Derzeit ist sie Vorstandsmitglied des Europäischen Roma-Instituts für Kunst und Kultur (ERIAC).

Lea Wohl von Haselberg, geb. 1984, ist Film- und Medienwissenschaftlerin und forscht und schreibt zu deutsch-jüdischen Themen und Erinnerungskultur. Nach dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Frankfurt am Main promovierte sie in Hamburg und Haifa mit einer Arbeit über jüdische Spielfilmfiguren im westdeutschen Film und Fernsehen. Sie ist assoziiertes Mitglied des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und Mitherausgeberin des Magazins Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart. Seit Oktober 2017 arbeitet sie an einem Forschungsprojekt zu Arbeitsbiographien jüdischer Filmschaffender in der BRD an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

Shelly Kupferberg, 1974 in Tel-Aviv geboren, wuchs in West-Berlin auf. Sie studierte Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und begann schon während ihres Studiums, als Journalistin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu arbeiten. Neben zahlreichen Beiträgen für die ARD moderiert sie seit 25 Jahren Kultur-, Literatur und Gesellschaftsmagazine und arbeitet als freie Redakteurin und Moderatorin für Deutschlandfunk Kultur und moderiert auf rbbKultur tägliche Kultursendungen. Ihre thematischen Schwerpunkte sind neben der Kultur auch Themen, wie Bildung, Kulturvermittlung, Zivilgesellschaft, Demokratie und Partizipation, Diskriminierungs-, sowie Migrationsthemen. Von 1997-2007 arbeitete sie für die Jüdischen Kulturtage Berlin und kuratierte eigene Reihen. Sie moderiert zahlreiche Lesungen und Tagungen, Filmvorführungen, sowie hochkarätige Veranstaltungen für unterschiedliche Stiftungen, Ministerien, Kultureinrichtungen und Festivals. Außerdem moderiert sie ehrenamtlich für Terre des Femmes und den NIF (New Israel Fund).

Bild: Robert Gabris: „Vierka Vastu Merav“ (Vierka Ich Sterbe für Dich) 70X50 cm, Kupferstich auf Druckpaper, Print, Wien/UDINE, 2014

Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe Diaspora Europa, die vom Europäischen Roma Institut für Kunst und Kultur (ERIAC) und der Volksbühne Berlin anlässlich des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkrieges organisiert wird. Die Veranstaltungsreihe versammelt jüdische und Roma/Sinti Communities, um die poetologischen und politischen Dimensionen der Diaspora-Zugehörigkeit im heutigen Europa zu erforschen.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Streitfall Identität

Im Rahmen von

In der neuen Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen?

„Es war ein Fehler, in den 80er und 90er Jahren eine Globalisierung loszutreten, ohne die Notwendigkeit zu sehen, den Nationalstaat als liberale Körperschaft zu stützen. Es hatte zur Folge, dass die Einzigen, die über einen Nationalstaat redeten, Nationalisten waren. Ich denke, dass dies den Weg für Politiker wie Trump bereitet hat“, so die amerikanische Historikerin Jill Lepore in ihrem Buch „Diese Wahrheiten“ (München 2019).

Nation, Heimat, Patriotismus – die Neue Rechte hat sich dieser Themen bemächtigt, so wie zuvor der Neoliberalismus die Reformagenda okkupierte. Die Linke antwortet auf diese doppelte Enteignung mit einem verstärkten Bekenntnis zum Internationalismus, Kosmopolitismus, aber das ist nicht genug, um programmatisch wieder in die Offensive zu gelangen. – Im Gespräch mit Sahra Wagenknecht diskutiert Wolfgang Engler diese Probleme, aber auch die Möglichkeit einer linken Politik, die wieder mehrheitsfähig wäre. Neoliberale Reformen, die in Deutschland ohne Massenproteste über die Bühne gingen, lösten in Frankreich einen Aufstand der Massen aus. Was blockiert eine vergleichbare Mobilisierung hierzulande?

Streitfall Identität: Identitätsfragen werden gegenwärtig scharf diskutiert, in den USA wie in Europa. Einerseits sprechen wir vom Verlust von Identität in der globalisierten Gesellschaft, andererseits bedroht die Hyperindividualisierung die Erfahrung von gemeinsamen sozialen Räumen. Auf die große politische Bühne gehoben wurde die Debatte durch den US-amerikanischen Wahlkampf und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch angesichts des Brexit und der erstarkenden autoritären Rechten in Europa wird vehement darüber gestritten, ob der linke politische Diskurs zu sehr unter identitätspolitischen Vorzeichen geführt wird. Doch können die Emanzipationskämpfe der Frauenbewegung, von LGBTIQ oder Black Lives Matter ausgespielt werden gegen das Ringen um soziale Gerechtigkeit?

