VOLKSBÜHNE
Berlin

Alexander Kluge

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, ist eine der tonangebenden intellektuellen Stimmen in Deutschland. Sein Werk steht im Kontext eines weitaus größeren Projekts, das seine literarischen Texte, Gesellschaftstheorie, Filmtheorie, Fernsehprogramme und politisches Handeln an verschiedenen kulturellen Fronten umfasst. Es kann als eine Fortsetzung der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule in Texten und bewegten Bildern betrachtet werden und stellt in der deutschen Kulturgeschichte der Nachkriegszeit ein einzigartiges Unterfangen dar. Die Motive, Themen und formalen Strategien von Kluges radikalem cinéma impur werfen Fragen nach Repräsentation und Gender, Geschichte und Erinnerung, nach dem Verhältnis von Theorie zur Praxis und der anhaltenden Vitalität der Moderne auf.

Nach dem Abitur in Berlin studiert er Rechtswissenschaften, Geschichte und Musikwissenschaft in Marburg and Frankfurt am Main und wird 1956 zum Dr. jur. promoviert. Während seines Studiums in Frankfurt lernt er Theodor Adorno am Institut für Sozialforschung kennen; dort leistet er sein Referendariat ab und wendet sich literarischen Arbeiten zu. Adorno stellt ihn Fritz Lang vor, für den Kluge bei den Dreharbeiten zu Der Tiger von Eschnapur (1959) als Assistent arbeitet. 1960 dreht Kluge zusammen mit Peter Schamoni seinen ersten Kurzfilm, Brutalität in Stein; 1962 ist er einer von sechsundzwanzig Unterzeichnern des Oberhausener Manifests, das den Beginn des Neuen Deutschen Films markiert. Im gleichen Jahr gründet Kluge zusammen mit den Filmemachern Edgar Reitz und Detlev Schleiermacher das Ulmer Institut für Filmgestaltung, um die kritischen und ästhetischen Praktiken des Jungen Deutschen Films und des Neuen Deutschen Films zu fördern. Sein erster Spielfilm Abschied von gestern wird bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1966 mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet, der erste deutsche Beitrag seit 1945, der diesen Preis erhält. 1987 gründet Kluge die Fernsehproduktionsgesellschaft dctp (Development Company for Television Program) als Plattform, die in eigener redaktioneller Verantwortung Spätsendungen für die sogenannten „Kulturfenster“ der Privatsender RTL Television, Sat.1 und VOX produziert. Ähnlich wie seine Filme verwenden diese Programme ein breites Spektrum von Bild- und Tonfragmenten, die dem Fernsehpublikum eine multisensorische, mehrdimensionale Erfahrung ermöglichen sollen. 2008 präsentiert Kluge die fast neunstündigen Nachrichten aus der ideologischen Antike: Marx/Eisenstein/Das Kapital, eine Neuerfindung von Eisensteins unvollendetem Projekt einer „Kinofizierung“ des Kapitals von Karl Marx und eine der komplexesten, monumentalsten Produktionen der jüngeren Filmgeschichte.

Überdies gehört Kluge zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern des späten 20. Jahrhunderts und ist ein wichtiger Gesellschaftskritiker. Seine literarischen Werke, zumeist Kurz- und Kürzestgeschichten, zeichnen sich durch ihre formalen Experimente und ihre ausdrücklich kritischen Themen aus. Sie stellen eine Form von analytischer Fiktion dar und verwenden Techniken des narrativen Bruchs, der Mischung von Genres, des Einschubs von nichtliterarischen Texten und Dokumenten sowie Perspektivwechsel. Wie Fassbinder 1982 schreibt, belege die „Prosa des Dichters Alexander Kluge, daß eins seiner Ziele ist, jedwede Institution in Frage zu stellen“, wenn „sein Werk nicht gar geeignet ist, zu beweisen, daß es Alexander Kluge im Grunde sogar um die Zerstörung einer jeden Institution geht.“

Zu Alexander Kluges bedeutenden theoretischen Schriften gehören Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit (1972) und Geschichte und Eigensinn (1981), die er beide zusammen mit Oskar Negt verfasste.

2017 werden Kluge und sein Studio in dem Film Finite and Infinite Games der Künstlerin Sarah Morris vorgestellt. Der Film, der sich mit der Elbphilharmonie in Hamburg beschäftigt, zeigt ein Gespräch zwischen Kluge und Morris über Architektur, Musik und die Religionsphilosophie des amerikanischen Wissenschaftlers James P. Carse.

Zu seinen wichtigsten Ausstellungen gehören: dctp – Alexander Kluge. Das Interview als künstlerische Form (ZKM, Karlsruhe 2008); „The Boat is Leaking. The Captain Lied.“ (Fondazione Prada, Venedig 2017); Pluriversum (Museum Folkwang, Essen 2017).

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