Unter der Chiffre „Identität“ wollen wir eine grundlegende Debatte darüber führen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen? In der Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen über diese Fragen.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Hongkong-Proteste: die Smart City als Feind

Der Schweizer Netzökonom und Investigativreporter Hannes Grassegger zeigt am Beispiel der Demonstrationen in Hongkong, wie wir zum ersten Mal auch einen Kampf der Bürger*innen gegen eine hochvernetzte, digitalisierte Smart City erleben. Die angebliche Stadt der Zukunft wird somit zum Feind ihrer Bewohner*innen. Die persönliche Zukunft vieler prodemokratischer Bewohner*innen Hongkongs hängt davon ab, ob sie die Informationsflüsse über ihr Verhalten Richtung China stoppen können.

Nach dem Inputvortrag wird Moderatorin Sabrina Apitz mit Hannes Grassegger und dem Regisseur Kay Voges über die Verschiebungen des Öffentlichen diskutieren.

Hannes Grassegger (Das MAGAZIN, Guardian, Buzzfeed) ist Journalist und Ökonom. Seine Enthüllungsreportagen über Cambridge Analytica (mit Mikael Krogerus), Facebooks geheimes Zensurteam in Berlin (mit Till Krause und Julia Angwin) und den Meme-Krieg gegen George Soros sorgten weltweit für Aufsehen. 2014 veröffentlichte er sein Buch Das Kapital bin ich – wie wir im Kapitalismus unsere Souveränität sichern können.

Sabrina Apitz ist freiberufliche Projektmanagerin, Kuratorin und Moderatorin, unter anderem für Berliner Gazette, Wikimedia Deutschland, Transmediale, Allianz Kulturstiftung sowie die Nationalagenturen für das Programm Erasmus+. Sie ist Lehrbeauftragte an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und auch als Trainerin und Journalistin tätig. Sie ist Mitbegründerin des Theaterkollektivs Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten (EGfKA). Seit Februar 2019 leitet sie den Kulturförderpunkt Berlin.

In Kooperation mit ARCH+

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

That’s not my story. Diversität und Perspektiven auf deutschen Bühnen

Im Rahmen von

Mit: Dr. Susanne Keuchel (Direktorin Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW), Thomas Köck (Dramatiker), Sandrine Micossé-Aikins (Leiterin des Projektbüros Diversity Arts Culture), Pınar Karabulut (Regisseurin), Dan Thy Nguyen (Regisseur, Darsteller), Moderation: Leonie Adam

19:30 Gespräch zwischen Dr. Susanne Keuchel und Sandrine Micossé-Aikins
Was ist Diversität und kann sie durch angeordnete strukturelle Veränderung und Quotenregelungen gesichert werden? Wie können Diversität und Inklusion fester Bestandteil bereits in der kulturellen Bildung werden? Und nach welchen Kriterien richtet sich demnach Kulturpolitik aus?

Sandrine Micossé-Aikins und Susanne Keuchel diskutieren über die aktuelle Situation der darstellenden Künste und mögliche Maßnahmen zur Abschaffung existierender Barrieren im Kulturbetrieb.

20:30 Podiumsdiskussion
Wessen Geschichten erzählen deutsche Theater? Wer erzählt sie, wer darf sie erzählen und wer entscheidet das? Für wen gilt Kunstfreiheit? Wessen Positionen werden auf deutschen Bühnen vertreten? Und welche Herrschaftsverhältnisse und Machtpositionen reproduzieren deutsche Theater damit?

Bei der Podiumsdiskussion sprechen die eingeladenen Regisseur*innen und Autor*innen über die Auseinandersetzung mit diesen Fragen in ihren künstlerischen Arbeiten.

16:00-19:00 Workshop: Critical Whiteness
Roter Salon > Anmeldung hier

18:00-19:15 Austausch zu Diskriminierungsschutz am Theater
Grüner Salon > Anmeldung hier

Referent*innen:

Prof. Dr. Susanne Keuchel studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Soziologie an der Universität Bonn und der Technischen Universität Berlin. Sie ist ehemalige geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Kulturforschung (ZfKf). Seit Dezember 2013 ist sie Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid. Als Honorarprofessorin lehrt sie am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und ist Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Seit November 2018 ist Susanne Keuchel Vorsitzende der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung. Im März 2019 wurde sie als Präsidentin des Deutschen Kulturrates gewählt.

Thomas Köck, geboren 1986 in Steyr, Oberösterreich. Er wurde durch Musik sozialisiert und studierte Philosophie in Wien sowie Szenisches Schreiben und Film an der Universität der Künste Berlin. Er arbeitete beim theatercombinat wien, war mit einem Dokumentarfilmprojekt über Beirut zu Berlinale Talents eingeladen, war Hausautor am Nationaltheater Mannheim, bloggt mit Kolleg*innen auf nazisundgoldmund.net gegen rechts und entwickelt mit Andreas Spechtl unter dem Label ghostdance konzertante readymades. Für seine Theatertexte wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis, zuletzt auch mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage NRW.

Sandrine Micossé-Aikins leitet Diversity Arts Culture und verantwortet die Begleitung der Berliner Kulturverwaltung. Sie ist Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin und Equitymanagerin und arbeitet schwerpunktmäßig zu Rassismus und Empowerment in der Kunst, der Wirkmacht kolonialer Bilder, Körperpolitik sowie Repräsentation und Gleichstellung im deutschsprachigen Kunst- und Kulturbetrieb.

Pınar Karabulut ist Regisseurin bringt in ihren Inszenierungen starke Frauenfiguren zur Geltung. Sie arbeitet dabei auf eine detailreiche wie kraftvoll radikale Weise die weibliche Perspektive aus Klassikern und zeitgenössischen Stoffen heraus und hinterfragt einen obsolet gewordenen Kanon, den sie, anstatt ihn aufzugeben, aufbricht und neu definiert. Sie inszenierte u.a. am Schauspiel Köln, Münchner Volkstheater, Maxim Gorki Theater Berlin, Staatsschauspiel Dresden, Volkstheater Wien, Theater Neumarkt in Zürich und an der Volksbühne Berlin. In der Spielzeit 2016/2017 kuratierte sie im Kollektiv das Britney, die Außenspielstätte am Offenbachplatz des Schauspiel Köln. Nach Invasion! von Jonas Hassen Khemiri und Maya Arad Yasurs Gott wartet an der Haltestelle (Staatsschauspiel Dresden) wurde mit Romeo und Julia (Schauspiel Köln) 2018 ihre dritte Arbeit zum Festival Radikal Jung eingeladen.

Dan Thy Nguyen ist freier Regisseur, Sänger, Schauspieler und Schreiber in Hamburg. Er arbeitete an verschiedenen Produktionen an Häusern wie z.B. Kampnagel Hamburg, Mousonturm Frankfurt, der Freien Akademie der Künste Hamburg und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Jahr 2014 schuf er das Stück Sonnenblumenhaus über die rassistischen Unruhen in Rostock-Lichtenhagen 1992. Denken was Tomorrow ist eine Produktion über seine Familie, vietnamesische Boat People. Seine neuen Arbeiten Yesterday never died und Benh [Gogol] Dien nehmen Bezug auf den Aufstieg der Neuen Rechten in Europa und die Idee des Wahnsinns aus einer russisch-asiatischen Perspektive. Ab 2020 wird er mit seinem Produktionsbüro "Studio Marshmallow" das interkulturelle Festival der Stadt Hamburg "Fluctoplasma -96h Kunst, Diskurs und Diversität" leiten.

Leonie Ute Maria Adam (geb. 1993) ist Theaterpädagogin (B.A.) und Studentin des M.A. Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Sie wirkte 2013 in der Theaterpädagogik des Maxim Gorki Theaters mit und betreute dort Projekte in Kooperation mit dem Campus Rütli Neukölln. Im Jahr 2012/2013 recherchierte und spielte sie zudem für "Fluchtpunkt Berlin" am Deutschen Theater. Nach einem Aufenthalt auf Lesbos 2016 verfasste sie eine dokumentarische Auseinandersetzung zu kritischem Volunteering mit dem Titel "Kann es falsch sein für Hungernde zu kochen?" und inszenierte diese als Wander-Lehrstück für linke Festivals. Sie arbeitete eng mit linken Bündnissen gegen Abschiebungen und Rassismus in Münster zusammen und beschäftigte sich mit theaterpädagogischen Projekten als Empowermentstrategie für Menschen mit Fluchterfahrung. An der HfS organisiert sie feministisch-marxistische Lesekreise sowie das linke Festival -AMS- im Schwarzwald.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Streitfall Identität

Im Rahmen von

Identitätsfragen werden gegenwärtig scharf diskutiert, in den USA wie in Europa. Einerseits sprechen wir vom Verlust von Identität in der globalisierten Gesellschaft, andererseits bedroht die Hyperindividualisierung die Erfahrung von gemeinsamen sozialen Räumen.

Auf die große politische Bühne gehoben wurde die Debatte durch den US-amerikanischen Wahlkampf und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Auch angesichts des Brexit und der erstarkenden autoritären Rechten in Europa wird vehement darüber gestritten, ob der linke politische Diskurs zu sehr unter identitätspolitischen Vorzeichen geführt wird. Doch können die Emanzipationskämpfe der Frauenbewegung, von LGBTIQ oder Black Lives Matter ausgespielt werden gegen das Ringen um soziale Gerechtigkeit?

Unter der Chiffre „Identität“ wollen wir eine grundlegende Debatte darüber führen, was Gesellschaften spaltet und was sie zusammenhält: Sind es Fragen über Zugehörigkeit, Heimat und Kultur oder soziale und verteilungspolitische Fragen?

In der neuen Reihe „Streitfall Identität“ diskutiert der Soziologe und Publizist Wolfgang Engler mit seinen Gästen über diese Fragen. Zum Auftakt spricht er mit der Autorin und Journalistin Jagoda Marinić, die sich u. a. mit ihren Büchern „Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land“ und „Made in Germany. Was ist deutsch an Deutschland?“ aktiv und differenziert in die aktuellen Diskurse einmischt.

Der Soziologie Wolfgang Engler, geboren 1952 in Dresden, publizierte zahlreiche Studien über Lebensformen in Ost und West und kritische Analysen über die Moderne, die Demokratie sowie den Wandel des Politischen und der Öffentlichkeit, u. a. „Lüge als Prinzip. Aufrichtigkeit im Kapitalismus“, „Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft“ und zuletzt, zusammen mit Jana Hensel, „Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“. Von 2005 bis 2017 war Wolfgang Engler Rektor der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.

Jagoda Marinić, Jahrgang 1977, ist Schriftstellerin, Kulturmanagerin und Journalistin. Sie ist feste Kolumnistin für die Süddeutsche Zeitung und taz und schreibt international für die New York Times. Bereits mit ihrem ersten Roman „Die Namenlose“ wird sie für den Bachmannpreis nominiert. Zuletzt erschienen ist der Debattenband „Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land“. Nach Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt Jagoda Marinić heute in Heidelberg und leitet dort das Interkulturelle Zentrum.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Klaus Theweleit: Männerphantasien

Vor 40 Jahren erschien mit Männerphantasien Klaus Theweleits große Untersuchung über die sexuelle, psychologische und soziopolitische Vorgeschichte des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik. Angesichts der Rückkehr rechten Straßenterrors und faschistoider Positionen sowie von Propagandafeldzügen gegen freiere Sexualitäten – Stichwort: „Genderwahn“ – sind Theweleits Analysen viel zu brennend, um das Buch ins Archiv der großen Werke zu stellen. In einer aktuellen Neuausgabe, ergänzt um ein Nachwort, ist Männerphantasien endlich wieder verfügbar, diskutierbar, politisch neu nutzbar.

Klaus Theweleit, 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik. Heute lebt er als freier Schriftsteller mit Lehraufträgen in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Seit 1998 ist Theweleit Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Sein Buch Männerphantasien bezeichnete Rudolf Augstein im Magazin Der Spiegel nach der Erstveröffentlichung als „vielleicht aufregendste deutschsprachige Publikation dieses Jahres“.

Margarita Tsomou ist promovierte Kulturwissenschaftlerin und arbeitet von Berlin aus als Autorin, Dramaturgin, Moderatorin, Kuratorin und Professorin. Sie hat 2008 das popfeministische Missy Magazine mitgegründet, ist Kuratorin für Theorie und Diskurs am HAU Hebbel am Ufer in Berlin und Professorin für Zeitgenössische Theaterpraxis an der Hochschule Osnabrück. Zwei ihrer jüngsten kuratorischen Arbeiten sind z. B. die Reihe #unteilbar denken - ein öffentlicher Think Tank im HAU-Hebbel am Ufer und die Veranstaltungsreihe der Apatride Society im diskursiven Programm von Paul B. Preciado der Documenta 14. Mit Klaus Theweleit hat sie bereits einige öffentliche Diskussionen geführt, z. B. als sie ihn auf ihre Konferenz Heimatphantasien – Von der Nation zu Heimat am Sommerfestival Kampnagel 2018 einlud. Sie veröffentlicht und forscht zu Queer-Feminismus und Sexualität, politischer Kunst, Performance-Theorie, Neue Medien und Demokratietheorie.

Das Programm GESCHICHTSMASCHINE wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

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